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P & R – Droht Anlegern das gleiche Schicksal wie bei Magellan?

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Der größte Anbieter von Container-Direktinvestitionen, die P & R Container Leasing GmbH, hat den Vertrieb von aktuellen Angeboten eingestellt. Das berichteten zunächst das „Handelsblatt“ und „Stiftung Warentest“. Auf der Internetseite des in München ansässigen Unternehmens heißt es dazu: „Aktuell ist kein Private Placement Angebot verfügbar“. Näheres zu den Hintergründen ist bisher nicht bekannt. 

Verzögerungen bei den Zahlungen

Für Unruhe sorgte bereits die Ankündigung, dass sich Mietauszahlungen und fällige Rückkäufe verzögern könnten. Anleger berichteten bereit darüber, dass fällige Zahlungen nicht geflossen seien. 

Parallelfall Magellan

Die Nervosität ist verständlich. Vor fast 2 Jahren strauchelte die Magellan Maritime Services GmbH, eine ebenfalls seit Jahren im Container-Leasinggeschäft tätige Gesellschaft, die ebenfalls Direktinvestitionen angeboten hat. Tausende Anleger der Magellan müssen sich derzeit wegen ihrer Forderungen mit dem Insolvenzverwalter auseinandersetzen. Auch wir vertreten Anleger der Magellan. Einige von ihnen, die zugleich auch bei P & R investiert haben, befürchteten schon, dass sie mit ihrer P & R Direktcontainer-Investition ein ähnliches Schicksal erleiden. 

Die P & R hatte seinerzeit noch sehr stolz darauf verwiesen, dass ein Desaster wie bei Magellan bei ihr ausgeschlossen sei. Das bezog sich vor allem auf die Vertragskonstruktion, die bei Magellan dazu führte, dass der Insolvenzverwalter, gestützt auf ein Gutachten, zunächst den Eigentumserwerb der Investoren an den Containern in Abrede stellte. 

Abweichungen zwischen Mieteinnahmen und Zahlungen

Allerdings lassen sich durchaus bedenkliche Parallelen zwischen beiden Gesellschaften feststellen: 

Wie bei Magellan auch, zahlte P & R ebenfalls über Jahre hinweg den Anlegern höhere Mieten für die Container als mit den Containern tatsächlich erzielt wurden. Das Handelsblatt listete nun unter Bezugnahme auf „Investmentcheck“ als Quelle für die Jahre 2014 bis 2016 Unterdeckungen zwischen 190 und 157 Mio. € jährlich auf. Das sind sehr hohe Beträge, die das Unternehmen zuschießen muss und die zu einem Großteil wohl aus den Erträgen beim Neuabschluss stammen. Gleichzeitig soll aber das Neugeschäft seit einiger Zeit rückläufig sein. 

Fehlende Neuabschlüsse

Bei Magellan führten schließlich mangelnde Neuabschlüsse sehr schnell zur Insolvenz des Unternehmens. Anders als bei P & R hatte es Magellan Ende 2015 nämlich nicht geschafft, rechtzeitig einen Prospekt für ihr Angebot zu erstellen, sodass die Möglichkeit für Neuabschlüsse Anfang 2016 abrupt wegbrach. Mit der Insolvenz und dem Bekanntwerden der Geschäftspraktiken kamen massive Zweifel an dem Geschäftsmodell auf, bei dem den Investoren höhere Mieten garantiert werden als am Markt erzielbar sind und bei dem systematisch immer der kalkulierte Rückgabewert gezahlt wird, obwohl die tatsächlich erzielten Preise für Container niedriger sind. Die meisten Anleger gingen nämlich davon aus, dass die zugesagten Mietpreise und gezahlten Verwertungserlöse auch mindestens am Markt erzielt wurden. Die Verantwortlichen der Gesellschaft werden daher auch mit dem Vorwurf konfrontiert, die Anleger darüber getäuscht zu haben. 

Risiken des Direkt-Containergeschäfts

Das Beispiel Magellan hat eindrücklich gezeigt, dass auch eine Direktinvestition in Container nicht vor größeren Schäden schützt. Die aktuelle Situation hatten wir bereits in unserem letzten Artikel geschildert. Ob sich die mit einer Direktinvestition verbundenen Risiken auch für die Anleger bei P & R verwirklichen, wird die weitere Entwicklung des Unternehmens zeigen. Allerdings bestehen für betroffene Anleger, die von den genannten Risiken nichts wussten und Bedenken wegen ihrer Beteiligung haben, schon jetzt Möglichkeiten, ohne Verlust aus ihrer Beteiligung zu kommen. Betroffene Investoren können sich zur Prüfung ihrer Ansprüche und rechtlichen Möglichkeiten an die Schädler Narloch Rechtsanwälte Partnerschaft mbB wenden. 

Jana Narloch – Rechtsanwältin und Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht – München 


Rechtstipp vom 12.03.2018
Aktualisiert am 14.03.2018
aus der Themenwelt Finanzen und Versicherung und dem Rechtsgebiet Bankrecht & Kapitalmarktrecht

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