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K.-o.-Tropfen, deren Wirkung und die strafrechtliche Komponente

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Wissenswertes zum Thema K.-o.- Tropfen

K.-o.-Tropfen (Liquid Ecstasy)

Wenn über K.-o.-Tropfen gesprochen wird, sind in der Regel drei verschiedene Wirkstoffe gemeint: nämlich Gammahydroxybutyrat (GHB), Gammabutyrolacton (GBL) und 1,4 Butandiol (BD). Alle drei chemischen Zusammensetzungen sind leicht im Internet zu erhalten und zeichnen sich durch ihren problemlosen Anwendungsbereich in krimineller Hinsicht aus. Ein Wissenschaftler erklärte mir einmal, wenn er sich eine Zauberdroge zusammenmixen müsste, würde er diese drei Drogen auswählen, da sie leicht zu besorgen sind, schnell ihre Wirkung entfalten, und nur kurz nachweisbar sind. GHB wird als pulvriges Salz oder farblose Flüssigkeit gehandelt, GBL ist eine farblose Flüssigkeit mit schwachem Geruch, BD ist eine farblose, fast geruchlose hygroskopische Flüssigkeit, die gut in Wasser, Alkohol und ähnlichen Stoffen löslich ist.

Der GBL wurde Ende der 40er Jahre entdeckt, GHB in den 60er Jahren. Beide sollten als Narkosemittel, respektive sedierendes Mittel eingesetzt werden, wobei GHB schon bald durch bessere Narkosemittel ersetzt wurde, da epileptische Krämpfe vielfach bei den Patienten auftraten. GHB wird heute bei der Narkolepsie (Schlafsucht) eingesetzt. Die Besonderheit ist, dass die Substanz auch körpereigen in geringster Konzentration im Gehirn hergestellt wird. Seit den 80er Jahre wird GHB illegal in der Bodybuilder-Szene als Nahrungsergänzungsmittel verwendet. GHB ist der Hauptstoff, GBL und BD sind die Vorläuferstoffe, wobei BD als äußerst wichtiges Zwischenprodukt in der chemischen Industrie großindustriell hergestellt wird und zur Produktion von Polyurethanen benutzt wird. Wirkungsweise Die nahezu neutral schmeckenden Stoffe werden Getränken unbemerkt beigefügt und rasch über den Darm aufgenommen. Bereits nach 25 bis 45 Minuten ist die höchste Konzentration im Menschen feststellbar. Die Wirkungsdauer der Droge beträgt ein bis drei Stunden. Blutmäßig ist GHB bis zu 8 Stunden, im Urin bis zu 12 Stunden nachweisbar. Wegen dieser kurzen Nachweiszeit ist es für mögliche Opfer unbedingt wichtig, so schnell als möglich ein Blut- oder Urin-Screening durchzuführen. Bereits 15 Minuten nach Einnahme der Mittel verspürt das Opfer eine euphorische bzw. rauschartige Stimmung, die einem Alkoholrausch vergleichbar ist. Einige Minuten später erfolgt die zweite Phase, die sich durch Müdigkeit und Entspannung auszeichnet. Während des Rauschzustands sind die Sinneseindrücke verstärkt, auch die sexuelle Stimulationsfähigkeit bzw. Erregung wird gesteigert. Bei Überdosierung dieser Stoffe entsteht Übelkeit mit anschließendem Erbrechen, Benommenheit, Schläfrigkeit und Atemnot, bis hin zur Bewusstlosigkeit. Durch die dämpfende Wirkung auf das zentrale Nervensystem kann bei einer Überdosierung rasch eine tiefe Bewusstlosigkeit bis hin zum Koma auftreten. Eine Teilamnesie (Gedächtnisverlust) für die Hochphase der Wirkung ist nahezu unumgänglich.

Die Problematik bei diesen chemischen Substanzen ist die richtige Dosierung durch den Täter. Hier ist, da der Täter in der Regel nicht genau die Menge dosieren kann bzw. Einfluss darauf hat, wie weit die Getränke mit den Stoffen aufgenommen werden, das große Risiko. Ein weiteres Problem ist die oft mangelnde Kenntnis des Täters über Reinheit und Konzentration des Stoffes, die natürlich Einfluss auf die Dosierung haben. Auch die Wechselwirkung mit Alkohol, anderen Drogen oder Medikamenten bedeutet Lebensgefahr. Die K.-o.-Tropfen werden heute, wie der Name auch ausführt, verwendet, um eine andere Person kurzzeitig zu betäuben, um sie entweder zu missbrauchen oder auszurauben. Entsprechende Statistiken weisen seit Beginn 2000 einen enormen Anstieg entsprechender Straftaten aus.

Die in meiner Praxis brutalste Form des Missbrauchs ereignete sich in Barcelona. Hier hat über viele Monate hin ein Diskothekenbesitzer immer wieder junge Mädchen mit K.-o.-Tropfen betäubt, um sie sodann zu vergewaltigen. Diese Straftaten flogen erst durch meine Mandantin und ihre Freundin auf, bei denen die Drogen in zu geringem Maße angewendet wurden, wodurch sie entgegen der üblichen Opfer die beginnenden Straftaten mitbekamen, sich diesen durch Flucht entziehen konnten und vor allem keinen Gedächtnisverlust erlitten, wie er bei der Anwendung der Drogen üblich ist. Der übliche Rat zur Vermeidung der ungewollten Einnahme der K.-o.-Tropfen: Lassen Sie Ihr Getränk nicht unbeaufsichtigt, lassen Sie sich nicht von Fremden zu offerierten Getränken einladen, seien Sie vorsichtig, wo Sie offene Getränke kaufen.


Rechtstipp vom 12.12.2016
aus den Rechtsgebieten Opferhilfe, Strafrecht

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