Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Mein Hund, dein Hund, unser Hund

(4)

Auch wenn sich jeder Hundefreund sogleich aufbäumen wird – der Hund ist dem ehelichen Hausrat im Sinne des § 1361a BGB zuzuordnen. Können sich die Eheleute über eine Verteilung des gemeinsamen Hausrats nicht einigen, entscheidet das Familiengericht nach den Grundsätzen der Billigkeit.

Das Oberlandesgericht (OLG) Stuttgart war mit einem solchen Fall befasst, Beschluss vom 07.04.2014 – 18 UF 62/14.

Die Eheleute hatten sich während der Ehe einen Hund angeschafft. Die Ehefrau hatte die Anschaffungs- und Unterhaltungskosten bezahlt, wohingegen der Ehemann öfter mit dem Hund Gassi gegangen war. Im Impfausweis war die Ehefrau als Halterin eingetragen. Anlässlich der Trennung der Eheleute behielt der Ehemann den Hund bei sich und verweigerte der Ehefrau auch den Kontakt zu dem Hund. Die Ehefrau klagte auf die Herausgabe des Hundes und sah den Hund erst bei der mündlichen Verhandlung – mehr als ein Jahr später – wieder. Dabei lief der Hund freudig auf die Ehefrau zu und blieb auf ihrem Schoß sitzen. Das Amtsgericht schlug ein „Wechselmodell“ vor, was der Ehemann jedoch ablehnte. Das Amtsgericht wies den Hund der Ehefrau zu und verpflichtete den Ehemann, den Hund an die Ehefrau herauszugeben. Das OLG Stuttgart bestätigte diese Entscheidung. Zu den Eigentumsverhältnissen führte das OLG aus, dass die Ehefrau, auch wenn sie die Anschaffungs- und Unterhaltungskosten getragen habe und auch als Halterin im Impfausweis stehe, nicht Alleineigentümerin des Hundes sei. Die Anschaffung des Hundes habe auf einer gemeinsamen Entscheidung des Paares beruht und beide Ehegatten hätten zur Betreuung und Versorgung des Hundes beigetragen.

Die Zuweisung des Hundes als gemeinsamer Hausratsgegenstand müsse daher nach den Grundsätzen der Billigkeit erfolgen. Dabei gehe es nicht in erster Linie um das Wohl des Hundes. Vielmehr müsse den Eheleuten eine sinnvolle Teilhabe an dem Hund ermöglicht werden. Hierbei stellte das OLG Stuttgart darauf ab, dass der Ehemann der Ehefrau den Hund für länger als ein Jahr vorenthalten habe und auch ein „Wechselmodell“ ablehnte. Deshalb sei zu befürchten, dass der Ehemann dieses Verhalten fortsetzen würde, wenn der Hund bei ihm leben würde.

Verfasserin des Artikels ist Rechtsanwältin Judith Weidemann aus Potsdam, zugleich Fachanwältin für Familienrecht.


Rechtstipp vom 09.12.2014
aus der Themenwelt Umwelt, Tiere und Pflanzen und dem Rechtsgebiet Familienrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Alle Rechtstipps von Rechtsanwältin Judith Weidemann (Fachanwältin für Familienrecht)

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Informationen über aktuelle Gesetzesänderungen, neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter

Ihre E-Mail-Adresse wird nur für den anwalt.de-Newsletter verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können den anwalt.de-Newsletter jederzeit wieder abbestellen.