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Das Residentenvisum für Kolumbien

Rechtstipp vom 20.09.2015
Rechtstipp vom 20.09.2015

Das Residentenvisum für Kolumbien, im Fachjargon „visa RE“, oft umgangssprachlich als „residencia“ bezeichnet, ist das begehrteste Visum für Ausländer in Kolumbien.

Warum?

1) Die Gültigkeit des Residentenvisums ist unbefristet, während alle anderen Visumsarten eine kürzere Gültigkeit aufweisen. So ist zum Beispiel das TP-7 Visum für Eigentümer eines kolumbianischen Unternehmens nur 1 Jahr erteilt.

2) Außerdem steht das Residentenvisum für Flexibilität. Wenn der Inhaber eines Arbeitsvisums (so genanntes TP-4 Visum) von seinem kolumbianischen Arbeitgeber entlassen wird, muss der Ausländer in der Regel innerhalb von 30 Tagen eine neue Arbeitsstelle suchen oder Kolumbien verlassen. Gleiches gilt für den Inhaber eines Ehegatten- oder Partnerschaftsvisum, wenn die Ehe/Eingetragene Partnerschaft aufgelöst wird.

3) Das Residentenvisum ist eine Vorstufe zum Erwerb der kolumbianischen Staatsangehörigkeit. Für die meisten deutschen und österreichischen Staatsangehörigen dürfte das allerdings kaum relevant sein, weil in deren Heimatrecht der Grundsatz der Vermeidung der Mehrstaatigkeit gilt. Bei Schweizer Staatsangehörigen ist das Gegenteil der Fall.

4) Das Residentenvisum berechtigt uneingeschränkt zur Arbeit und selbständigen Tätigkeit in Kolumbien. Wer Inhaber eines temporären Arbeitsvisums (TP-4 Visum) ist, muss jeden Arbeitgeberwechsel beim kolumbianischen Außenministerium anzeigen und eine Umschreibung des Visums beantragen (so genannter „traspaso de la visa“). Gleiches gilt für die Aufnahme von Nebentätigkeiten. Inhaber eines Residentenvisums müssen diese Änderungen nicht melden.

5) Schließlich berechtigt das Residentenvisum unter bestimmten Voraussetzungen zur Teilnahme an Kommunalwahlen in Kolumbien.

Wie kommt man an ein kolumbianisches Residentenvisum?

Es gibt verschiedene Wege:

1) Kolumbianische Kinder zeugen

Wer mit einem/einer kolumbianischen Staatsangehörigen ein Kind zeugt, so erwirbt dieses bei Geburt automatisch die kolumbianische Staatsangehörigkeit. Nach der Geburt des Kindes kann dessen ausländischer Elternteil ein Residentenvisum für Kolumbien beantragen.

Weiterer Unterfall: Wenn 2 ausländische Staatsangehörige, von denen einer ein gültiges kolumbianisches Residentenvisum hat, ein Kind zeugen, so erwirbt das Kind bei Geburt automatisch die kolumbianische Staatsangehörigkeit. In diesem Fall kann der andere Elternteil, der bislang kein Residentenvisum hat, ein solches beantragen.

2) Ex-Kolumbianer

Ehemalige kolumbianische Staatsangehörige, die auf die kolumbianische Staatsangehörigkeit verzichtet haben, können ein Residentenvisum beantragen. Dieser Fall betrifft insbesondere Kolumbianer, die sich längere Zeit in Deutschland aufgehalten haben und die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt haben. Denn das deutsche Recht zwingt prinzipiell zur Aufgabe der kolumbianischen Staatsangehörigkeit, bevor die deutsche angenommen werden kann (Grundsatz der Vermeidung der Mehrstaatigkeit im deutschen Recht).

3) 5 Jahre temporäres Visum

Außerdem kann sich um ein Residentenvisum bewerben, wer 5 Jahre lang fortwährend und ununterbrochen im Besitz eines der folgenden Visumsarten war:

  • TP-3 (Studentenvisum)
  • TP-4 (Arbeitsvisum)
  • TP-5 (Visum für Priester, Missionare und sonstige Vertreter religiöser Gemeinschaften)
  • TP-7 (Sammelkategorie für verschieden Visumsarten wie zum Beispiel „kleines Investorenvisum“, Selbständigen-Visum, Rentnervisum, Privatier-Visum, etc.)
  • TP-9 (Flüchtlingsvisum)

4) 3 Jahre temporäres Visum

Im Falle des Partnerschafts- bzw. Ehegattenvisums (so genanntes TP-10 Visum) genügt eine 3-jährige fortwährende und ununterbrochene Inhaberschaft dieses Visums, um anschließend ein Residentenvisum beantragen zu können.

Allerdings ist zu beachten, dass der Ehepartner / eingetragene Lebenspartner den Antrag auf das Residentenvisum unterschreiben muss. Ist die Beziehung zum Zeitpunkt der beabsichtigten Antragstellung zerrüttet oder weigert sich der Partner aus anderen Gründen, den Antrag zu unterschreiben, kann kein Residentenvisum beantragt werden.

5) Cash

Wie in den meisten Staaten der Welt kann man sich auch in Kolumbien den Residentenstatus „erkaufen“. Wer eine ausländische Direktinvestition in Höhe von mindestens 650 kolumbianischen monatlichen Mindestlöhnen tätigt (insgesamt COP $448.145.750, nach aktuellem Wechselkurs ca. EUR 135.000, Stand Juli 2015) kann sofort ein Residentenvisum beantragen. Diese Investition kann beispielsweise als Gründungskapital in eine kolumbianische Gesellschaft einfließen oder in den Kauf einer Immobilie. In jedem Falle muss der Investor die Investition ordnungsgemäß bei der kolumbianischen Zentralbank als Direktinvestition anmelden.

Noch ein Tipp zum Schluss: Wer Inhaber eines Residentenvisums ist und sich für einen zusammenhängenden Zeitraum von mehr als 2 Jahren aus Kolumbien entfernt, verliert sein Residentenvisum.


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