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Rendite einer rechtzeitigen Nachfolgeplanung

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Die Investition von Zeit und Geld in eine rechtzeitige Planung der eigenen Nachfolge lohnt sich. Insbesondere Inhaber eines Unternehmens, vermögende Mitglieder einer sog. Patch­work-Familie und Personen mit internationalen Bezügen in ihren Lebensverhältnissen sollten sich rechtzeitig um ihre Nachfolge kümmern. Das spart ihren Erben viel Ärger und Kosten.

Wird die Nachlassregelung zu lange aufgeschoben, wie es leider immer noch viel zu häufig der Fall ist, drohen im Einzelfall gravierende Nachteile für die Hinterbliebenen: Streitigkeiten zwischen den Erben, eine lange und zeitaufwendige Phase der Nachlassabwicklung sowie zum Teil enorme Beratungskosten für die Erben sind häufige Folgen.

Noch schlimmer kann es ein Unternehmen treffen, dessen Inhaber der oder die Verblichene gewesen ist. Der Fortbestand des Unternehmens kann insgesamt in Frage stehen, allein weil keine oder nur unzureichende letztwillige Verfügungen getroffen worden sind.

Die Vorteile einer rechtzeitigen Nachfolgeplanung liegen auf der Hand: Die Hinterbliebenen finden mit ihr eine Struktur vor, die den Wünschen des Erblassers entspricht. Er und seine Berater haben sich fundierte Gedanken dazu gemacht, was wie abgewickelt werden soll und auch darüber, wer welche Vermögensgegenstände aus dem Nachlass erhalten soll. Bei Auslandsbezügen des Erbfalls können die Berater bereits zu Lebzeiten des Erblassers die nach dem Erbfall anstehenden Maßnahmen im Ausland, beispielsweise in Bezug auf Auslandsimmobilien, umfassend vorbereiten.

Eine professionelle Nachfolgeplanung erspart den Hinterbliebenen eine unter Umständen jahrelange Belastung mit der Nachlassabwicklung, mit Streitigkeiten und natürlich mit den weitaus höheren Kosten, die ohne eine solche Planung anfallen. Von einem Laientestament eines Unternehmers oder einer vermögenden Privatperson muss entschieden abgeraten werden. Das Erbrecht ist zu komplex, um es sich im Eigenstudium anzueignen. Die bei Testamenten der Marke „Eigenbau“ gesparten Ausgaben für einen auf Erbrecht spezialisierten Rechtsanwalt oder Notar ziehen in aller Regel immense Folgekosten nach sich. Das zeigt folgendes Fallbeispiel:

Ein Erblasser mit Wohnsitzen in Deutschland und in einem Land des asiatischen Raums verstirbt ohne Testament. Er hatte Immobilienvermögen in dem asiatischen Staat sowie Geld- und Wertpapiervermögen in Deutschland sowie Bankkonten in anderen ausländischen Staaten. 

Hätte der Verstorbene im Beispiel einerseits rechtzeitig ein deutsches Testament errichtet sowie ein Testament, das den Vorschriften des ausländischen Rechts entspricht, verbunden mit Vorkehrungen für den Fall seines Ablebens, bezogen auf das Auslandsvermögen anderer­seits, hätten die entsprechenden Gestaltungs- und Abwicklungsmaßnahmen mit einem Betrag zwischen ungefähr EUR 3.000,00 bis EUR 8.000,00 umgesetzt werden können.

Weil jegliche Nachfolgeplanung fehlte und der Beratungsaufwand im In- und Ausland deshalb weitaus höher war, hat die Nachlassabwicklung die Erben letztlich ein Vielfaches dieser Beträge gekostet und darüber hinaus viel mehr Zeit in Anspruch genommen.

Noch wichtiger ist die Nachfolgeplanung, wenn es ein Unternehmen gibt. Die meisten verblichenen Unternehmer würden sich vermutlich sprichwörtlich „im Grab herumdrehen“, wenn sie wüssten, aufgrund einer versäumten Nachfolgeplanung ist das Unternehmen untergegangen, welches sie zu Lebzeiten mit ihrer ganzen Energie aufgebaut hatten. Das gilt auch für den häufigen Fall, dass sie bloß „nicht mehr rechtzeitig dazu gekommen“ waren.

Lohnt sich die Investition in eine rechtzeitige professionelle Nachfolgeplanung aber auch im Sinne eines Return on Investment bzw. welche Rendite kann mit der Planung erzielt werden?

Die erste Frage ist in aller Regel zu bejahen: Die Rendite, welche sich durch den Vergleich der hypothetischen lebzeitigen Beratungskosten mit den viel höheren zusätzlichen Kosten der Nachlassabwicklung bei fehlender Nachfolgeplanung errechnen lässt, ist immens.

Sogar sehr gute Vermögensverwalter würden sich wünschen, diese Rendite in guten Markt­phasen erzielen zu können, denn Renditen von 100 Prozent oder mehr sind realistisch. Die Risiken der Investition sind überschaubar, jedenfalls wenn man von Spezialisten beraten wird.

Vor diesem Hintergrund kann Unternehmern, vermögenden Privatpersonen, Personen mit Bezügen zum Ausland oder solchen mit komplizierten Familienverhältnissen nur dringend zu einer Investition in ihre eigene Nachfolgeplanung geraten werden.

Diese wird sich in jedem Falle für die Hinterbliebenen auszahlen. Der Verstorbene selbst wird letztlich in zweierlei Hinsicht davon profitieren: Er kann sich aufgrund der professionellen Planung sicher sein, dass seine Wünsche und Anordnungen zum Umgang mit seinem Nachlassvermögen befolgt werden. Außerdem kann er sich der Anerkennung und Dankbar­keit seiner Hinterbliebenen sicher sein. Er erspart ihnen viel Ärger, Zeit und Geld.

Angesichts dieser Rendite seiner Investition in eine professionelle Nachfolge­regelung wird er seinen Nachfolgern als guter Investor mit viel Weitsicht im Gedächtnis bleiben.

© 2016 Dr. Marcus A. Hosser


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Erbrecht

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