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Kolumbien führt Besteuerung von Dividenden ein

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Am 1. Januar 2017 ist die kolumbianische Steuerreform als „Gesetz 1819 / 2016“ (Ley 1819 de 2016) in Kraft getreten. Der kolumbianische Gesetzgeber hat das Steuerrecht mittels der Reform in weiten Teilen modifiziert. Fast alle Änderungen führen zu Steuererhöhungen, die die kolumbianische Regierung mit der angespannten finanziellen Haushaltslage auf Grund des Ölpreisverfalls begründet.

Im Folgenden soll das Augenmerk auf eine konkrete Neuerung aus dem Bereich der Einkommensteuer für natürliche Personen gelenkt werden: Fortan müssen natürliche Personen unter bestimmten Voraussetzungen Einkommensteuer auf Dividenden (d.h. Ausschüttungen des Gewinns von Gesellschaften, von denen sie Aktionäre bzw. Teilhaber sind) zahlen (ingresos de las rentas de dividendos y participaciones).

Dies ist eine Neuheit, da Kolumbien seit 1986 im Gegensatz zu den meisten anderen Staaten der Welt Dividenden nicht besteuert hat. In Kolumbien wurde stets damit argumentiert, dass eine Besteuerung von Dividenden zu einer ungerechtfertigten Doppelbesteuerung führe, da der Gewinn der die Dividende ausschüttenden Gesellschaft bereits der Körperschaftssteuer unterliegt (eine bei genauerer Betrachtung zweifelhafte Annahme). Von diesem Standpunkt ist der Gesetzgeber nun teilweise abgerückt.

Natürliche Personen müssen fortan grundsätzlich im Rahmen Ihrer Einkommensteuererklärung (declaración de renta) Steuern auf Dividenden zahlen, gleich ob diese von kolumbianischen oder ausländischen Gesellschaften stammen. Letzteres wird im Einzelfall zu Doppelbesteuerungsproblemen auf internationaler Ebene führen.

Es gilt folgender progressiver Tarif:

  • Bis zu COP $19.115.400 gilt ein Freibetrag, d.h. jährliches Einkommen aus Dividenden, das diesen Betrag nicht übersteigt, ist steuerfrei.
  • Für Einkommen aus Dividenden zwischen COP $19.115.400 und COP $31.859.000 gilt ein Tarif von 5 %.
  • Für Dividendeneinkommen, das COP $31.859.000 übersteigt, beträgt der Tarif 10 %.

Die oben genannten Schwellenwerte gelten für das Steuerjahr 2017 und werden inflationsbedingt im jährlichen Rhythmus nach oben korrigiert.

Interessant ist, dass Dividenden, die an in Kolumbien ansässige juristische Personen ausgeschüttet werden, weiterhin steuerfrei sind.

Sprich, wenn der Aktionär einer Aktiengesellschaft eine natürliche Person ist, muss dieser fortan unter Berücksichtigung der oben genannten Schwellenwerte Einkommensteuer auf seine Dividende zahlen.

Ist der Aktionär aber eine juristische Person, zum Beispiel eine S.A.S. oder andere Gesellschaftsform, so kassiert diese die Dividende, ohne dafür Steuern zahlen zu müssen. Letzteres ist einer der Hauptkritikpunkte der Reform.

Ist der Aktionär eine im Ausland ansässige natürliche oder juristische Person (also ein kolumbianischer Nicht-Steuerresident), gilt ein pauschaler Tarif in Höhe von 5 %. Ausländische juristische Personen werden also im Gegensatz zu inländischen zur Kasse gebeten. Dies dürfte ausländischen Konzernen nicht gefallen, die bislang Dividenden steuerfrei aus Kolumbien abführten.

Fazit und Bewertung der Neuregelung: Angesichts der Tatsache, dass 1 % der reichsten Kolumbianer ca. 80 % Ihres Einkommens über Dividenden beziehen, macht es im Sinne der Steuergerechtigkeit grundsätzlich Sinn dieses bislang steuerfreie Einkommen zu besteuern.

Zudem leidet Kolumbien an dem Problem, dass die Steuerlast der Unternehmen die Steuerlast der natürlichen Personen unverhältnismäßig übersteigt. Die Besteuerung von Dividenden (und zudem die Besteuerung der Gewinne aus Aktienverkäufen) ist der richtige Weg, um Unternehmen zu entlasten.

Allerdings ist die Reform im Hinblick auf die Dividendenbesteuerung halbherzig geblieben, da Dividenden zugunsten von juristischen Personen nicht besteuert werden. In Anbetracht der Tatsache, dass ca. 90 % aller kolumbianischen Gesellschaftsanteile anderen juristischen Personen gehören, wird de facto also nur ein Bruchteil der Dividenden besteuert.

Zwar steht an der Spitze jedes Konzerns immer eine Person oder mehrere natürliche Personen. Allerdings besteht für den Fiskus die Gefahr, dass sich die Dividenden auf dem Weg zur Konzernspitze durch legale Steuerplanung oder Manipulationen verflüchtigt haben, bis sie dort angelangen.


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