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Flug gestrichen – welche Rechte haben die Passagiere?

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Flug gestrichen – welche Rechte haben die Passagiere?
Viele Flugpassagiere, die in den letzten Monaten, Wochen und Tagen von einer Flugannulierung betroffen waren oder gerade betroffen sind, haben Anspruch auf Zahlung einer Entschädigung zwischen 250 und 600 Euro.

Flugannullierungen gehörten gerade gegen Ende des Jahres bei vielen Airlines zum Tagesgeschäft. Angefangen mit der Pleite von Air Berlin im August über bis zu 50 gestrichenen Flügen bei Ryanair täglich im September und Oktober bis hin zur aktuellen Streichung bei der insolventen Air-Berlin-Tochter Niki. Betroffene Passagiere haben aber eine Vielzahl unterschiedlicher Rechte, wenn Air Berlin, Ryanair, Niki und Co. Flüge canceln:

  • Flugpassagiere müssen von Ryanair, Air Berlin, Niki und Co. über die Streichung ihres Flugs informiert werden
  • Flugreisende können zwischen Rückerstattung des Ticketpreises und kostenloser Umbuchung wählen
  • Unter bestimmten Voraussetzungen haben Fluggäste Anspruch auf Zahlung einer Entschädigung zwischen 250 Euro und 600 Euro

Recht auf Information

Streicht eine europäische Fluggesellschaft wie Air Berlin, Ryanair oder Niki einen Flug, ist sie nach der europäischen Fluggastrechteverordnung verpflichtet, die auf den Flieger gebuchten Passagiere über die Annullierung ihres Flugs zu informieren. Die europäische Verordnung stellt in ihren Erwägungsgründen explizit klar, dass Fluggäste im Fall von gecancelten Flügen umfassend über die Annullierung sowie ihre Rechte informiert werden müssen, damit sie diese wirksam wahrnehmen können.

Es ist dabei Aufgabe der Airline, die den Flug gestrichen hat, sicherzustellen, dass betroffene Passagiere entsprechend informiert werden. Sie muss die Flugreisenden zwar nicht persönlich informieren, sondern kann auch Reiseportale oder Reisebüros in Kenntnis setzen. Das Risiko, dass die Information über die Flugannullierung nicht rechtzeitig beim Reisenden ankommt, muss sie dann aber selbst tragen. Dies hat der Europäische Gerichtshof in einer jüngeren Entscheidung (EuGH, Urteil v. 11.05.2017, Az.: C‑302/16) ausdrücklich klargestellt. Mehr zu dieser Entscheidung lesen Sie in unserem Rechtstipp „Dauerbrenner Fluggastrechteverordnung – EuGH stärkt mal wieder die Rechte der Fluggäste“

Wahl zwischen Rückerstattung oder Flugumbuchung

Fällt der Flug aus, kann der Fluggast selbst entscheiden, ob er einen anderen Flieger nehmen will oder auf die Reise verzichtet. Er kann deshalb von der Airline entweder verlangen, dass sie ihn auf einen anderen Flug bucht oder ihm den bereits gezahlten Flugpreis zurückerstattet.

Anspruch auf Zahlung einer Entschädigung

Zusätzlich zum Anspruch auf Rückerstattung des Flugpreises oder zur Umbuchung auf einen Ersatzflug können Flugreisende bei Streichung ihres Flugs Anspruch auf Zahlung einer entfernungsabhängigen Entschädigung zwischen 250 Euro und 600 Euro haben. Entscheidend dafür ist einerseits, wann sie von der Annullierung ihres Flugs erfahren haben und andererseits, wann der Ersatzflieger landet.

Fluggäste müssen 14 Tage vor geplanten Abflug informiert sein

Ein Anspruch auf die Ausgleichszahlung kommt immer dann in Betracht, wenn die Airline den Fluggast nicht rechtzeitig über die Flugannullierung informiert hat. Rechtzeitig bedeutet mindestens 14 Tage vor dem geplanten Abflug. Diese Frist war gerade bei den Annulierungen Ryanair oder Niki in vielen Fällen nicht gewahrt, sodass hier viele Passagiere prinzipiell einen Anspruch auf Zahlung der zusätzlichen Entschädigung haben. Die entsprechende Vorschrift ist so ausgestaltet, dass Flugreisende die Zahlung der Entschädigung immer verlangen können. Nur wenn die Airline nachweist, dass der Fluggast rechtzeitig über die Streichung des Flugs informiert war, entfällt der Anspruch.

Wann landet der Alternativflug?

Aber selbst wenn die Airline zu spät über die Streichung des Flugs informiert hat, ist die Entschädigung nicht in jedem Fall zu zahlen. Eine wichtige Rolle spielt hierbei unter anderem die Landung des Alternativflugs. Erfährt der Flugreisende 7 bis 14 Tage vor dem geplanten Abflug von der Annullierung und landet der angebotene Alternativflug über zwei Stunden vor bzw. vier Stunden nach dem annullierten Flug, steht dem Fluggast die Zahlung der Entschädigung zu. Erfährt der Fluggast weniger als 7 Tage vor dem geplanten Abflug von der Flugannullierung – was bei vielen betroffenen Ryanair-Kunden der Fall war bzw. aktuell bei vielen Niki-Passagieren der Fall ist –, gibt es die Entschädigung schon, wenn der Alternativflug über eine Stunde eher bzw. über zwei Stunden später landet. Es spielt hierbei keine Rolle, ob er den Alternativflug annimmt oder den Flug storniert, denn bei der Ausgleichszahlung handelt es sich um einen zusätzlichen Anspruch.

Knock-out-Kriterium „außergewöhnliche Umstände“

Häufig versuchen Fluggesellschaften geltend gemachte Entschädigungsforderungen mit der Begründung abzulehnen, dass ein „außergewöhnlicher Umstand“ Grund für die Annullierung gewesen wäre. Richtig ist hierbei zwar, dass die europäische Fluggastrechteverordnung die Airlines bei Vorliegen eines außergewöhnlichen Umstandes schützt und die Zahlung der Entschädigungszahlung für solche Ausnahmefälle ausschließt. Die Gerichte sind aber bei der Annahme eines außergewöhnlichen Umstandes sehr streng und lehnen den Einwand der Fluggesellschaften häufig ab. Es kann sich daher durchaus lohnen, seinen Entschädigungsanspruch mit anwaltlicher Hilfe einzufordern.

Da Ryanair mittlerweile eingestanden hat, dass personelle Fehlplanungen Ursache der zahlreichen Flugannullierungen waren, kann sich die Airline nicht auf den Ausnahmetatbestand „außergewöhnliche Umstände“ berufen. Die Tatsache, dass zahlreiche Piloten gezwungen worden sind, ihren Jahresurlaub in dieser Zeit zu nehmen, liegt allein im Verantwortungsbereich von Ryanair. Auch die Insolvenz von Air Berlin und Niki dürfte nicht als außergewöhnlicher Umstand durchgehen, sodass Flugpassagiere, deren Flug weniger als 14 Tage vor dem geplanten Abflug annulliert wurde, Anspruch auf Zahlung der Entschädigung haben können.

THE

Foto : fotolia.com/jumlongch


Rechtstipp vom 19.09.2017
Aktualisiert am 14.02.2018
aus der Themenwelt Flugausfall und Flugstornierung und dem Rechtsgebiet Reiserecht

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