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Kolumbien und die Versteuerung des Welteinkommens

Rechtstipp vom 08.04.2016
Rechtstipp vom 08.04.2016

In Kolumbien lebende Ausländer mit Einkünften aus dem Ausland fragen sich häufig, ob Sie in Kolumbien Einkommensteuer zahlen müssen.

Die kurze Antwort lautet: Grundsätzlich ja.

im Folgenden die ausführliche Antwort: In Kolumbien gilt das Welteinkommensprinzip. Das Welteinkommensprinzip bedeutet, dass ein Steuerresident (residente fiscal) sein weltweites Vermögen und Einkommen beim kolumbianischen Finanzamt deklarieren muss.

Überschreitet das Vermögen bzw. das Einkommen gewisse Schwellenbeträge (was relativ schnell der Fall ist), so muss Einkommensteuer an das kolumbianische Finanzamt (Dirección de Impuestos y Aduanas Nacionales, kurz DIAN) gezahlt werden.

Unter welchen Voraussetzungen wird man in Kolumbien zum residente fiscal?

Es gibt mehrere Szenarios, die einen Menschen (gleich ob Kolumbianer oder Ausländer) zum residente fiscal in Kolumbien werden lassen. Das bekannteste und wichtigste Szenario ist der dauerhafte Aufenthalt in Kolumbien, d. h. die bloße physische Präsenz eines Menschen auf kolumbianischem Territorium.

Genauer gesagt, gilt die so genannte 183-Tage-Regel. Die 183-Tage-Regel besagt, dass derjenige, der sich in einem zusammenhängenden Zeitraum von 365 Tagen mindestens 183 Tage (egal ob unterbrochen oder ununterbrochen) in Kolumbien aufhält (einschließlich der Ankunfts- und Abflugtage), der wird in Kolumbien automatisch zum Steuerresidenten.

Beispiel: Person X kommt am 1. Juli 2016 erstmalig am internationalen Flughafen in Bogotá an. Am 15. Dezember 2016 reist Person X zum Weihnachtsurlaub nach Deutschland zurück. Für das Jahr 2016 ist Person X kein residente fiscal in Kolumbien, da 183 Tage nicht überschritten wurden.

Nehmen wir an, dass Person X Anfang Januar 2017 nach Kolumbien zurückkehrt, so wird Person X aber nach Ablauf von ca. 2 Wochen zum residente fiscal, weil 183 Tage in einem zusammenhängenden Zeitraum von 365 Tagen dann überschritten werden. Dies hat zur Folge, dass Person X im Jahre 2018 ihr Weltvermögen und Welteinkommen bei der DIAN deklarieren muss.

Ausländer, deren Herkunftsstaaten das Welteinkommensprinzip nicht kennen, reagieren teilweise geschockt auf diese Feststellung. Deutsche dürfte diese Einsicht eher unbeeindruckt lassen, da in Deutschland ebenfalls das Welteinkommensprinzip gilt.

Allerdings kommt ein weiteres Problem hinzu: Doppelbesteuerung.

Bestimmte inländische Einkünfte unterliegen nach deutschem Steuerrecht weiterhin der deutschen Einkommensteuer, obwohl der Steuerpflichtige Deutschland längst verlassen hat, d. h. in Deutschland nicht mehr unbeschränkt einkommensteuerpflichtig ist. Typische Beispiele sind etwa Mieteinkünfte aus Grundeigentum oder gewerbliche Einkünfte aus einer in Deutschland gelegenen inländischen Betriebsstätte.

Da zwischen Deutschland und Kolumbien kein Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung existiert, verlangt grundsätzlich auch Kolumbien Einkommensteuer auf deutsche inländische Einkünfte.

Ein ähnliches Problem besteht bei Expat-Arbeitsverträgen, bei denen in Deutschland Lohnsteuer einbehalten wird, der entsandte Mitarbeiter aber in Kolumbien schon residente fiscal geworden ist.

In diesen Fällen besteht grundsätzlich ein Doppelbesteuerungsproblem. Allerdings sieht das kolumbianische Steuerrecht einen Abzugsmechanismus vor, der es erlaubt, im Ausland gezahlte Steuer (bis zu einem gewissen Limit) von der kolumbianischen Einkommensteuerschuld abzuziehen. Das Doppelbesteuerungsproblem wird damit deutlich entschärft.

Manch einer wird sich denken: Warum der Stress, dann erkläre ich meine Einkünfte aus dem Ausland in Kolumbien eben nicht. Oft unterbleibt die Erklärung ausländischer Einkünfte auch aus Unwissenheit. Besonders ausgeprägt scheint dieses Phänomen unter den so genannten „digitalen Nomaden“ zu sein (Programmierer, Designer, Internet-Berater), die von Kolumbien aus über das Internet im Ausland Geld verdienen und meistens nicht einmal über ein kolumbianisches Bankkonto verfügen.

Materiell handelt es sich dabei um Steuerhinterziehung. Die Aufdeckungswahrscheinlichkeit wird in den kommenden Jahren auf Grund des weltweit zunehmenden Informationsaustausches steigen.

Im September 2014 haben Deutschland, Kolumbien, die Schweiz und über 50 weitere Staaten ein multilaterales OECD-Abkommen zum automatischen Austausch steuerrelevanter Daten abgeschlossen. Das Abkommen soll 2017 umgesetzt werden. Die Republik Panama sträubt sich gerade noch, diesem Abkommen in vollem Umfang beizutreten.

Auf Grundlage des OECD-Abkommens werden Banken den nationalen Finanzämtern persönliche Kontodaten mitteilen, die automatisch und regelmäßig an ausländische Finanzämter (unter anderem die DIAN) verschickt werden.

Wer also Geldflüsse auf sein deutsches Konto verbucht (oder das Konto eines anderen Staats, der das OECD Abkommen unterschrieben hat, u.a. auch Staaten, wo nach landläufiger Ansicht das Bankgeheimnis herrscht wie zum Beispiel Hong Kong oder die Cayman Islands), der muss ab 2017 damit rechnen, dass die DIAN davon erfährt.

Mag das kolumbianische Welteinkommensprinzip derzeit noch häufig ins Leere laufen, so wird es in den kommenden Jahren auf Grund der zunehmenden Vernetzung der Steuerbehörden an Durchschlagskraft gewinnen.


Rechtstipps aus den Rechtsgebieten Internationales Recht, Steuerrecht, Strafrecht | Kolumbianisches Recht

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