Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers: Nur eine leere Worthülse?

(1)

Trotz arbeitsvertraglicher Fürsorgepflicht kommt es zu häufig vor, dass Arbeitnehmer Opfer von Bossing sind oder dass der Arbeitgeber nicht wirkungsvoll gegen Mobbing vorgeht.

Sollte es in einer Firma oder in einer Behörde Gerangel um einen Posten oder eine Beförderung geben, greifen Kollegen gern auch mal zu einem knallharten Mittel, um den Konkurrenten zu schwächen: das Mobbing. Sollte ein Arbeitnehmer der Geschäftsführung nicht mehr ins Konzept passen und sollte dieser möglichst zur Eigenkündigung getrieben werden, wird manch ein Arbeitnehmer vom Chef systematisch fertig gemacht. Das nennt man Bossing.

Der gemobbte oder gebosste Arbeitnehmer macht öfter Fehler. Die Folge: Eine Abmahnung und - sollten sich die Fehler wiederholen - die Kündigung. Manch ein Arbeitnehmer muss wegen des Mobbings/Bossings in ärztliche Behandlung. Wieder andere werden zur Unterzeichnung eines Aufhebungsvertrages genötigt.

Der Umgang mit Mobbingfällen ist nicht einfach. Ein unter Druck unterzeichneter Aufhebungsvertrag kann nur in extremen Fällen angefochten werden. In der Praxis ist die Beweislage hier oft das Problem. Sollte sich vor Gericht herausstellen, dass systematisches und erhebliches Mobbing/Bossing zu einer ärztlich anerkannten Gesundheitsbeeinträchtigung geführt hat, sprechen die Gerichte Schadensersatz zu. Die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers wird vor Gericht sehr ernst genommen. Die Kunst besteht darin, die Erheblichkeit und Systematik des Mobbings/Bossings gerichtsfest nachzuweisen.

Fachanwaltstipp Arbeitnehmer: Nicht jeder böse Blick des Kollegen ist ein Indiz für Mobbing. Ärger am Arbeitsplatz kann vielfältige Gründe haben. Sie müssen ein Gefühl dafür entwickeln, wann Sie ein von Ihnen so empfundenes Problem mit Kollegen ansprechen sollten, wann Sie an sich arbeiten sollten, um weniger empfindlich für normale Stresssituationen im Büro zu werden, und wann eine Situation vorliegt, in der Sie von anderen Mitarbeitern fertig gemacht werden. Im letztgenannten Fall sollten Sie mit Vorgesetzten, dem Betriebsrat oder mit einem Fachmann für arbeitsrechtliche Konflikte schnell und entschieden über eine Lösung reden.

Fachanwaltstipp Arbeitgeber: Eine schlechte Personalwirtschaft kann eine Firma an den Rand des Ruins führen. Ein nachhaltig starkes Wirtschaftsunternehmen kann nur mit einer motivierten und harmonischen Mannschaft entstehen und prosperieren. Wenn einer Ihrer Mitarbeiter den Betriebsablauf stört und andere Mitarbeiter mobbt, sollten Sie arbeitsrechtliche Maßnahmen gegenüber dem Mobbenden - und nicht gegenüber dem Gemobbten wegen dessen nachlassender Leistung - in Betracht ziehen.

Rechtsanwalt Alexander Bredereck

Fachanwalt für Arbeitsrecht


Rechtstipp vom 19.07.2011
aus der Themenwelt Abmahnung und Kündigung und dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Alle Rechtstipps von Rechtsanwalt Alexander Bredereck (Bredereck und Willkomm)