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Nachrangdarlehen der Autark Group: Anlegern drohen Millionenschäden

Rechtstipp vom 06.04.2017
Rechtstipp vom 06.04.2017

Die Autark Group umfasst mehrere Unternehmen auf dem Kapitalmarkt. Eines dieser Unternehmen schloss in den letzten Jahren zahlreiche Nachrangdarlehen als Darlehensnehmer ab. In letzter Zeit wurden jedoch immer mehr unlautere Geschäftspraktiken bekannt, die an der Seriosität der Autark zweifeln lassen. Inzwischen ermitteln drei Staatsanwaltschaften. Mehrere tausend Verbraucher fürchten um ihre Einlagen in Höhe von über 135 Millionen Euro.

Ein Überblick und die Beantwortung von Fragen.

Autark Group: Vergabe von Nachrangdarlehen

Die Autark Group umfasst Firmen am Kapitalmarkt, die damit werben, Anlegergelder in Aktien, Unternehmen und Rohstoffe zu investieren und damit Renditen zu erwirtschaften. Im Laufe der letzten Jahre fanden mehrere Firmenfusionen und Zusammenführungen sowie zeitgleich Aufspaltungen statt. Aktuell handelt es sich um die Autark Invest AG, deren Sitz in Liechtenstein gewesen war und nun nach Deutschland verlegt wurde. Die Rechtsvorgängerin der Autark Invest AG war Anbieterin von Nachrangdarlehen mit verschiedenen Konditionen. Bis einschließlich September 2016 wurde damit geworben, außergewöhnliche Renditen erwirtschaften zu können. Ihre Performance für das Jahr 2015 gab sie mit 27,66 % an.

Unseriöses Auftreten der Autark

Geschäftsführer der Autark ist Jörg Schneider. Tatsächlich dirigiert wird die Autark Group laut Medienberichterstattung jedoch von dem als Verwaltungsrat bezeichneten Stefan Kühn. Zweifelhafte Berühmtheit erlangte Kühn unter seinem früheren Namen Stefan Koschate, welcher wegen seiner unseriösen und strafbaren Praktiken auf dem Finanzmarkt seit Jahren negativ aufgefallen und bekannt ist. So sollen seinerzeit als Initiator der Novotax AG/AAA Asset Management AG über 4 Millionen Euro Kundenanlagen innerhalb eines halben Jahres verschwunden sein. Kühn/Koschate selbst ist angeblich vermögenslos und hat Millionenschäden für Anleger zu verantworten.

Die Finanzmarktaufsicht von Liechtenstein warnte bereits am 31.10.2016 vor der Autark. Eine weitere Warnung durch die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein erfolgte am 07.12.2016. Darüber hinaus rät auch die Fachpresse mittlerweile von Investitionen bei der Autark ab und warnt Verbraucher massiv. So befindet sich die Autark z. B. auf der Warnliste für Geldanlagenangebote der Stiftung Warentest.

Über 135 Millionen Euro Kapital in Gefahr

Nach ihrer Eigendarstellung wurde das von der Autark durch die Nachrangdarlehen eingesammelte Kapital über die Vermögensverwaltung Sensus GmbH in den Währungshandel (Forex Handel) investiert. Das Kapital sei als deren Sondervermögen gesichert gewesen. Tatsächlich trifft das jedoch nicht zu. Vermutlich wurde das Kapital als Nachrangdarlehen an eine Tochtergesellschaft der Sensus Vermögensverwaltung GmbH, die Derivest GmbH in Markredwitz, weitergeleitet. Gegen die Derivest GmbH ermittelt die Staatsanwaltschaft Hof.

Bis Dezember 2016 hätten, laut mehreren Berichten, Anleger rund 31 Millionen Euro bei der Autark eingezahlt, monatliche Raten von über 100 Millionen Euro stünden noch aus. Der Verbleib von Anlegergeldern in einer zweistelligen Millionenhöhe ist bislang ungeklärt. Diese scheinen bei Tochterfirmen und Zweigstellen in dunklen Kanälen versickert zu sein.

Wir warnen davor, weitere Raten zu zahlen. Bei Nachrangdarlehen handelt es sich um Darlehen, bei denen Anleger immer ein hohes wirtschaftliches Risiko tragen. Zwar klingt es in Anbetracht der aktuellen Niedrigzinsphase verlockend, in ein Unternehmen zu investieren und eine Rendite von 7 % und mehr zu erhalten. Aber: Im Pleitefall werden die Verbraucher nachrangig entschädigt, also wenn alle vorrangigen Gläubiger bedient sind.

Verfahren gegen die Autark

Wir haben erfolgreich Verfahren gegen die Autark geführt und bislang 15 Arresturteile erwirken können. In Verlauf dieser Verfahren verhielten sich die Vertreter der Autark ebenfalls unseriös, stritten bewiesene Tatsachen (wie beispielsweise den Sitz der Firma in Dortmund) ab, verrannten sich in verqueren Aussagen und zeigten sich nicht verbraucherfreundlich. Wir werden nun weitere Arrestanträge gegen die Autark stellen. Zurzeit sind wir mit rund 60 Verfahren betreut, von denen aktuell 20 parallel vor dem Landgericht Dortmund verhandelt werden.

Uns ist es zudem erfolgreich gelungen, eine einstweilige Verfügung gegen die Autark zu erwirken. Damit ist es der Firma von nun an strengstens untersagt, die sogenannte Nachrangklausel zu verwenden. Sollte die Autark dieser Auflage nicht nachkommen, drohen Ordnungsgelder in Höhe von bis zu 250.000 Euro und Ordnungshaft.

Verbrauchern wird empfohlen, die Nachrangdarlehen bei der Autark schnellstmöglich zu kündigen, um einen Kapitalverlust zu vermeiden. Jedoch stellt sich die Autark bei Kündigungen der Verträge ebenfalls nicht sehr verbraucherfreundlich an, sodass Ihnen im Fall von Schwierigkeiten dazu geraten sei, uns unmittelbar zu kontaktieren. Da die Autark eine Mindestkapitaleinlage von 1000 € gefordert hat, geht es hier auch nicht um Kleinbeträge, sondern um hohes Verbraucherkapital, das es zu schützen gilt.

Wer wir sind

Die Rechtsanwaltskanzlei Benedikt-Jansen und Dorst ist auf Bank-und Kapitalmarktrecht spezialisiert. Herr Rechtsanwalt Benedikt-Jansen ist seit 13 Jahren Vertrauensanwalt der Schutzgemeinschaft für Bankkunden e. V., einem staatlich anerkannten Verbraucherschutzverband zur Bekämpfung unredlicher Finanzdienstleister (z. B. aus dem Bankensektor, Kapitalanlagesektor, Versicherungen etc.). Die Schutzgemeinschaft für Bankkunden hat seit dem Jahr 2004 zehntausende Fälle rechtsmissbräuchlicher Vertragspraktiken (insbesondere unwirksame Vertragsklauseln) erfolgreich bekämpft. Seit 2010 ist Herr Benedikt-Jansen Fachanwalt für Bank-und Kapitalmarktrecht. Er verfügt über einen außergewöhnlich umfangreichen Schatz an Erfahrungen auf dem Gebiet des bankenrechtlichen Verbraucherschutzes.

Für weitere Informationen oder Fragen stehen er und sein Team Ihnen auf seiner Homepage zur Verfügung.


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