Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Missbrauch von Kreditkarten/Girokarten – wenn Karte und PIN aus Post/Briefkasten entwendet werden

(5)

Leider kommt es anscheinend immer häufiger vor, dass bei postalischem Zusenden einer Kreditkarte oder einer Girokarte und anschließendem Zusenden der dazugehörigen PIN durch das Kreditinstitut die Bankkarte und PIN entweder überhaupt nicht erst in den Briefkasten des Bankkunden gelangen oder dass systematisch Karte und PIN aus dem Briefkasten entwendet werden. Mit Karte und PIN können dann die Diebe den Verfügungsrahmen der Kreditkarte beziehungsweise des Girokontos ausnutzen und Geld abheben oder damit auf Einkaufstour gehen. Der Bankkunde merkt von alledem mitunter erst dann etwas, wenn er die monatliche Kreditkartenabrechnung in den Händen hält. Es ist dann natürlich sehr ärgerlich, wenn das Kreditkarteninstitut plötzlich innerhalb von 10 Tagen 2.500 € von einem verlangt.

Laut einer Erhebung von Stiftung Warentest von Februar 2018 gehen bis zu 2.000 Karten jährlich allein in Berlin „verloren“.

Wie ist die rechtliche Lage bei derartigem Kreditkartenmissbrauch? Es kommt darauf an, wen ein Verschulden trifft!

Den oben geschilderten Sachverhalt muss man in zwei Sachverhalte aufteilen: Entweder gelangen Kreditkarte und PIN überhaupt nicht erst in den Briefkasten des Bankkunden oder beides gelangt in den Briefkasten des Bankkunden, wird jedoch daraus widerrechtlich entwendet. Tatsächlich wird sich schwer nachweisen lassen, ob das eine oder das andere verwirklicht wurde, sofern der Briefkasten nicht offensichtlich durch Gewalteinwendung geöffnet wurde. Der Bankkunde stellt letztendlich ja nur fest, dass er keine Kreditkarte bzw. Girokarte und auch keine PIN erhalten hat.

Kreditkarte bzw. Girokarte und PIN gelangen überhaupt nicht in den Herrschaftsbereich (Briefkasten) des Bankkunden

Solange Kreditkarte bzw. Girokarte und/oder PIN nicht in den Herrschaftsbereich des Kunden gelangt sind, trägt das Kreditinstitut bzw. die Bank die Sendegefahr, § 675m Abs. 2 BGB. Das Kreditinstitut trägt dafür die Verantwortung, alles Erforderliche und wirtschaftlich Zumutbare dazu beizutragen, damit das Zahlungsauthentifizierungsinstrument sicher versendet wird, nicht missbraucht wird und eventuelle Schäden gering gehalten werden. In der Regel hat das Kreditinstitut nachzuweisen, dass Kreditkarte und/oder PIN tatsächlich dem Bankkunden (durch Ablegen in dessen Briefkasten) zugegangen sind. Solange ein solcher Nachweis nicht geführt wird, bleibt einzuwenden, dass Kreditkarte bzw. Girokarte und PIN nicht in den eigenen Briefkasten eingeworfen wurden.

Dass eine Kreditkarte bzw. Girokarte mit der dazugehörigen später versendeten PIN beide durch einen „Posträuber“ auf dem Postweg entwendet wurde, wird dadurch ermöglicht, dass zum einen die Kreditinstitute teilweise recht zeitnah nach Versendung der Kreditkarte bzw. Girokarte die PIN hinterher senden, zum anderen, dass in den letzten Jahren immer häufiger die Post nicht mehr zeitnahe zugestellt wird, sondern teilweise mehrere Tage gesammelt wird. Damit ist es durchaus möglich, dass Kreditkarte bzw. Girokarte und PIN in den selben „Postsack“ wandern, der dann gestohlen wird oder dass zeitgleich Karte und PIN in den Briefkasten gelangen.

So ist zum Beispiel ein Fall zu nennen, wo die Consors Finanz schon drei Tage nach vermeintlichem Absenden der Kreditkarte die PIN hinterhergesendet haben wollte, und das auch noch während der Vorweihnachtszeit. Nach hiesiger Auffassung stellt dies eine Verletzung der gesetzlichen Pflicht aus § 675m BGB dar.

Kreditkarte bzw. Girokarte und PIN gelangen in den Herrschaftsbereich (Briefkasten) des Bankkunden

Sind Kreditkarte bzw. Girokarte und/oder PIN in den Herrschaftsbereich des Bankkunden gelangt, also in den Briefkasten geworfen worden, so treffen auch den Bankkunden nach § 675l BGB bestimmte Pflichten. Grundsätzlich ist der Bankkunde für die Sicherheit seines Herrschaftsbereichs, also seines eigenen Briefkastens, verantwortlich. Nach hiesiger Auffassung kann diese jedoch doch nicht so weit führen, dass der Bankkunde über die üblichen Vorkehrungen eines verschließbaren Briefkastens weitere Vorkehrungen treffen, insbesondere nicht eine lückenlose Sicherheit seines Briefkastens gewährleisten. Dies wäre unverhältnismäßig im Hinblick darauf, dass die Kreditinstitute andere Möglichkeiten haben, Kreditkarte bzw. Girokarte und PIN ihrem Bankkunden zur Verfügung zu stellen. Hierzu unten mehr. Der Bankkunde kann zum Beispiel gegen systematisches Ausspionieren seines Briefkastens nichts unternehmen. Er kann sich nicht 24 Stunden auf die Lauer legen. Einen Rundumschutz kann und braucht der Bankkunde nicht gewährleisten.

Wie sollten sich Bankkunden in jedem Fall verhalten, wenn ihre nicht erhaltene Kreditkarte oder ihre Girokarte missbraucht wurde?

In jedem Fall sollte unverzüglich ab Kenntnis eines solchen Kartenmissbrauch das Kreditinstitut darüber informiert werden. Mit dem Kreditinstitut wäre dann abzustimmen, ob der Bankkunde oder das Kreditinstitut selbst Strafanzeige gegen Unbekannt erhebt oder ob das Kreditinstitut eine Strafanzeige für entbehrlich hält.

In jedem Fall sollten es sich Bankkunden nicht gefallen lassen, wenn ihr Kreditinstitut oder ihre Bank sich weigert, den entstandenen Schaden zu ersetzen und den durch den Kartenmissbrauch entstandenen negativen Saldo des Bankkunden auszugleichen.

Was könnten die Kreditinstitute und Banken tun, um derartigem Kreditkartenmissbrauch vorzubeugen?

Den Kreditinstituten stehen bei Weitem sicherere Methoden zur Verfügung, ihren Bankkunden Kreditkarte bzw. Girokarte und PIN zur Verfügung zu stellen. So könnte eine Kreditkarte oder eine Girokarte mit dem sogenannten Postident-Verfahren versendet werden, wonach sich der Bankkunde in einer Postfiliale mit seinem Personalausweis zu identifizieren hat, um die Karte in Empfang nehmen zu können. Oder die Bank lässt sich vom Bankkunden bestätigen, dass er die Karte erhalten hat, bevor die PIN versendet wird. Oder die Banken könnten dem Bankkunden anbieten, sich seine Kreditkarte oder Girokarte in einer Filiale seiner Bank abzuholen. Selbst Direktbanken kooperieren häufig mit stationären Banken und könnten einen solchen Service zur Sicherheit ihres Bankkunden anbieten. Dennoch halten Kreditinstitute, wie etwa die Berliner Sparkasse, an dem unsicheren, aber kostengünstigsten einfachen Postwege fest. Diese Kostenersparnis darf aber nicht zulasten des Bankkunden gehen.


Rechtstipp vom 10.07.2018

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Damit Sie wissen, wann Sie im Recht sind

Informationen über aktuelle Gesetzesänderungen, neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter

Ihre E-Mail-Adresse wird nur für den anwalt.de-Newsletter verwendet und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können den anwalt.de-Newsletter jederzeit wieder abbestellen.