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Besitz oder Bestellung einer Präzisionsschleuder im Internet – Strafverfahren droht

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Es gibt sie auf diversen Internetplattformen zu kaufen, und auch einfache Schleudern könne zu Präzisionsschleudern umfunktioniert werden. Diverse Internetplattformen mit Sitz in den USA oder Asien, wie beispielsweise „Wish“ bieten zu spottbilligen Preisen Gegenstände an, die in Deutschland unter das Waffengesetz (WaffG) fallen, so zum Beispiel sogenannte Präzisionsschleudern. Dem Händler drohen für den Vertrieb der in seinem Land völlig legalen Ware keinerlei Konsequenzen. Aber der durch den problemlosen Kauf erweckte Schein der Unbedenklichkeit trügt: Wird die Lieferung am Zoll erkannt, hat dies eine Strafanzeige und möglicherweise empfindliche Strafen zur Folge.

 

Sind Steinschleudern in Deutschland grundsätzlich verboten?

Was in Deutschland als Waffe gilt, und ob eine Waffe erlaubnispflichtig oder komplett verboten ist, ist im Waffengesetz sehr klar geregelt. Normale Schleudern, sogenannte Flitschen oder Zwillen, wie sie sich bei Jungen als Spielzeug seit hunderten von Jahren großer Beliebtheit erfreuen, fallen nicht unter das Waffengesetz, gelten also nicht als Waffen. Verschiedenste Modelle sind als „Sportschleudern“ frei erhältlich, häufig ab 18 Jahren.

 

Welche Arten von Schleudern sind verboten?

Verboten sind sogenannte Präzisionsschleudern. Diese werden im Waffengesetz als „Vorrichtung zum Erreichen einer höchstmöglichen Bewegungsenergie“ bezeichnet und zählen in der Kategorie der „tragbaren Geräte“ zu den in Deutschland verbotenen Waffen. Es gibt sie auf diversen Internetplattformen, wie etwa Wish, zu kaufen, und auch einfache Schleudern könne zu Präzisionsschleudern umfunktioniert werden.

 

Was ist eine Präzisionsschleuder?

Sobald eine Schleuder mit einer Stabilisationsvorrichtung, also einer Arm- oder Handstütze versehen ist, oder für die Aufrüstung mit einer solchen Stütze ausgelegt ist, gilt sie als Präzisionsschleuder, und somit als Waffe. Eine Schleuder ohne vorhandene oder potenzielle Armstütze gilt nicht als Waffe, unabhängig von ihrer Spannkraft und Schussweite.

 

Was ist im Umgang mit einer Präzisionsschleuder verboten?

Gemäß § 52 III Nr.1 WaffG sind Erwerb, Besitz, Herstellung, Führung, Transport, Instandsetzung und Verkauf, kurz jedweder Umgang, mit Präzisionsschleudern verboten. Dies gilt nicht nur für eine fertige, mit Armstütze versehene, schussbereite Schleuder, sondern sowohl für eine Schleuder, die, obgleich sie nicht mit einer Armstütze ausgestattet ist, für die Montierung einer solchen vorgesehen ist, als auch für die bloße Armstütze ohne zugehörige Schleuder.

 

Was kann passieren, wenn ich eine Präzisionsschleuder mit oder ohne Armstütze bestelle?

Häufig werden Einfuhren aus asiatischen Ländern am Zoll genau kontrolliert. Auch wenn findige Absender die Ware als Probe deklarieren, oder zur Verschleierung des Inhaltes in Folien einschweißen, haben die Zollbeamten genug Routine, um auf solche Pakete aufmerksam zu werden. Ist der Besitz oder Erwerb der Ware in Deutschland verboten, wird das Paket am Zoll einbehalten und gegen den Empfänger ein Strafverfahren eingeleitet, das mit einer schriftlichen Vorladung der Polizei beginnt.

 

Wie hoch wird der Erwerb oder Umgang mit einer Präzisionsschleuder bzw. einer Schleuder mit Armstütze bestraft?

Die konkrete Höhe der Strafe hängt auch hier, wie in vielen Bereichen, vom Einzelfall ab. Grundsätzlich droht bei Erwerb einer gemäß Waffengesetz verbotenen Waffe eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren. In schwereren Fällen, etwa wenn die Staatsanwaltschaft Grund zu der Annahme hat, dass jemand regelmäßig und organisiert mit solchen Waffen hantiert, können bis zu 10 Jahren Freiheitsstrafe anfallen. Wenn eine Person beim Einsatz einer solchen Waffe Schaden genommen hat, fällt die Strafe unter Umständen noch deutlich höher aus. Außerdem müssen Inhaber eines Jagdscheins sowie Sportschützen mit Waffenbesitzkarte damit rechnen, diese zu verlieren, wenn sie wegen Besitzes einer illegalen Waffe angeklagt sind.

 

Ist eine Verurteilung wegen der Bestellung oder Besitzes einer Präzisionsschleuder unausweichlich?

Nein. Mit anwaltlicher Hilfe lässt sich die Gefahr einer strafrechtlichen Verurteilung in vielen Fällen abwenden. Ein Verteidiger wird Akteneinsicht in die Ermittlungsakte beantragen und zunächst feststellen, ob ein hinreichender Tatverdacht überhaupt vorliegt. Ein erfahrener Strafverteidiger kann bei dünner Beweislage eine Einstellung des Verfahrens erwirken. Wenn Sie, vielleicht aus Unwissenheit, eine Schleuder mit Armstütze bestellt, und dann festgestellt haben, dass Sie sich damit strafbar machen, wenden Sie sich, um Schlimmeres zu verhüten, direkt an die Polizei. Wenn es dafür zu spät ist, und Sie bereits Post von den Ermittlungsbehörden haben, machen Sie keinerlei Aussage, und kontaktieren Sie Dr. Brauer Rechtsanwälte. Wir vertreten Ihre Interessen kompetent und bundesweit, so dass Sie unter den günstigsten Umständen aus einem Strafverfahren herauskommen.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Strafrecht

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