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Versicherungsbetrug: Steht jeder Versicherungsbetrug unter Strafe?

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Versicherungsbetrug: Beispiele, Tipps und Konsequenzen

Ein sog. Versicherungsbetrug liegt eigentlich immer dann vor, wenn bewusst wahrheitswidrige Angaben bei der Versicherung getätigt werden, die dazu führen, dass eine Vermögensverschiebung zulasten der Versicherung stattfindet. Juristisch betrachtet gibt es den Begriff des Versicherungsbetruges aber gar nicht, denn es handelt sich beim Versicherungsbetrug schlichtweg um den Tatbestand des Betruges gem. § 263 StGB.

Die juristischen Feinheiten des Betruges sollen hier aber nicht weiter vertieft werden, denn wenn Ihnen gegenüber der Vorwurf des Versicherungsbetruges erhoben worden sein sollte, dann bedarf es ohnehin einer qualifizierten anwaltlichen Beratung, denn aus meiner praktischen Erfahrung als Schadenregulierer (Versicherungsdetektiv) für Versicherungen weiß ich, dass es schon einer erheblichen Täuschung bedarf, bis eine Versicherung einen möglichen Versicherungsbetrug zur Anzeige bringt.

Versicherungsbetrug als Volkssport

Schätzungen der Versicherungswirtschaft gehen so weit, dass jedes Jahr etwa vier Milliarden Euro an Versicherungsprämien zu Unrecht (Versicherungsbetrug) ausgezahlt werden. Insoweit kann man beim Versicherungsbetrug von einem Volkssport sprechen.

Ich selbst habe eine Vielzahl von Versicherungsschäden begutachtet, besichtigt, reguliert und mitunter auch abgelehnt. Aber nur ganz wenige Schäden sind auch direkt in der Betrugsabwehr der Versicherungen gelandet, denn nicht jede falsche Äußerung gegenüber der Versicherung ist für einen Versicherungsbetrug ausreichend.

Was ist die Strafe für einen Versicherungsbetrug?

Die Strafe für einen Versicherungsbetrug ist vielfach ein Strafbefehl, denn Strafbefehle werden vornehmlich bei einem Massenphänomen wie dem Versicherungsbetrug erlassen. Gegen solche Strafbefehle lohnt es sich aber, Einspruch einzulegen und die Sache genau prüfen zu lassen, denn manchmal hegt eine Versicherung zu schnell den Verdacht des Betruges und die zuständige Staatsanwaltschaft übernimmt ungeprüft den Sachverhalt der Juristen der Versicherung.

Versicherungsbetrug, welcher Betrug ist perfekt?

Als Anwalt kann ich Ihnen nur die Auskunft geben, dass der perfekte Versicherungsbetrug derjenige Betrug ist, der gar nicht erst auffliegt. Es kommt also weder zu Auffälligkeiten bei der Regulierung durch die Versicherung noch zu einer Strafanzeige. Ganz einfach, wer eine Straftat begangen hat und wenn diese Straftat, wie ein Versicherungsbetrug, nicht aufgedeckt wird, dann könnte man insoweit von einem perfekten Versicherungsbetrug sprechen.

Welche Gefahren drohen neben der Strafe bei einem Versicherungsbetrug?

Ganz einfach: Neben der eigentlichen Strafe entfällt der Versicherungsschutz. Dies bedeutet, dass die Versicherung nicht zum Ersatz des Schadens verpflichtet ist. Diesen Aspekt sollte man immer berücksichtigen, wenn man einen ganz bewussten Versicherungsbetrug begeht.

Ist jede Modifizierung des Schadenfalles ein Versicherungsbetrug?

Rein juristisch betrachtet ist selbst die falsche Angabe zu etwaigen Eigenleistungen nach einem Wasserschaden ein Versicherungsbetrug. Wer also angibt, er hätte 10 Stunden Wasser in der Wohnung entfernt, obwohl der Boden bereits nach 8 Arbeitsstunden trocken war, der begeht zumindest einen versuchten Versicherungsbetrug. 

Rein praktisch wird es aber bei einer solchen Falschangabe kaum zu einer Anzeige kommen, denn dies ist weder nachprüfbar noch hat irgendwer ein ernsthaftes Interesse daran, wegen evtl. 25,00 EUR Eigenleistung ein riesen Fass aufzumachen und die Maschinerie in Gang zu setzen. Der Schaden wird dann einfach auf eine lebensnahe Betrachtung herunterreguliert.

Versicherungsbetrug, welche Arten gibt es?

Grundsätzlich ist Versicherungsbetrug immer dann möglich, wenn eine Versicherung involviert ist. So vielseitig die Anzahl der Versicherungen ist, so vielseitig sind auch die Betrugsmöglichkeiten. Im Bereich der Sachversicherungen bieten jedoch plötzliche Schadenereignisse manchmal erst den Anreiz für einen Versicherungsbetrug.

Versicherungsbetrug nach einem Einbruchdiebstahl - Hausratversicherung

Ein beliebtes Beispiel sind Einbruchdiebstähle. Die Sachen sind entwendet und der Versicherungsfall ist eingetreten. Schnell finden sich auf der Stehlgutliste aber Gegenstände, die der Versicherungsnehmer nie sein Eigentum nennen durfte. Hierbei handelt es sich dann um eine bewusst wahrheitswidrige Behauptung. All dies führt regelmäßig aber noch nicht zu einem vollendeten oder aber versuchten Versicherungsdiebstahl, denn vielfach wird die Versicherung den Schaden einfach mangels notwendiger Eigentumsnachweise ablehnen.

Welche Möglichkeiten Sie haben, Ihr Eigentum gegenüber der Versicherung nachzuweisen, obwohl Belege fehlen, können Sie in dem Rechtstipp „Verhalten nach einem Einbruchdiebstahl“ nachlesen.

Versicherungsbetrug nach einem Wasserschaden - Gebäudeversicherung

Ein klassischer und ungewollter Wasserschaden bietet kaum Möglichkeiten für einen echten Versicherungsbetrug. Vielmehr gilt es hier, das richtige Verhalten nach einem Wasserschaden an den Tag zu legen.

Wer jedoch bewusst Leitungen manipuliert, der erweckt den Anschein eines Wasserschadens und begeht damit einen Versicherungsbetrug. Die Ausmaße eines Wasserschadens können mitunter schlimmer als diejenigen Folgen eines Feuers sein.

Bei einem von mir besichtigten Schaden setzte ein VN durch Manipulation an einem Boiler sein gesamtes Haus sowie die Wohnung seiner Eltern unter Wasser. Das Haus war ein wirtschaftlicher Totalschaden mit mehreren 100.000,00 EUR Schaden.

Es gab diverse typische Vorzeichen und auch Signale in der gesamten Regulierung, dass etwas nicht stimmt, sodass letztlich und zusätzlich technische Sachverständige eingeschaltet wurden. Wenn eine Gebäudeversicherung sowie zwei betroffene Hausratversicherungen Ihre Betrugsabwehr ins Laufen bringen, dann spielen Kosten der Sachverhaltsermittlung keine Rolle mehr.

„Insider“ denken, dass sich ein Wasserschaden deswegen anbieten würde, weil es keine Feuerwehr, keine Polizei und keine Brandermittlung geben würde, aber wenn der Versicherungsbetrug auffliegt, wie im beschriebenen Fall, dann steht der Versicherungsnehmer nicht nur vor Gericht, sondern auch ohne Hab und Gut da.

Versicherungsbetrug durch Brandstiftung - Gebäudeversicherung

Brandschäden könnten auch ein breites Spektrum an Möglichkeiten für einen Versicherungsbetrug bieten. Hier geht es dann aber um die Berechnung von Zeitwerten, Neuwerten usw. bei der Gebäudeinstandsetzung.

Wer jedoch Leib und Leben anderer zwecks Erlangung eines finanziellen Vorteils gefährdet, dies sogar unter der konsequenten Strafandrohung der Brandstiftung in Kauf nimmt, der wird sich mit den vorstehenden Fragen der Instandsetzung und der Berechnung der Versicherungssumme ohnehin schon ausführlich auseinandergesetzt haben, sodass es keines weiteren Eingehens darauf bedarf.

Versicherungsbetrug in der Haftpflichtversicherung 

Wer einen Schaden frei erfindet, der begeht natürlich auch einen Versicherungsbetrug. Bitte stellen Sie sich dies nicht so einfach vor, dass man einen Sachverhalt einfach frei erfinden könnte, denn geschulte Außenregulierer sowie Anwälte, Richter und Staatsanwälte werden darauf geschult, die Glaubhaftmachung von Aussagen zu überprüfen. So werden mitunter Nebensächlichkeiten abgefragt, um zu ergründen, ob die Aussage wirklich erlebnisorientiert ist.

Es spielt eben nicht nur eine Rolle, ob Sie sagen können, das „Erbstück“ wurde entwendet, sondern Sie sollten auch wissen, wie es aussah, von wem Sie es bekamen, woher es stammte und wann dieses Erbstück z. B. das letzte Mal getragen wurde. Wenn Sie sodann einfach sagen, es war auf einer Hochzeit, wissen jedoch nicht mehr, welche Hochzeit es war, dann haben Sie insgesamt schlechte Karten, dass dies insgesamt als glaubhaft gewürdigt wird.

Die Sachverhaltsmodifizierung als Versicherungsbetrug

Manchmal kommt es auch einfach auf die zutreffende Sachverhaltsschilderung bei einem Versicherungsfall an. War das Fenster geschlossen, war die Tür nur angelehnt oder war vielleicht doch abgeschlossen gewesen, weil Sie dies regelmäßig machen?

Bei einer Modifizierung bzw. einer Klarstellung des Schadenherganges kann man aber regelmäßig nicht von Versicherungsbetrug sprechen, solange nicht bewusst wahrheitswidrige Vorgänge geschildert werden. Darüber hinaus sind kleine Sachverhaltsmodifizierungen doch ohnehin in den Versicherungsprämien miteinkalkuliert, oder etwa doch nicht?

Versicherungsbetrug ein Fazit

Versicherungsbetrug ist derart vielfältig, dass es sich lohnt, einen Vorwurf explizit prüfen zu lassen, denn nicht jeder gemachte Vorwurf ist zutreffend.

Diesbezüglich erinnere ich mich auch an so manchen von mir besichtigten Schadenfall, bei dem die Versicherung bereits vor dem Ortstermin mitgeteilt hatte, dass ein sog. Dubiosverdacht bestehen würde.

Vor Ort angekommen stellte sich die ganze Sache aber oft anders da und nach Abklärung der örtlichen Gegebenheiten sowie entsprechender kritischer Nachfragen zum Schadenhergang blieb oft nur noch eine Entscheidung, nämlich die Regulierung des Versicherungsschadens.

Ich berate und vertrete Sie gerne bei Fragen rund um den Versicherungsbetrug.

Rechtsanwalt Axel Schwier


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Strafrecht, Versicherungsrecht

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