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Lieber sprechen als hauen und stechen

Rechtstipp vom 19.08.2014
Rechtstipp vom 19.08.2014

Konflikte am Arbeitsplatz gab es, gibt es und wird es auch in Zukunft geben. Doch wie entstehen sie? Diese Frage beschäftigt mich schon seit Beginn meiner anwaltlichen Tätigkeit. Ich bin der Auffassung, dass man zur Lösung nicht wirklich vor Gericht ziehen muss. Oftmals lassen sich Auswege in Gesprächen finden. Beide Seiten müssen nur bereit sein, nicht mit dem Finger auf den anderen zu zeigen, sondern sich auch einmal „an die eigene Nase zu fassen“. Denn klar ist, zum Konflikt gehören immer zwei Parteien.

Natürlich hat man mit einer gerichtlichen Entscheidung die Probleme augenscheinlich schnell gelöst. Der Arbeitgeber ist den „Streithammel“ endlich los, der Arbeitnehmer erhält seine Abfindung und man trennt sich. Doch es bleibt ein bitterer Beigeschmack im Unternehmen, beim Mitarbeiter, der gehen muss und bei denen, die bleiben.

Das aber ist nicht alles. Der Prozess vor Gericht und der vorausgehende „Prozess“ im Betrieb haben sehr viel Energie gekostet, jahrelang gedauert und es war sehr teuer. Dabei meine ich nicht nur die Abfindung. Es kommen Anwaltskosten und die Kosten für das eigene Personal in der Personalabteilung hinzu. Interne Mitarbeiter können anderes in der Zeit, in der sie Zeit und Kraft in einen Konflikt stecken, weder sinnvoll noch energiegeladen tun.

Zu raten ist, dass man bereits in dem Moment, wo man den Konflikt wahrnimmt, zueinander findet und – möglicherweise auf dem Weg der Mediation – eine Lösung anstrebt.

Wenn meine Mandanten, ob Arbeitgeber, Personaler, Führungskraft oder Angestellte/r zu mir sagen „Er/sie streitet immer mit mir.“ dann frage ich „Und was machen Sie, während er/sie mit Ihnen streitet?“ Das ist nicht nett, weil ich damit den Finger in die Wunde lege. Aber es ist hilfreich.

Sicher ist es einfacher, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Nach dem Motto „Der war es“. Aber ist das nicht sehr infantil?

Besser ist es, wenn auch für sich selbst schwerer, den eigenen Beitrag zum Konflikt herauszuarbeiten. Es geht hier nicht um Schuld, aber leichter ist es, wenn man von „Anteil“ am Konflikt spricht. Denn jeder hat seine Gründe, warum er einen bestimmten Anteil zu einem Konflikt leistet. Oft stecken sogar sehr gute Absichten dahinter, wenn man mal ein bisschen genauer hinschaut. Wenn wir uns in den alltäglichen Konflikten, die uns am Arbeitsplatz, aber auch im Privatleben, begegnen, bewusst wären, dass wir einen Anteil daran haben und wenn wir dazu bereit wären, uns mit diesem Anteil zu beschäftigen, dann müssten wir vielleicht ganz schön was aushalten. Manchmal sind die Gefühle, Verletzungen und die sogenannten „dunklen Seiten“ wirklich nicht zum Aushalten.

Es gehört auf beiden Seiten Mut dazu, den eigenen Anteil am Konflikt zu analysieren, aber es ist erwachsen.

Dem anderen seine Grenzen zu zeigen und seine eigenen zu erkennen, gehört zum Friedensprozess. Frieden – auch im Arbeitsleben – bedeutet nicht, dass man sich alles gefallen lässt. Frieden im Arbeitsrecht heißt, dass man reflektiert, nach den jeweiligen Anteilen schaut, dann ggf. Grenzen setzt und schließlich in einen Dialog tritt. Es gehört mehr Mut dazu, Frieden zu stiften, als Krieg zu führen. Das ist zwar schwer, aber keine Utopie!


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

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