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Tierhalterhaftung: Wie gefährlich sind Hund und Pferd?

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Tierhalterhaftung: Wie gefährlich sind Hund und Pferd?
Für die einen sind sie bester Freund des Menschen, anderen machen große Hunde Angst.

„Der tut nichts, der will nur spielen“ … hört man Hundehalter oft rufen. Doch selbst wenn das tatsächlich stimmt, kann das natürliche Verhalten von Tieren, beispielsweise bei schreckhaften Passanten, trotzdem zu Schäden führen. Dafür müssen grundsätzlich die Tierhalter haften – oder im Einzelfall auch andere beteiligte Personen. Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm hat jüngst gleich zwei tierisch interessante Fälle entschieden.

Gefälliges Gassi-Gehen

Eine Dame führte neben ihrem eigenen vierbeinigen Liebling – einem Schäferhund – gleichzeitig aus Gefälligkeit zwei weitere Hunde aus – einen Boxermischling und einen Cane Corso. Bei diesen auch als „italienische Doggen“ bezeichneten Hunden handelt es sich um kräftige Tiere, die bis zu 50 Kilo schwer werden können. Im Vorbeigehen an einer 22-jährigen Spaziergängerin sprang der Cane Corso diese plötzlich an. Für ihre dadurch erlittenen Schürfwunden und eine unter Narbenbildung verheilte kleinere Gesichtsverletzung verlangte sie nun 3000 Euro Schmerzensgeld.

Das Geld bekommt sie auch – und zwar von der Hundeführerin –, obwohl die nicht Halterin des Tieres war, urteilten die Richter am OLG. Das gleichzeitige Ausführen mehrerer Hunde als sogenanntes „Rudelführen“ ist zwar nicht generell verboten. Es löst aber eigene Verkehrssicherungspflichten aus, auch wenn es nur aus Gefälligkeit geschieht. Die Beklagte hätte alle Tiere so beaufsichtigen müssen, dass Passanten nicht gefährdet werden.

Dafür genügte es nicht, der landesgesetzlich vorgeschriebenen Leinenpflicht nachzukommen und den Hund – wie sie zumindest behauptete – eng bei sich zu halten. Die Frau hätte das Hochspringen von vorneherein mit „hinreichend sicherem Griff“ verhindern müssen. Der Hundeführerin war nämlich bekannt gewesen, dass der Cane Corso gerne an Personen hochspringt und ihnen die Pfoten auf die Schultern legt. Das mag von dem Hund nicht böse gemeint sein, kann aber für mit dem Hund nicht vertraute Personen gefährlich werden.

(OLG Hamm v. 03.02.2015, Az.: 9 U 91/14)

Pferd tritt Hufschmied

Je größer das Tier, desto größer der mögliche Schaden. Das jedenfalls könnte man bei Betrachtung einer Entscheidung denken, die nur wenige Wochen später ebenfalls vom OLG Hamm gefällt wurde. Hier hatte ein Wallach beim Beschlagen der Hufe den Schmied getreten. Der zog sich dabei schwere Verletzungen am Fußgelenk zu und musste mehrfach operiert werden. Bis heute ist er in seiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt und zudem arbeitsunfähig. Dafür forderte er vom Pferdehalter 50.000 Euro Schadenersatz, 30.000 Euro Schmerzensgeld und obendrein 1400 Euro monatliche Rente.

Das zunächst mit dem Fall beschäftigte Landgericht (LG) ging von einem Mitverschulden des erfahrenen Hufschmieds aus und kürzte die Forderungen um zwei Drittel. Mit dieser Haftungsquote war der Geschädigte jedoch nicht einverstanden und ging in Berufung. Hier entschied das OLG, dass aufgrund der Tierhalterhaftung ein ungekürzter Anspruch besteht. Mit dem Pferdetritt habe sich nämlich eine konkrete Tiergefahr verwirklicht, ohne dass ein Mitverschulden des Schmieds nachgewiesen wäre. Der hatte dem Wallach vielmehr schon seit Jahren regelmäßig die Hufe beschlagen, ohne dass Derartiges passiert sei.

Aus dem Vertrag über das Beschlagen ergebe sich keine Haftungsbeschränkung. Auch habe der Hufschmied das Tier nicht in Form eines Tierhüters in seine Obhut genommen. Damit bleibt es bei der Halterhaftung. Ob ein Schaden wirklich in Höhe der geltend gemachten 80.000 Euro entstanden und die Rente von 1400 Euro gerechtfertigt ist, hat nun nochmals das LG zu prüfen. Die Höhe der im Raum stehenden Forderung zeigt aber, warum eine Versicherung für Tierhalter wichtig ist.

(OLG Hamm v. 22.04.2015, Az.: 14 U 19/14)

(ADS)

Foto : ©Fotolia.com/lunamarina


Rechtstipp vom 22.05.2015

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