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Frage nach dem Kinderwunsch - Wie neugierig dürfen Arbeitgeber sein?

Rechtstipp vom 07.04.2015
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Personalverantwortliche begeben sich oft schon bei Vorstellungsgesprächen auf dünnes Eis und es ist ihnen nicht klar, dass das AGG schnell verletzt werden kann. Besonders gern wird jungen Frauen die Frage nach der Familienplanung gestellt. Diese Frage ist unzulässig und man darf sich nicht wundern, wenn man keine oder eine falsche Antwort erhält. Was soll eine Frau auch antworten, denn es weiß keiner ob sich ihre Pläne gewollt oder ungewollt ändern. Sie könnte solche Aussagen treffen wie:

  1. Ich will schon irgendwann Kinder. Aber das hat noch Zeit. Ich bin ja erst Mitte 20 und will mindestens 10 Jahre Berufserfahrung sammeln.
  2. Kinder? Ich? Niemals. Ich bin eine Frau, die weiß, was sie will. Ich will Karriere. Kinder kommen in meiner Lebensplanung nicht vor.
  3. Ich will unbedingt Kinder haben. Ich denke, so in ein bis 2 Jahren soll es losgehen. Dann will ich mindestens 2 Kinder haben. Ich stelle mir jedoch vor, dass ich nach jedem Kind nur 6 Monate Auszeit nehme und dann voll wieder einsteige.
  4. Ich kann keine Kinder bekommen. Sie brauchen sich also keine Sorgen machen.

Ob das der Wahrheit entspricht, bleibt offen. Auch wenn sich der Arbeitgeber belogen fühlt, wenn „es“ doch passiert oder die Frau nicht in der von ihr ursprünglich angegebenen Zeitspanne schwanger wird, kann er noch so wütend oder enttäuscht sein. Es nützt ihm alles nichts. Die Sicherheit, die er sich aus derartigen – wenn auch unerlaubten – Gesprächen erwartet, wird er nicht erhalten. Deshalb sollte sich der Arbeitgeber die Zeit für solche Gespräche überhaupt sparen. Besser ist es, im Unternehmen Bedingungen zu schaffen, die es Frauen ermöglichen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Ein gutes Betriebsklima ist wichtig, damit ihre teuer ausgebildeten Fachkräfte auch mit Kindern gerne wieder bei Ihnen einsteigen. Berufstätige Mütter, die sich in der Firma gut aufgehoben und verstanden fühlen, sind dankbar und ein Gewinn für jedes Unternehmen.

Die juristisch per se gefährliche und ggf. sehr teure Frage nach der Familienplanung (drohender Schadensersatz wegen Diskriminierung) bringt also auch rein psychologisch gesehen bei beiden Seiten nur Verdruss. Wenn ein Arbeitgeber beabsichtigt, Frauen zwischen 16 und Ende 40 einzustellen, dann muss er mit Kindern rechnen.

Im Übrigen sind auch Männer und ältere Arbeitnehmer keine sichere Bank. Es gibt Erziehungszeit für junge Väter, die auch plötzlich über den Arbeitgeber „hereinbrechen“ kann und bei den Älteren kann es zu Betreuungssituationen gegenüber den eigenen Eltern kommen. Das Beste für Unternehmer ist, die Energie in flexible Konzepte zu stecken, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf möglich machen.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Arbeitsrecht

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