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Arzthaftung – fahrlässige Körperverletzung

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Arzthaftung und fahrlässige Körperverletzung. Rückenschmerzen, Bandscheibenvorfall, Operation und Alternativen zur Operation.

In einer zivilrechtlichen Entscheidung wurde über eine Alternative zur Operation und insbesondere über die Aufklärungspflicht des operierenden Arztes entschieden: Das OLG Hamm hat am 15.12.2017 entschieden:

Der Arzt muss bei relativer Indikation für Operation über konservative Alternative aufklären

Nach dieser Entscheidung gilt, dass dann, wenn nur eine relative Indikation zur Vornahme eines operativen Eingriffs besteht, der Patient dezidiert mündlich über die echte Alternative einer konservativen Behandlung aufgeklärt werden muss. Die Operation, die der Arzt wegen therapieresistenter Rückenschmerzen durchgeführt hat, war nicht alternativlos gewesen. Die konservative Behandlung der Rückenschmerzen hätte zumindest im Rahmen einer ausführlichen und dezidierten Aufklärung vom Arzt erfolgen müssen.

Arzt operierte Patient wegen Rückenschmerzen

In dem vorbeschriebenen Fall litt der dortige Kläger seit vielen Jahren an therapieresistenten Rückenschmerzen im Lendenwirbelbereich. in dem Krankenhaus, in dem der Beklagte als Belegarzt tätig war, wollte der Kläger als Patient Hilfe bekommen. Nach der stationär durchgeführten konservativen Behandlung über einen kurzen Zeitraum von wenigen Tagen und einer Computertomografie wurde ein Aufklärungsgespräch mit dem Kläger geführt. Der Arzt hat dem Patienten zur Versorgung des verengten Wirbelkanals der Lendenwirbelsäule in Form einer Operation geraten. Der Arzt führt eine Operation durch. Es kam zu der Diskektomie, also der Entfernung von Bandscheibengewebe, zu einer Dekompression, einer Neurolyse sowie einer Spondylodese also der Versteifung von Wirbelkörpern.

Auswirkungen der Bandscheiben Operation und der Versteifung

Nach der Bandscheiben Operation stellten sich neurologische Ausfälle in beiden Beinen des Patienten ein. Er war nicht mehr in der Lage, das gestreckte Bein anzuheben. Beim Heben und Senken der Füße musste der Patient Lähmungserscheinungen hinnehmen. Daneben war auch eine Blasenentleerungsstörung und eine Störung der Sexualfunktion als Folge der Bandscheiben Operation geblieben. Zwei Revisionsoperationen, bei denen jeweils ein epidurales Hämatom entfernt wurde, bewirkten keine nachhaltige Verbesserung des Gesundheitszustandes des Klägers.

Patient leidet Dauerhaft an den Folgen der Operation der Bandscheibe

Der Patient leidet dauerhaft an den Folgen der Operation in Form einer chronischen Kaudalähmung mit Gefühlsstörungen im Bereich der Beine und Füße. Er hat dauerhafte Schmerzen im Operationsbereich. Der Patient kann nach der Operation der Bandscheibe nur noch kurze Strecken mit Gehhilfen zurücklegen. Der Patient leidet an der dauerhaften Störung der Sexualfunktion. Damit einher geht die depressive Störung. Der Kläger ist der Ansicht, dass ihm ein Schmerzensgeld in Höhe von mindestens EUR 200.000 zusteht. Er sieht eine unzureichende Aufklärung des Arztes über mögliche Behandlungsalternativen.

Gericht: Über mögliche Behandlungsalternative wurde nicht ausreichend aufgeklärt

Das Gericht sieht es wie der Kläger: Er ist über mögliche Behandlungsalternativen nicht ausreichend aufgeklärt worden. Das Oberlandesgericht hat dem Kläger nach der verlorenen ersten Instanz Recht gegeben: Der Arzt hat den Patienten vor dem ersten Eingriff unzureichend aufgeklärt. Die insoweit erteilte Einwilligung des Klägers ist insoweit nicht wirksam. Es liegt auch keine hypothetische Einwilligung des Patienten vor. Den Entscheidungskonflikt zwischen den Behandlungsalternativen war nicht zu sehen. In Bezug auf die Operation lag nur eine relative Indikation vor. Denn es gab keine neurologischen Ausfallerscheinungen vor der Operation der Bandscheibe. Alternativ hätte die konservative Behandlung als echte Alternative fortgesetzt werden können. Hierüber habe der Beklagte den Kläger aufklären müssen.

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Rechtstipp vom 24.01.2018
aus der Themenwelt Arzt und Patient und dem Rechtsgebiet Arzthaftungsrecht

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