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Dieselskandal: „Thermofenster“ beim Dieselmotoren von Volvo (XC60)?

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Der Dieselskandal wurde lange Zeit vor allem mit Volkswagen und Daimler/Mercedes in Verbindung gebracht. Als Fahrer eines Diesels von Volvo konnte man diesem Drama beruhigt von außen zu sehen. Damit könnte nun aber Schluss sein. Auch gegen Volvo werden Vorwürfe laut, mit sog. Thermofenstern bei der Abgasreinigung zu tricksen. Konkret geht es hierbei um den Euro 5- Diesel SUV vom Typ XC60 mit 2,0 l Motor.

Thermofenster bei Volvo?

Was sind „Thermofenster“ eigentlich? Thermofenster sind nicht etwa echte Fenster zum Auf- und Zumachen. Sie sind vielmehr eine Technik, die anhand der Außentemperatur die Abgasreinigung regelt. Bei bestimmten niedrigeren oder hohen Temperaturen – also außerhalb eines „Fensters“ von z. B. 10 und 33 Grad – wird die Reinigung der Autoabgase reduziert oder ganz abgeschaltet. 

Der Begriff „Thermofenster“ ist gewissermaßen eine Erfindung der Autoindustrie. Autobauer verweisen meist darauf, dieses sei notwendig, um den Motor vor eventuellen Schäden zu schützen.

Rein technisch ist so ein Thermofenster wohl auch nur bei Extremtemperaturen, d. h. bei extrem niedrigen Temperaturen bzw. extremer Hitze, erforderlich, um den Motor vor einem Schaden zu bewahren. 

Aber bei normalem mitteleuropäischen Klima ist dies aber wohl kaum notwendig. Das Thermofenster bei Volvo greift aber schon bei den ganz normalen Temperaturen hierzulande.

Aber: Laut EG-Verordnung 715/2007 ist dies nur dann erlaubt, wenn es für den Motorschutz notwendig ist. Gefordert wird aber eine Abgasreinigung, mit der das Fahrzeug unter normalen Betriebsbedingungen dieser Verordnung entspricht. Nach Meinung von Experten braucht man in Mitteleuropa solche Thermofenster gar nicht. 

Dahinter steckt nach Meinung von Experten letztlich technisch auch nichts anderes als eine Abschalteinrichtung. Sollte ein Motorschutz wirklich notwendig sein, wäre dies durch alternative technische Maßnahmen zu vermeiden.

Volvo XC60 wurde näher untersucht

Prüfer des zur Deutschen Umwelthilfe gehörenden „Emissions-Kontroll-Instituts“ (EKI) haben mal einen Volvo XC60 mit 2.0 l Dieselmotor genauer unter die Lupe genommen und zwar mit simpelsten Mitteln. 

Sie haben den Temperatursensor im Außenspiegel des Fahrzeugs etwa mit einer Heizdecke und mit einem Eiswürfelbeutel umwickelt und so erhöhte bzw. niedrigere Außentemperaturen simuliert.

Testfahrten haben dann gezeigt, dass der Wagen bei Temperaturen zwischen 14 und 22 Grad Celsius bei den EKI-Messungen ca. 660 Milligramm NOx pro gefahrenem Kilometer ausstieß. Der bei der Typgenehmigung maßgebliche Grenzwert für Euro-5-Fahrzeuge beträgt 180 Milligramm pro Kilometer.

Bei Außentemperaturen zwischen neun und elf Grad, also auch noch nicht wirklich extrem und völlig normal für unser Klima, stiegen die Werte auf ca. 811 Milligramm.

Nochmals: Der bei solchen offenen Fahrzeugen zulässige Grenzwert von 180 mg/km wurde somit exorbitant überschritten.

Experten sprechen von schockierenden Testergebnissen

Der anerkannte Emissionsexperte Axel Friedrich bezeichnete diese Testergebnisse als „schockierend“. Seiner Meinung nach gibt es in dem Fahrzeug eine illegale temperaturgesteuerte Abschalteinrichtung.

Volvo hat auf Nachfrage bestätigt, dass ein Sensor im Außenspiegel des XC60 entsprechende Daten liefere, jedoch den Vorwurf einer unzulässigen Abschalteinrichtung zurückgewiesen. 

Der renommierte Jurist Martin Führ von der Universität Darmstadt hält dem allerdings entgegen, dass die Messungen eindeutig dafür sprechen, dass eine Abschalteinrichtung eingebaut ist. Auch das Argument von Volvo, dass dieses Procedere für den Motorschutz notwendig sei, hält Führ für vorgeschoben.

Es spricht also viel dafür, dass auch Volvo eine unzulässige Abschalteinrichtung in seine Motoren verbaut hat. Ebenso liegt auf der Hand, dass Volvo dies nicht nur beim XC60, sondern auch bei anderen Dieselmodellen getan hat. 

Es gibt auch schon Urteile gegen andere Autobauer wie Volkswagen oder Daimler, die Autofahrern Schadenersatz wegen derartiger Thermofenster zugesprochen haben.

Erinnerungen an VW und Daimler werden wach

Das Ganze erinnert doch stark an die Anfänge der diese Skandale bei Volkswagen und Daimler. Auch hier können also Software-Updates, Rückrufaktionen, Fahrverbote und Wertverluste drohen! All das schwebt über den betroffenen Fahrzeugen.

Betroffene sollten tätig werden

Betroffene Besitzer eines Volvo sollten nicht länger abwarten, sondern tätig werden. Wir sehen einen guten Ansatzpunkt, Schadensersatzansprüche gegen Volvo geltend zu machen.

Mit einem Schadenersatzanspruch können Geschädigte so gestellt werden, als hätten sie das Auto nie gekauft. Konkret bedeutet dies, dass das Fahrzeug an Volvo zurückgegeben werden kann und man dafür den Kaufpreis zurückerhält. Ggf. wäre allerdings eine Nutzungsentschädigung für die zwischenzeitlich gefahrenen Kilometer abzuziehen.

Übrigens funktioniert das Ganze auch unabhängig davon, ob man das Fahrzeug als Neuwagen oder Gebrauch gekauft hat.

Unser Fazit

  1. Das Thermofenster bei Volvo stellt nach Expertenmeinung ebenfalls eine unzulässige Abschaltvorrichtung dar.
  2. Aufgrund dieser potentiellen Manipulationen kann man Ansprüche gegenüber der Volvo für den Diesel geltend machen.
  3. Die Chancen, die Ansprüche durchzusetzen, stufen wir als sehr gut ein.

Über die Kanzlei Mutschke

Die Kanzlei Mutschke begleitet seit Jahren geschädigte Dieselfahrer bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche. Die Kanzlei ist deutschlandweit sowie international tätig und unterhält Büros in Düsseldorf und Bielefeld.



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