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Thormann Capital / Leo One - Wo sind die Anlegergelder hin?

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Seit längerem gibt es viele Spekulationen über die Situation der Thormann Capital GmbH (ehemals Leo One Investment GmbH). Diese war mit vielen Vorschusslorbeeren im Herbst 2012 gestartet, als Herr Michael Thormann die Leo One für, wie sich jetzt herausstellte, für genau 1 Euro kaufte, um daraus ein erfolgreiches Investmentunternehmen aufzubauen, welches hauptsächlich im Bereich der erneuerbaren Energien investieren wollte. Der Insolvenzverwalter der zwischenzeitlich sich in Insolvenz befindlichen Thormann Capital hat nun nach einer mehrmonatigen Prüfungsphase festgestellt, dass ein Großteil der vereinnahmten Gelder verschwunden ist.

Verdacht eines Schneeballsystems

Die Kanzlei Dr. Schulte und Partner steht seit längerem mit dem Insolvenzverwalter in Kontakt. Insbesondere auch deshalb, weil die Querverbindung zur SAM AG und deren Tochtergesellschaften sehr eng ist. So stellt der Insolvenzverwalter in seinem Gutachten selbst auf die enge Verflechtung ab. Den Rechtsanwälten der Kanzlei Dr. Schulte und Partner vermuteten bereits seit einiger Zeit, dass die Leo One Investment GmbH, welche später zur Thormann Capital wurde, ausschließlich dafür gegründet wurde, um die drohende Liquidation der SAM AG in der Schweiz zu umgehen. Bereits damals versuchte man, das gesamte Geschäft und alle Anleger der SAM AG auf die deutsche Leo One zu übertragen. Einzig die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma und die deutsche BaFin machten einen Strich durch die Rechnung.

Die Kanzlei Dr. Schulte und Partner vertritt in der Angelegenheit SAM AG mehrere hundert Anleger und hat hierzu eine Geschädigtengemeinschaft gegründet. Die Parallelen zur Thormann Capital sind dabei gravierend. In diesem Zusammenhang fanden bereits frühzeitig Gespräche zu einer möglichen Auffanglösung der SAM AG statt, an denen auch der Geschäftsführer und Alleingesellschafter der Thormann Capital, Herr Michael Thormann teilnahm. Damals wurde Herr Thormann als ein kompetenter Fachmann im Bereich der erneuerbaren Energien vorgestellt, der die LEO ONE unter neuem Namen zum Erfolg führen sollte. Nun kommen jedoch Details ans Tageslicht, die nicht nur von kaufmännischer Blauäugigkeit zeugen, sondern möglicherweise auch von einem vorsätzlichen Schneeballsystem. Der Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Willrodt von der Pluta Rechtsanwalts GmbH aus München spricht in seinem Prüfbericht offen den Verdacht eines Schneeballsystems aus. Es sei hier von Anfang an höchst fraglich gewesen, ob die Thormann Capital die den Anlegern versprochenen Ausschüttungen hätte zahlen können.

Probleme schon lange bekannt

Diese Frage stellte sich offenbar selbst Herr Thormann, als er Anfang März 2013 ein Schreiben an die Anleger verfasste, worin er davon sprach, dass die vorhandenen Investitionen strukturell nicht zu den Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Anlegern passten. Mit anderen Worten: Wir verdienen nicht genug, um die Anleger auszuzahlen. Dieses der Kanzlei Dr. Schulte und Partner vorliegende Schreiben wurde jedoch im Entwurf gestoppt und erreichte niemals die Anleger. Offensichtlich wollte man die Anleger gezielt im Dunkeln lassen. Nun stellt der Insolvenzverwalter in ungewöhnlicher Direktheit fest, dass bei der Thormann Capital anscheinend an vielen Stellen Chaos geherrscht habe. Der Insolvenzverwalter erklärte in seinem Gutachten sogar, dass es aus seiner Sicht nicht nachvollzogen werden könne, wieso Herr Thormann die Leo One und die Verantwortung übernommen habe.

Wo ist das fehlende Geld hin?

Es stellt sich nun die Frage, wie die Thormann Capital in so kurzer Zeit so viel Geld hat verschwinden lassen können. Teilweise liest sich das Gutachten des Insolvenzverwalters wie ein Krimi. Das Urteil ist jedoch vernichtend. Von den ca. 6,49 Mio. Euro, sind etwa 3 Mio. Euro nicht aufzufinden. Der Insolvenzverwalter hat zwar offenbar Feststellungen getroffen, wonach ca. 906.000 Euro an Vertriebsprovisionen geflossen sein sollen. Zudem sollen die Rechtsanwälte, welche seinerzeit als Treuhänder die Vorverträge der Anleger gekündigt haben, ca. 200.000 Euro erhalten haben. Und dabei handelte es sich ausschließlich um Beratungskosten. Darüber hinaus haben die Treuhänder offenbar für jeden durch sie gekündigten Vorvertrag zusätzlich eine Provision von 2 Prozent erhalten. Bei den genannten Rechtsanwälten handelt es sich um die bereits bekannten Rechtsanwälte, allen voran die Rechtsanwälte Michael Maier und Markus Saller, die auch schon bei einer Vielzahl der 4.500 SAM-Kunden deren Vorverträge gekündigt und das Geld an die SAM AG weitergeleitet haben. Die Kanzlei Dr. Schulte und Partner hat die genannten Anwälte, wie auch weitere Rechtsanwälte, bereits in Anspruch genommen und bereit umfangreiche Klageverfahren vor.

Vertuschung gescheitert

Der ursprüngliche Sinn und Zweck der Leo One, nämlich von der drohenden Katastrophe SAM AG abzulenken oder diese womöglich nicht verhindern zu können, ist offenkundig gescheitert. Dass dies wiederum auf dem Rücken neuer Anleger, die wiederum ihr Geld zu verlieren drohen, ausgetragen wurde, scheint den verantwortlichen Personen egal zu sein. Anders kann dies nicht gesehen werden. Der Insolvenzverwalter stellt in seinem Gutachten fest, dass Gründungsgesellschafter der Leo One unter anderem Herr Oberle gewesen ist, der schon bei der SAM AG als Alleingesellschafter und Hauptverantwortlicher agierte. Aufgrund des öffentlichen Drucks und der permanenten Berichtserstattung, unter anderem durch die Kanzlei Dr. Schulte und Partner, entschied man sich offensichtlich, Herrn Oberle aus dem Amt zu entfernen, um weiteren Schaden für die Gesellschaft durch seinen beschädigten Namen zu verhindern. Daran zeigt sich, dass man bewusst versuchte, neuen Anlegern die unrühmliche Vergangenheit vorzuenthalten.

Es besteht Hoffnung

Neben den vielen Hiobsbotschaften, enthält das Gutachten jedoch auch etwas Hoffnung für die Anleger. So sei ein Betrag in Höhe von ca. 2,5 Mio. Euro, welche die Thormann Capital als Darlehen an die SC Vermögensverwaltungs GmbH gegeben hatte, nach Ansicht des Insolvenzverwalters bislang nicht abzuschreiben. Bei der SC Vermögensverwaltungs GmbH handelt es sich um eine Gesellschaft, die zur Strasser-Gruppe gehört und hauptsächlich in eine Biogasanlage investiert. Nach Angaben des Geschäftsführers der SC soll das Darlehen ordnungsgemäß bedient und nach Ablauf der Laufzeit zurückgezahlt werden. Dies ist ein Lichtblick für die gebeutelten Anleger. Der Haken dabei ist jedoch, dass dieses Darlehen, wie schon von der SAM AG bekannt, wiederum als nachrangiges Darlehen ausgegeben wurde. Dies bedeutet, dass die Thormann Capital im Falle der Insolvenz der SC Vermögensverwaltungs GmbH erst dann etwas erhält, wenn alle anderen Gläubiger ihr Geld erhalten haben. Dies ist in einer Insolvenz die absolute Ausnahme.

Es wird daher abzuwarten sein, ob die Forderungen der Thormann gegenüber Dritten realisiert werden können. Schon jetzt steht bereits fest, dass die vermeintliche SAM-Rettung nur zu einem größeren Verlust für die Anleger geführt hat. Es zeigt sich schlicht, dass vernichtete Gelder durch Rettungsgesellschaften und neue Anlageprodukte nicht einfach so wieder hergezaubert werden können. Auch wenn sich für die geschädigten Anleger die Chance auf Rückerhalt ihrer Gelder bietet, sollten diese einen kühlen Kopf behalten, um einen zusätzlichen Verlust zu vermeiden.

V.i.S.d.P.:

Christian M. Schulter

Rechtsanwalt - Associate

Sofortkontakt Dr. Schulte und Partner Rechtsanwälte unter 030-715 206 70


Rechtstipp vom 26.08.2013

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