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Berufsunfähigkeitsversicherung und Krankentagegeldversicherung

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Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sichert die Arbeitskraft eines Versicherungsnehmers ab. Es spielt dabei für den Eintritt des Versicherungsfalls in der Regel keine Rolle, warum jemand nicht mehr aus gesundheitlichen Gründen arbeiten kann. Nur die vorsätzliche Eigenschädigung bleibt vom Versicherungsschutz außen vor.

Die Ausgestaltung des Versicherungsschutzes hängt sehr von den Versicherungsbedingungen, dem sog. Kleingedruckten, ab. Denn der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung ist eigen, dass der Versicherungsfall nur dann eintritt, wenn die zuletzt an gesunden Tagen ausgeübte Tätigkeit in ihrer konkreten Ausgestaltung nicht mehr ausgeübt werden kann. Der erlernte oder im Versicherungsantrag angegebene Beruf spielt also keine Rolle.

Aber eine nahezu unüberschaubare Anzahl von Versicherungsbedingungen mit Verweismöglichkeiten auf andere Berufe, teilweise sogar auf den allgemeinen Arbeitsmarkt oder der Verzicht auf Verweisung bei bestimmten Berufsgruppen, machen es für den Laien nahezu unmöglich, dass er, oft mit Hilfe seines Hausarztes, erkennen kann, ob der Versicherungsfall eingetreten ist. Bereits in diesem Stadium, also wenn man meint, man sei berufsunfähig, sollte man einen fachanwaltschaftlichen Rechtsrat einholen. Die Erfahrung zeigt, dass nur so eine auf Augenhöhe mit der Versicherung herzustellende Verhandlung möglich ist.

In vielen Fällen geht dem Eintritt der Berufsunfähigkeit eine oft länger dauernde Arbeitsunfähigkeit voraus, die bei Vorhandensein einer Krankentagegeldversicherung tagtäglich den vereinbarten Tagessatz erbringt.

Da Arbeitsunfähigkeit rechtlich und tatsächlich nicht gleich Berufsunfähigkeit ist, sie sich sogar versicherungsrechtlich ausschließen, tritt oft eine bizarre Situation ein: Die Krankentagegeldversicherung stellt Leistungen ein, weil sie der Ansicht ist, es liege schon eine Berufsunfähigkeit vor. Die Berufsunfähigkeitsversicherung hingegen mein, es liege noch lange keine Berufsunfähigkeit, sondern nur eine (vorübergehende) Arbeitsunfähigkeit vor.

Das Ergebnis ist für den vermeintlich „gut versicherten" Versicherungsnehmer fatal: Er bekommt kein Geld.

Deshalb ist auch in den Fällen längerer Krankheit, in denen der Krankentagegeldversicherer den Kunden wiederholt zu einem Arzt schickt, fachanwaltschaftliche Information ratsam. Denn die wiederholte Verpflichtung einen Arzt zur Überprüfung des Versicherungsfalls dient ausnahmslos dazu, den Kunden in die Berufsunfähigkeit zu drängen, weil dann von Seiten des Krankentagegeldversicherers nicht mehr gezahlt werden muss. Hier ist kluge, erfahrene und geschickte Beratung im Hintergrund, nötigenfalls Verhandlung mit den beteiligten Versicherungen, notwendig.


Rechtstipp vom 02.02.2012
aus der Themenwelt Versicherungen und dem Rechtsgebiet Versicherungsrecht

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