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LG Berlin: Animierte Werbung auf Internetseiten für Kinder kann unlauter sein

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Das Landgericht Berlin (LG Berlin, Urt. v. 23.03.2012, Az.: 96 O 126/11) hat festgestellt, dass Kinder aufgrund einer oftmals noch nicht ausreichend ausgeprägten Aufmerksamkeits- und Lesekompetenz nicht ausreichend zwischen redaktionellen Inhalten und Werbung unterscheiden können. Dies gilt auch wenn unter einem animierten Werbespiel der Hinweis „Werbung" platziert wird.

Im vorliegenden Fall hat der Dachverband der Verbraucher- und sozialorientierten Organisationen in Deutschland einen Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung wegen eines Verstoßes gegen wettbewerbsrechtliche Vorschriften gegen den Betreiber einer Internetseite eingereicht. Die Inhalte der Internetseite richten sich in erster Linie an Kinder zwischen 7 und 13 Jahren. Auf der Internetseite wurde in der Kategorie „Spiele" ein animiertes Werbespiel mittig platziert und den Nutzern der Seite präsentiert. Die Nutzer wurden aufgefordert, Schneebälle auf einen Elch zu werfen. Nach dreimaligem Wurfversuch wurden die Nutzer dann auf den Internetauftritt des werbenden Unternehmens geleitet, auf der dann für einen speziellen Joghurt geworben wurde. Unter dem animierten Spiel wurde das Wort „Werbung" platziert.

Der Einwand der Betreiberin der Internetseite, die Kinder werden nicht zu einer geschäftlichen Entscheidung veranlasst, weist das Gericht zurück. Zwar kaufen die Kinder die beworbenen Produkte nicht selbst, jedoch nehmen diese die Werbebotschaft auf und transportieren diese dann zu den Eltern, die das beworbene Produkt sonst möglicherweise nicht gekauft hätten. Das Gericht spricht hier von einer „mittelbaren geschäftlichen Entscheidung".

Als problematisch erachten die Richter die Platzierung des Spieles auf der Internetseite. Durch die mittige zentrale Platzierung werden die Kinder in erheblichem Maße beeinflusst das Spiel zu nutzen. Da Kinder im Alter zwischen 7 und 13 Jahre eine noch eingeschränkte Aufmerksamkeits- und Lesekompetenz haben, hätte der Hinweis auf die als Spiel getarnte Werbemaßnahme deutlicher und kindgerechter erfolgen müsse. Im vorliegenden Fall wurde der kindliche Spieltrieb für Animationen bzw. bewegte Bilder genutzt, um die Aufmerksamkeit der angesprochenen Nutzer zu erwecken. Die Richter gehen davon aus, dass Eltern Ihre Kinder oftmals darauf sensibilisieren, dass auf Internetseiten Werbung regelmäßig am Rand einer Internetseite platziert wird und redaktioneller Inhalt in der Mitte. Dies führe dazu, dass Kinder mittig platzierten Werbemaßnahmen besonders große Aufmerksamkeit schenken und das Wort „Werbung" leicht übersehen.

Der Einwand des Antragsgegners, aufgrund verbreiteter Üblichkeit von Werbespielen dieser Art seien Nutzer umso aufmerksamer und daran gewöhnt, zwischen Inhalt und Werbung zu unterscheiden, greife nach Ansicht der Richter nicht ein. Die angesprochenen Verbraucher - Kinder zwischen 7 und 13 Jahren - seien Internetanfänger und würden ein dementsprechendes Wissen nicht aufweisen.

Letztlich bejaht das Gericht auch die Spürbarkeit der Beeinträchtigung, da Kinder sich mit Werbung befassen, obwohl sie nur spielen wollen und den werberelevanten Charakter des Spieles nicht erkennen. Letztlich fungieren Kinder dann als Werbebotschafter und leiten den Inhalt der Werbung möglicherweise an die Eltern weiter.

Wie sollte an Kinder gerichtete Werbung kommuniziert werden?

Sofern nun also werberelevanter Inhalt an Kinder vermittelt werden soll, ist darauf zu  achten, die Präsentation so zu gestalten, dass auch Kinder problemlos erkennen können, ob ein bestimmter Inhalt von einem werbenden Unternehmen stammt oder aber vom Betreiber der Internetseite. Kinder werden in besonderem Maße geschützt und sollten daher keinen Werbemaßnahmen ausgesetzt werden, die nicht entsprechend des Wissens- und Erfahrungsschatzes des jeweilig angesprochenen Verbraucherkreises als solche deutlich erkennbar sind.


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten IT-Recht, Urheberrecht & Medienrecht, Wettbewerbsrecht

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