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Die sog."Härtefallscheidung" bei Schwangerschaft der Ehefrau von einem anderen Partner,§ 1565 II BGB

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Deutsche Version (English below):

Leitsatz

Die Ehefrau und Antragstellerin war von einem neuen Partner schwanger und wollte vor Ablauf des Trennungsjahres geschieden werden. Auch der Ehemann hatte im Hinblick auf die Schwangerschaft seiner Ehefrau von einem neuen Partner kein Interesse an der Fortsetzung der Ehe, stellte selbst auch einen Scheidungsantrag und bekundete, nicht als Vater eines Kindes gelten zu wollen, dessen leiblicher Vater er tatsächlich nicht sei.

Für den von ihr gestellten Ehescheidungsantrag wurde der Ehefrau Prozesskostenhilfe zunächst nicht bewilligt. Ihre hiergegen eingelegte Beschwerde hatte Erfolg.

Das OLG Frankfurt am Main vertrat die Auffassung, der Ehefrau sei Prozesskostenhilfe für das Ehescheidungsverfahren zu gewähren, obgleich von ihr keine ausreichenden Härtegründe i.S.d. § 1565 Abs. 2 BGB vorgetragen worden seien. Hierauf komme es jedoch nicht an, nachdem auch der Ehemann wegen der Schwangerschaft der Ehefrau vor Ablauf des Trennungsjahres geschieden werden wolle und deutlich bekundet habe, kein Interesse daran zu haben, als Vater eines Kindes zu gelten, dessen leiblicher Vater er tatsächlich nicht sei. Das OLG teilte damit die Auffassung, dass allein dieser Umstand für den Ehemann eine Härtefallscheidung nach § 1565 Abs. 2 BGB rechtfertigen könne (vgl. auch OLG Karlsruhe, FamRZ 2000, S. 1417).

Da der Ehefrau für die Beteiligung an dem Ehescheidungsverfahren des Ehemannes ohnehin Prozesskostenhilfe zu bewilligen sei, komme es auf die Frage, ob ihr eigener Scheidungsantrag als aussichtsreich angesehen werden könne, nicht mehr an.

 (OLG Frankfurt am Main, Beschluss vom 06.06.2005, 1 WF 89/05)

Weitere aus der Rechtsprechung anerkannte Gründe der Härtefallscheidung sind insbesondere:

- Alkoholmissbrauch (unter Verweigern oder mehrfaches Scheitern von Entziehungskuren)

- Beleidigungen und Beschimpfungen des Ehepartners fortlaufend (u. a. in Gegenwart der Kinder)

- Beleidigungen, Bedrohungen und Misshandlungen von schwerster Art (und speziell im Beisein der Kinder)

- Drogenmissbrauch (u. a. in Gegenwart der Kinder)

- Außereheliche Beziehung mit sich daraus ergebender Schwangerschaft

- Eheschließung zur Erhaltung eines Aufenthalttitels

- Nervenkrankheit, die vor der Eheschließung nicht bekannt war

- Morddrohungen gegenüber dem Ehegatten

- Prostitution, die nach der Trennung ausgeübt wird

- Selbstmordversuch, für den der Ehepartner nicht mitursächlich war

- Sexuelle Perversionen, wozu der andere Ehegatte auffordert

- Straftaten gegenüber dem Ehepartner

- Vergewaltigung des Ehegatten, nachdem dieser den Kontakt abgebrochen bzw. sich getrennt hat und auch nicht mehr zum Ehepartner zurückkehrt

English version:

„Hardship decision“ according to § 1565 Abs. 2 BGB for pregnancy of the wife and another partner

basic principle

The wife and applicant was pregnant by a new partner and wanted to be divorced before the end of the separation year. The husband, too, had no interest in continuing his marriage with regard to his wife's pregnancy and presented a divorce petition, stating that he did not want to be the father of a child whose biological father he was definetely not.

At first, the wife was not granted legal aid for her marriage petition. Her complaint was successful.

The Higher Regional Court Frankfurt am Main took the view that the wife was granted legal aid for the divorce proceedings although she did not have adequate hereditary benefits, § 1565 para. 2 BGB. However, that was not the case, since the husband also wanted to be divorced because of the wife's pregnancy before the end of the divorce year and clearly stated that he had no interest in being the father of a child whose biological father he was not. The Higher Regional Court thus shared the view that this circumstance could justify a hardship decision for the husband according to § 1565 para. 2 BGB (see also OLG Karlsruhe, FamRZ 2000, p. 1417).

Given that the spouse is in any case entitled to legal aid for participation in the husband's divorce proceedings, the question of whether her own divorce petition can be regarded as promising is no longer relevant.

 (Frankfurt am Main Higher Regional Court, decision of 06.06.2005, 1 WF 89/05)

Further grounds of the hardship decision recognized from the case law family courts are in particular:

- Alcohol abuse (denying or multiple failure of withdrawal treatments)

- Insults and abuse of the spouse continuously (including in the presence of children)

- Insults, threats and ill-treatment of the most severe kind (and especially in the presence of children)

- Substance abuse (including in the presence of children)

- Extramarital relationship with resulting pregnancy

- marriage for the preservation of a residence permit

- Nerve disease, which was not known before the marriage

- death threats against the spouse

- Prostitution exercised after the separation

- Suicide attempt for which the spouse was not co-causal

- Sexual perversions, which the other spouse asks for

- offenses against the spouse

- Rape of the spouse after he or she has broken off the contact or has separated and does not return to the spouse


Rechtstipp vom 28.08.2018
aus der Themenwelt Trennung und Scheidung und den Rechtsgebieten Familienrecht, Zivilprozessrecht, Zivilrecht

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