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Sofortige Rückführung eines Kindes in die USA - Immediate ordered return of a child to the US

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Sofortige Rückführung eines Kindes in die USA

Bereits das Oberlandesgericht Celle hat in einem internationalen Kindesrechtsverfahren im Jahr 2011 (Aktenzeichen: 18 UF 171/11) entschieden, dass ein Kind in die USA zurückgebracht werden muss, wenn ein Elternteile dieses außer Landes gebracht hat und dies nicht im Interesse des andern Elternteils geschehen ist. Grundlage und in Anwendung sprach das Gericht auf Grundlage des international gültigen Haager Kindesentführungsübereinkommen. (Zur Erklärung: "Das Haager Übereinkommen über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführung" vom 25. Oktober 1980 ist ein multilaterales Abkommen im Rahmen der Haager Konferenz für Internationales Privatrecht. Es betrifft Fälle internationaler Kindesentführung).

Die Kindesmutter hatte das Kind gegen und ohne den Willen des ebenfalls sorgeberechtigten Vaters aus den USA nach Deutschland verbracht. Im Falle, dass beide Eltern das gemeinsame Sorgerecht ausüben, das ist grundsätzlich in allen Fällen der verheirateten Eltern der Fall und bei unverheirateten Eltern, sofern diese explizit und aktiv eine gemeinsame Sorgerechtserklärung abgegeben haben)

Die Richter am OLG Celle entschieden, dass eine Kindesentführung keinen Bestand haben darf und auch in zeitlicher Hinsicht nicht legitimiert werden kann. Hintergrund der Entscheidung war ein Fall, in dem die achtjährige Tochter einer deutsch-amerikanischen Staatsangehörigen und eines Amerikaners durch die Kindesmutter aufgrund Trennung der Eltern aus den USA verbracht wurde, da die Mutter zurück nach Deutschland kehren wollte. Der 18. Zivilsenat – Senat für Familiensachen – des Oberlandesgerichts Celle entschied, dass die Mutter unter keinen Umständen berechtigt ist, das Kind in Deutschland gegen den Willen des gemeinsam mit der Mutter sorgeberechtigten Vaters zurückzuhalten.

Bis zum Sommer 2010 hatte die Familie gemeinsam in den USA gelebt. Nach einer Urlaubsreise von Mutter und Tochter in Deutschland weigerte sich die Mutter, mit dem Kind in die USA zurückzukehren. Zwar verpflichtete sie sich im Rahmen des daraufhin vom Vater in Deutschland eingeleiteten Gerichtsverfahrens, das Kind spätestens zu Beginn des Jahres 2012 in die USA zurückzubringen. Zu einer Rückkehr kam es aber nicht. Der Senat für Familiensachen am Oberlandesgericht Celle, der für diese Verfahren zuständig ist (das sind für alle HKÜ-Verfahren stets die Oberlandesgerichte eines Bundeslandes), hat auf Antrag des Vaters daraufhin die sofortige Rückführung angeordnet.

Dieses internationale Übereinkommen, das unter anderem für die grenzüberschreitende Kindesentziehung zwischen den USA und Deutschland, aber auch im Verhältnis zu 85 weiteren Staaten gilt, dient der raschen Beendigung grenzüberschreitender Kindesentziehungen und Wiederherstellung des rechtmäßigen Zustandes. Es sieht vor, dass das Gericht die Rückführung des Kindes anzuordnen hat, wenn das Kind unter Verletzung des Sorgerechts eines Elternteils widerrechtlich in einem Staat zurückgehalten wird. Die Motive dieser Zurückhaltung sind zunächst völlig unbeachtlich. Ob dies eine spontane Entscheidung ist, nicht aus dem Urlaub zurückzukehren oder von langer Hand geplant war und bereits durch anderweitige Personen organisiert, spielt keine Rolle.

Insbesondere konnte die Mutter nicht einwenden, dass sich das Kind binnen des fast zweijährigen Aufenthalts in Deutschland an die Umgebung gewöhnt habe. Denn, so führte das Gericht aus, die Unterbrechung der gegenwärtigen Situation sei typische Folge der von dem entführenden Elternteil einseitig und widerrechtlich herbeigeführten Lage, auf die sich der Entführende nicht berufen könne, weil sie allein durch sein Handeln hervorgerufen würde. Auch die Trennung von der Mutter sei kein gegen eine Rückführung sprechendes Argument. Es stehe ihr frei, ebenfalls in die USA zurückzukehren.

Mit diesem Beschluss setzt der 18. Zivilsenat das Recht des Vaters durch, der genau die gleichen Rechte hat wie die Mutter und dies durch gerichtliche Anträge einzufordern hat. Kindesentführungen dürfen im Verhältnis westlicher Rechtsstaaten keinen Bestand haben, weil sie letztlich eine Form der Selbstjustiz darstellen. Im Ergebnis führen sie nicht nur zu Wut und Enttäuschung bei den Familienangehörigen des Kindes, sondern sie bedeuten auch für das betroffene Kinder extremen Stress und Kummer, der sich sowohl psychisch als auch körperlich auf die weitere Kindesentwicklung auswirken kann und oftmals wird.


English Version:

Immediate Return of a child to the USA 

The Higher Regional Court of Celle ruled in international child rights proceedings already in 2011 (file number: 18 UF 171/11) that a child must be brought back to the US if one of the parents took it out of the country and this was not in the interest or best will of the other parent. The court spoke on the basis and in application of the internationally valid Hague Child Abduction Convention. (For explanation reasons: "The Hague Convention on the Civil Aspects of International Child Abduction" of October 25th, 1980 is a multilateral agreement within the framework of the Hague Conference on Private International Law. It concerns cases of international child abduction). 

The child's mother had brought the child abroad from the US to Germany against and without the will of the father who was also the custodial party. In the event that both parents exercise joint custody, this is basically the case of married parents and in the case of unmarried parents provided that they have explicitly and actively submitted a joint declaration of custody before) 

The judges at the Higher Regional Court of Celle decided that child abduction must not last and that it cannot be legitimized in terms of time. The background to the decision was a case in which the eight-year-old daughter of a German-American citizen (mother) and an American (father) was taken away from the US by the child's mother because of separation and the mother wanted to return to Germany. The 18th Civil Senate - Senate for Family Matters - of the Higher Regional Court of Celle ruled that the mother is under no circumstances entitled to withhold the child in Germany against the will of the father who has joint custody. 

The family had lived together in the United States until the summer of 2010. After the mother and the common child went on vacation to Germany, the mother refused to return to the United States with the child. In the context of the legal proceedings in Germany initiated by the father, she undertook to bring the child back to the US by the beginning of 2012 at the latest. But there was no return so the father took the necessary legal steps. The Senate for Family Matters at the Higher Regional Court of Celle which is responsible for these proceedings (these are always the higher regional courts of a federal state for all HKÜ proceedings), ordered the immediate repatriation at the father's request. 

This international agreement which among other things applies to cross-border child abduction between the US and Germany but also in relation to 85 other states, serves to quickly end cross-border child abduction and to restore the legal status. It provides that the court has to order the return of the child if the child is illegally detained in a state in violation of the custody of one of the parents. The motives for this reluctance are initially completely irrelevant. It does not matter whether this is a spontaneous decision not to return from vacation or whether it was planned well in advance and already organized by someone else, or family members e.g. 

In particular, the mother could not object that the child had got used to the environment within the almost two-year stay in Germany. Because, as the court stated, the interruption of the current situation was a typical consequence of the situation unilaterally and illegally brought about by the abducting parent, to which the abductor could not refer because it was caused by his actions alone. Separation from the mother is also not an argument against ordered return. She is free to return to the US as well. 

With this decision, the 18th Civil Senate enforces the rights of the father who has exactly the same rights as the mother and who has to demand these through judicial applications. Child abductions must not exist in the relationship with Western constitutional states because they ultimately represent a form of vigilante justice. As a result they not only lead to anger and disappointment among the family members of the child but they also mean extreme stress and grief for the affected child which can and often will affect the further development both psychologically and physically. 


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Familienrecht, Internationales Recht, Zivilprozessrecht

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