Umzug in die USA bei gemeinsamem Sorgerecht – Moving to the USA in case of joint custody – D/ENG

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Umzug in die USA bei gemeinsamem Sorgerecht

Im vorliegenden Fall ging es um die Konstellation, dass sich die Eltern eines gemeinsamen Kindes seit der Trennung auf den Lebensmittelpunkt des Kindes bei der Mutter verständigt hatten. Beide teilen sich das Sorgerecht. Bis zum Sommer des vergangenen Jahres lebten beide Eltern in Hamburg, der Kindsvater konnte seine Tochter nach richterlichem Beschluss jedes 3. Wochenende zu sich nehmen und unter der Woche von mittwochs auf donnerstags.

Die Kindsmutter beabsichtigt nun, ab dem künftigen Sommer mit dem gemeinsamen Kind in die USA überzusiedeln und argumentiert mit beruflichen und privaten Gründen. Es gebe auch bereits eine Nanny, die sich während der Arbeitstätigkeit umfassend um das Kind kümmert.

Der Kindsvater möchte dies unterbinden, da sich das Kind durch die größer werdende Distanz auch gegebenenfalls weiter von ihm entfremde (Umgang entfällt, Zeitunterschied beträgt ca. 10 Stunden). Außerdem bedeutet es für das Kind, das im Übrigen noch kein Englisch spricht, den 4. Schulwechsel innerhalb von wenigen Jahren. Er möchte stattdessen das Kind zurück nach Hamburg bringen und es in die ehemalige Schule wiedereinschulen. Hier lebt zudem die gesamte Familie väterlicherseits und auch die Freundschaften könnten gepflegt werden.

Wie stellt sich nun die rechtliche Situation dar? Ist ein Umzug bei vorliegender Konstellation (wichtig: gemeinsames Sorgerecht) möglich?

Hier besteht ein sehr wichtiger Unterschied zu ähnlich gelagerten Fällen nicht (oder ehemals) verheirateter Eltern, die nicht das gemeinsame Sorgerecht beantragt haben. Denn der Kindsvater hat hier die geteilte elterliche Sorge in allen Punkten inne. Dies ist eine ganz andere Rechtsstellung hinsichtlich des Kindes. Rechtlich hat er damit dieselben Rechte wie die Kindsmutter. Dies ist insbesondere bei einem Umzug zu berücksichtigen. Eine Ausprägung des Sorgerechts ist hier das sogenannte Aufenthaltsbestimmungsrecht. Somit haben auch beide Elternteile ein (geteilt ausgeübtes) Recht auf die Bestimmung, wo das Kind seinen Lebensmittelpunkt haben soll und wird. Dadurch kann auch der Kindesvater den Aufenthaltsort seiner Tochter selbst bestimmen oder gerichtlich bestimmen lassen. Dies wäre eine Möglichkeit, um gegen den Umzug der Tochter zu wirken, sofern keinerlei einvernehmliche Regelung der Eltern möglich erscheint. Dann wird das Gericht sämtliche Anhaltspunkte in Erwägung ziehen und eine umfassende Gewichtung durchführen, welcher Lebensmittelpunkt (und Ort) dem Kindeswohl zugute kommt.

Außerdem, und auch das ist bei Ausübung des gemeinsamen Sorgerechts wichtig, ist zudem die Zustimmung des Kindsvaters für den Umzug erforderlich. Erteilt dieser seine Zustimmung im Rahmen des gemeinsamen Sorgerechts nicht, darf die Kindesmutter mit der Tochter auch tatsächlich nicht umziehen. Auch dies kann praktisch sehr ausschlagkräftig durch eine Grenzsperre etc. verhindert werden.

Es bleibt auch hier nochmals zu erwähnen, dass der Grundsatz in Sorgerechts- und Umgangsangelegenheiten im Familienrecht stets das Wohl des Kindes ist. Hieran orientieren sich die Gerichte, auch wenn teilweise tatsächlich sowohl der Gesetzgeber als auch die Gerichte die Bindung zur Kindesmutter mehr hervorheben als die zum Kindesvater. Aufgrund zahlreicher Gesetzesänderungen haben es heute zwar Väter grundsätzlich leichter, auch ihre Rechte durchzusetzen, jedoch gehört hierzu meistens immer noch ein beträchtlicher Aufwand und Durchhaltevermögen.

Die zweite und immer vorab durch den Anwalt/die Anwältin zu prüfende Möglichkeit wäre hier, eine einvernehmliche Lösung mit der Kindesmutter zu erreichen, die allerdings in den meisten Fällen bereits aussichtslos erscheint, insbesondere nach der oftmals geschilderten Verhaltensweise der Kindesmutter, auch bisher Entscheidungen des Kindes alleine getroffen zu haben.

Bei jeglichem Beratungs- und Vertretungsbedarf im (internationalen) Familienrecht wenden Sie sich an Rechtsanwältin Vera Mueller.

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English version:

Moving to the USA in case of joint custody

The case at hand concerned the constellation that the parents of a common child had come to an understanding since their separation from the child’s center of life with the mother. Both share common custody. Until the summer of last year, both parents lived in Hamburg, the child's father could take his daughter after judicial decision every third weekend and during the week from Wednesdays to Thursdays.

The child's mother now intends to move with the common child to the US from the coming summer and justifies this for professional and private reasons. There is also already a Nanny who cares during the work comprehensively around the child.

The child's father would like to prevent this because the child due to the increasing distance also alienates from him (visitation is not possible, time gap is about 10 hours). In addition, it means a fourth change of school within a few years for the child who otherwise does not speak English. Instead he wants to take the child back to Hamburg and re-train it in the former school. Here as well lives the entire paternal family and the friendships could be maintained.

What is the legal situation here? Is the moving possible in the present constellation (important: case of joint custody)?

There is a very important difference to similar cases of unmarried (or formerly married) parents who have not requested joint custody. Because the father of the child has here the shared parental care in all points. This is a completely different legal status with regard to the child. Legally he has the same rights as the child’s mother. This should be taken into account, especially when moving. One form of custody is the so-called residence law. Thus, both parents have a (shared) right to determine where the child should and will have his center of life. As a result, the father of the child can determine the whereabouts of his daughter or be judicially determined. This would be a way to counteract the removal of the daughter if no mutually agreed regulation of the parents seems possible. Then, the court will consider all the clues and give a comprehensive weighting of what the center of life (and location) is best for the child’s growth and health.

In addition, and this is important in the exercise of common custody, the consent of the child’s father is required for the moving. If the latter does not give his consent under the common custody right, the child's mother may not actually move with the daughter. Again, this can be practically prevented very effectively by a border lock, etc.

It also remains to be mentioned here again that the principle in custody and visitation matters in family law always forms the best interests of the child. The courts are guided by this even if in some cases both the legislator and the courts emphasize the attachment to the child’s mother more than that to the child’s father. Due to numerous changes in the law, fathers are now generally easier to enforce their rights, but this usually still involves a considerable effort and perseverance.

The second alternative and always to be examined in advance by the lawyer would be here to reach an amicable solution with the child’s mother, but in most cases this already seems hopeless, especially after the often described behavior of the child’s mother, and so far decisions made alone concerning the child. If you have any need for advice or representation in (international) family law, please contact the lawyer Vera Mueller.


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