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Tipps zum Ehegattenvisum in Kolumbien

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Das Ehegattenvisum ist der Visumstyp in Kolumbien, der in der Praxis die wohl größte Rolle spielt. Daher soll in diesem Artikel kurz auf die Formalien des Antrags auf ein kolumbianisches Ehegattenvisum (genauer gesagt TP-10 Visum) eingegangen werden.

Das Überraschende vorweg: Wer ein kolumbianisches TP-10 Visum beantragen möchte, muss nicht unbedingt mit einem kolumbianischen Staatsangehörigen verheiratet sein. Es genügt, wenn nach kolumbianischem Recht eine eingetragene Lebenspartnerschaft mit einem Kolumbianer / Kolumbianerin besteht (so genannte „unión marital de hecho“). Insofern ist die Bezeichnung Ehegattenvisum für das kolumbianische TP-10 Visum irreführend. Genauer gesagt müsste man das TP-10 Visum Ehegatten- oder Lebenspartnervisum nennen.

Folgende Unterlagen müssen im Wesentlichen für den Antrag auf das TP-10 Visum vorbereitet werden:

1) Auszug aus dem kolumbianischen Heiratsregister (registro civil de matrimonio) aus dem hervorgeht, dass der Antragsteller mit einem kolumbianischen Staatsangehörigen verheiratet ist. Dieser Auszug darf im Zeitpunkt der Antragstellung höchstens 3 Monate alt sein.

Als Voraussetzung für diesen Auszug muss natürlich erst eine Ehe in Kolumbien geschlossen werden (entweder kirchlich oder notariell) oder es muss eine ausländische Ehe nach kolumbianischem Recht anerkannt worden sein (Letzteres geschieht meist über das kolumbianische Konsulat im Heimatland des Antragstellers oder einen Notar in Kolumbien).

Im Falle der unión marital de hecho muss eine höchstens 3 Monate alte beglaubigte Kopie der notariellen Urkunde beigebracht werden, aus der die Begründung dieser Lebenspartnerschaft hervorgeht.

Vorsicht: Für viele Ausländer ist die unión marital de hecho die Notlösung, um ein Visum für Kolumbien zu bekommen (z. B. weil das kolumbianische Außenministerium deren Anträge auf andere Visumstypen abgelehnt hat oder der Ausländer deren Voraussetzungen nicht erfüllt). Wer eine Scheinlebenspartnerschaft für Visumszwecke eingeht, sollte sich vorab über die finanziellen, eheähnlichen Folgen der unión marital de hecho informieren. Außerdem entsteht in einem solchen Fall eine Abhängigkeitssituation des Ausländers in Bezug auf seinen kolumbianischen Scheinlebenspartner, was in der Praxis zu verschiedenen unschönen Situationen führen kann.

2) Notariell beglaubigtes Schreiben des kolumbianischen Staatsangehörigen, in dem dieser die Ausstellung eines TP-10 Visums für seinen ausländischen Ehegatten beantragt.

3) Notariell beglaubigte Vollmacht des kolumbianischen Staatsangehörigen zugunsten seines ausländischen Ehegatten mit dem Inhalt, dass der Ausländer das Visumsverfahren auch im Namen des kolumbianischen Partners durchführt, es sei denn das TP-10 Visum wird im Beisein beider Ehegatten persönlich im Visumsbüro des Außenministeriums in Bogotá beantragt.

Weitere Tipps zum TP-10 Visum:

Gelegentlich werden beide Ehegatten zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch ins kolumbianische Konsulat bzw. ins Visumsbüro in Bogotá eingeladen, je nachdem ob der Visumsantrag im Ausland oder in Kolumbien gestellt wurde. Das kolumbianische Außenministerium bezweckt mit diesem Gespräch, eine eventuelle Scheinheirat bzw. Scheinlebenspartnerschaft zum Zwecke der Visumserschleichung aufzudecken, indem beide Ehegatten / Lebenspartner nacheinander „verhört“ werden.

Das TP-10 Visum wird in der Regel für einen Zeitraum von 3 Jahren ausgestellt. 3 Jahre Inhaberschaft eines TP-10 Visums berechtigen wiederum zum Antrag auf eine kolumbianische Daueraufenthaltserlaubnis (so genanntes RE-Visum). Für den Antrag auf ein RE-Visum auf Grundlage 3-jähriger Inhaberschaft eines TP-10 Visums ist das schriftliche Einverständnis des kolumbianischen Ehegatten / Lebenspartners zum Zeitpunkt des Antrags auf ein RE-Visum erforderlich. Bei Zerrüttung der Ehe / Lebenspartnerschaft zu diesem Zeitpunkt, ist der Weg zum RE-Visum somit in der Regel versperrt.

Kommt es zu einem Antrag auf Scheidung / Trennung der Lebenspartnerschaft während des Gültigkeitszeitraums des TP-10 Visums, so hat der ausländische Ehepartner sich in Eigeninitiative unmittelbar an die Ausländerbehörde Migración Colombia zu wenden, die das TP-10 Visum für ungültig erklären wird. Danach hat der Ausländer innerhalb von 30 Tagen das Land zu verlassen oder sich ein anderes Visum zu beschaffen sofern er dafür die Voraussetzungen erfüllt.

Wer trotz Scheidungsantrag / Trennung seiner Offenbarungspflicht gegenüber Migración Colombia nicht (rechtzeitig) nachkommt, muss mit ausländerrechtlichen Konsequenzen rechnen, wenn diese Behörde im Nachhinein diesen Sachverhalt aufdeckt, etwa durch eine „dezente“ Mitteilung des Ex-Partners. Bei längerfristigem Aufenthalt in Kolumbien auf Basis eines TP-10 Visums trotz Scheidungsantrag / Trennung ist die Konsequenz in der Regel die Ausweisung aus Kolumbien (deportación), kombiniert mit einem Wiedereinreiseverbot von mindestens einem Jahr.


Rechtstipp vom 18.04.2017
Aktualisiert am 02.12.2017
aus der Themenwelt Familie und Beziehung und dem Rechtsgebiet Ausländerrecht & Asylrecht | Kolumbianisches Recht

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