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Infinus und Future Business KG: Positionspapier zur Fubu-Bilanz 2012

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Die Prüfung des Finanzjahresberichts 2012 lieferte Anhaltspunkte für eine mögliche Quote von nur noch 24 Prozent.

Deutlicher wird die Quote aus dem zu erwartenden Insolvenzgutachten. Gleichwohl erwarten die Geschädigten eine Plausibilitätsprüfung zur Bilanz der Future Business KG aA zwecks Einschätzung der Quote.

In dem 91seitigen Finanzjahresbericht der Future Business KG aA (www.fubus.de, dort „archiv", dort „Finanzbericht") werden unter Download Jahresfinanzbericht 2012 in der Bilanz verschiedene Aktiva als werthaltig dokumentiert.

Die korrekte Feststellung der Ansätze richtete sich nach dem Positionspapier des IDW zum Zusammenwirken von handelsrechtlicher Fortführungsannahme und insolvenzrechtlicher Fortbestehensprognose vom 13.08.2012. Die Ansätze mussten einem 12-Monatszeitraum standhalten, was nicht der Fall war. Bei Zeichen der Krise, die schon in der Ausgabe von Nachrangdarlehen gesehen werden können, darf ein Bilanzwert nach der going-concern-Annahme nicht eingestellt werden. Eingestellt werden musste der Zerschlagungswert nach § 252 Abs. 1 Nr. 2, zweiter Halbsatz HGB unter Berücksichtigung bestehenden Abschreibungsbedarfes. Eine Bewertung der Forderungen gegen beteiligte Unternehmen hätte in Anbetracht der Nähe des alsbaldigen Insolvenzverfahrens sachverständig zu Zerschlagungswerten vorgenommen werden müssen, um die Anleger über den geänderten inneren Wert ihrer Schuldverschreibungen zu informieren. Eine Bewertung zu Zerschlagungswerten ist vorzunehmen, sofern die Zerschlagungskonzepte in Gestalt des Insolvenzplanes vorgenommen eine mögliche Handlungsalternative darstellen, wie dieses vorliegend der Fall war. 

Zu den Edelmetallsparplänen

Die Edelmetallsparpläne wurden in der Bilanz 2012 unter „anderen Anlagen, Betriebs- und Geschäftsausstattung" mit 157.074.810,42 Euro eingestellt (ca. 157 Mio. Euro). Die Wertermittlung dieser Anlage ist kaum nachvollziehbar. Dazu heißt es in dem Jahresfinanzbericht auf Seite 9: 

„Der Anteil der Anschaffungsnebenkosten, der auf den Zeitraum nach dem Bilanzstichtag bis zum planmäßigen Ende des Sparplanes entfällt (vorperiodische Anschaffungsnebenkosten), beträgt 141,4 Mio. € des mit 156,2 Mio. € insgesamt ausgewiesenen Edelmetallbestandes. Die Erhöhung der Sachanlagen im Geschäftsjahr resultiert im Wesentlichen aus der Investition in Anlagegold in Form von einmaligen und wiederkehrenden Investitionen. Bei getätigten Verkäufen wurde für Zwecke der Ermittlung des Veräußerungsergebnisses der gewogene Durchschnitt der Anschaffungskosten bestimmt." 

Eine buchhalterische Strukturierung dieser Annahmen ist nicht möglich. Einmal wird von Sparplänen gesprochen, dann von einem Edelmetallbestand. Was warum wie gebucht wurde, ist nicht nachvollziehbar. Dieser Bilanzposten dürfte wegen der hermeneutischen Schwierigkeiten mit einem Erinnerungswert von einem Euro in dem Insolvenzgutachten am klarsten aufgehoben sein. 

Anteile an verbundenen Unternehmen

Die Anteile der Future Business KG aA an verbundenen Unternehmen werden mit 27.067.813,59 Euro ausgewiesen (ca. 27 Mio. Euro). Diese Unternehmen befinden sich überwiegend in der Insolvenz. Daher dürfte auch diese Forderung mit einem Erinnerungswert von einem Euro in dem Insolvenzgutachten zu bewerten sein. 

Ausleihungen an verbundene Unternehmen

Die Ausleihungen an die verbundenen Unternehmen werden in der Bilanz mit 113.891.545,67 Euro bewertet (ca. 113 Mio. Euro). 

Auf Seite 10 des Jahresfinanzberichts heißt es dazu: „Unter den Ausleihungen an Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht, werden Genussrechte ausgewiesen. Soweit auf die Zeichnungssummen Agien zu entrichten waren, werden diese mangels Zeitraumbezug als Anschaffungsnebenkosten bilanziert." 

Bei diesen Unternehmen mit Beteiligungsverhältnis ist ebenfalls die Insolvenz zu sehen. Daher dürfte auch die Bilanzposition „Ausleihungen an verbundene Unternehmen" mit einem Erinnerungswert von einem Euro im Insolvenzgutachten zu bewerten sein. 

Lebensversicherungspolicen

Die Lebensversicherungspolicen wurden in der Bilanz 2012 zu einem Wert von 309.796.674,06 Euro eingestellt (ca. 309 Mio. Euro). 

Auf Seite 10 des Jahresfinanzberichts heißt es dazu: „Der Buchwert der Lebens- und Rentenversicherungen betrug am Abschlussstichtag 309.796,7 T€. Der am Abschlussstichtag niedrigere beizulegende Zeitwert beläuft sich auf ca. 268.610,6 T€." 

Dieser Wert von ca. 268.Mio. Euro ist aber auch noch in Höhe von 99,36 Mio. Euro beliehen. Auf Seite 20 des Jahresfinanzberichts wird dazu ausgeführt: 

„Flankierend bestehen zinsgünstige Policendarlehen in Höhe von 99,36 Mio. €." 

Damit wäre der Wert der Policen höchstens mit einem Wert von ca. 169 Mio. Euro zu bewerten. Erfreulich wäre es, wenn dieser Wert zur Verteilung käme. Er würde immerhin eine noch überdurchschnittliche Quote sichern können. 

Forderungen gegen verbundene Unternehmen

Die Forderungen gegen verbundene Unternehmen wurden in der Bilanz 2012 mit 152.778.325,93 Euro eingestellt (ca. 153 Mio. Euro). Auf Seite 11 des Jahresfinanzberichts heißt es dazu: 

Von den am Abschlussstichtag auf 153,0 Mio. € valutierenden Forderungen gegen verbundene Unternehmen entfallen 100,4 Mio. € auf die Gewinnabführung des Geschäftsjahres 2012." Auch dieser Anspruch gegen Tochtergesellschaften dürfte in der Insolvenz mit einem Erinnerungswert von einem Euro in dem Insolvenzgutachten zu bewerten sein. 

An Aktiva ist damit nur ein Wert von ca. 169 Mio. Euro aus den Policendarlehen erkennbar. Die anderen Aktivposten dürften im Wesentlichen wertlos gewesen sein. 

Zu den Schulden

Aus der Bilanz sind an Schulden mindestens 600 Mio. Euro zu erkennen, die um einen geschätzten Zuschlag von 100 Mio. Euro für das Jahr 2013 ergänzt werden sollten. Es lägen dann Schulden von mindestens 700 Mio. Euro vor. Die sonstigen Verbindlichkeiten sind die Sicherungen aus den Policendarlehen, die schon oben berücksichtigt wurden. 

Hiernach könnte für die Anleger eine Quote von ca. 24 Prozent (169 Mio. Euro von 700 Mio. Euro) herausschauen. Die Quote könnte aber auch geringer sein, weil die Werthaltigkeit der Versicherungsforderungen möglicherweise auch zweifelhaft sein könnte bzw. weil die wirklichen Schulden der Fubu höher sein könnten. 

Theoretisch könnte die Quote aber auch höher sein, wenn die Goldbestände einen Wert hätten bzw. wenn die Sicherungsabreden der Lebensversicherungen unwirksam wären. 

Im übrigen wird der Abschluss eines unkomplizierten Insolvenzplanes mit festen Auszahlungsfristen an die Anleger angeregt. Die Zusage eines Teilabschlages mag gut gemeint sein, ist aber unverbindlich. 

Erhalten bleiben den Anlegern die Ansprüche gegen die Versicherer sowie Ansprüche auf Entschädigung und Absonderungsansprüche usw., usf. udglm.

Die Kanzlei der Rechtsanwälte Robert, Kempas, Segelken, Bremen, führt bundesweit die meisten Prozesse für Anleger wegen Schuldverschreibungen mit einem speziellen Schwerpunkt in Dresden. Eine Interessengemeinschaft, in der sich alle über ihre Rechte unverbindlich und kostenfrei informieren können, ist die geeignete Plattform. Die Interessengemeinschaft Infinus AG wird durch die Kanzlei der Rechtsanwälte Robert, Kempas, Segelken, Bremen, vertreten. Geschädigte können sich unter der Telefonnummer 0421/321121 oder bei dem 24-h-Dienst unter 01724107745 melden.


Rechtstipp vom 02.12.2013

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