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CFD Anleger für „dumm verkauft“

  • 7 Minuten Lesezeit

Konservative Verbraucher   „können nur den Kopf schütteln“, erfahren sie von anderen Verbrauchern, die doch tatsächlich auf Handelsplattformen im Internet die pauschal ein Totalverlustrisiko von ca. 70-80 % ausweisen Geld auf hochspekulative synthetische Derivatgeschäfte setzen. 

Sogenannte CFD Geschäfte, Differenzgeschäfte, bei welchem der Anleger auf einen bestimmten Kursverlauf eines bestimmten Basiswerts eine Wette abschließt.

Auch aus Sicht mancher Richter sind derartige Menschen gegebenenfalls von vornherein als wenig schutzwürdig einzustufen, wenn dann Geld verloren ging. Dies, da ja meist vom Trader nicht ernsthaft bestritten werden kann, dass man nicht von einem Totalverlustrisiko wusste. 

Die meisten Homepages der CFD Anbieter hatten in der Vergangenheit auf der ersten Seite einen  Hinweis auf das Totalverlustrisiko. Optisch aber manchmal etwas versteckt, sichtbar aber wenn man die Website herunter "scrollte". Hier erfolgte der Hinweis, dass die meisten CFD Trader ihr Geld verlieren. Dies meistens mit Angabe einer Prozentzahl 70- 80 %.

Diese Sichtweise mancher Richter und Mitmenschen ändert sich aber ggf. dann, wenn im konkreten Einzelfall aufgezeigt werden kann, dass der scheinbar in Kenntnis des Verlustrisikos, selbstverantwortlich handelnde „gut informierte Verbraucher“ tatsächlich nicht gut informiert war und Opfer eines intransparenten Geschäftsmodells und einer intransparenten Abrechnungspraxis geworden ist.

Jedwede Risikobeschönigung und jedwedes Verleiten zum Abschluss weiterer Geschäfte, jedwede Kostenvorteile die gewährt wurden erst Recht das Begleiten des Traders durch vorgebliche Marktanalysten ist Indiz für Pflichtverletzungen, die zur Folge hatten, dass der Trader davon ausging durch die Beratung oder Gewährung angeblicher Vorteile seine Chancen verbessern könnte. Dies ist nämlich bei näheren Hinsehen und analysieren der Geschäftsverbindung gerade eben nicht der Fall. 

Nicht selten verstecken sich Geschäftsmodelle bei CFD Anbietern, die schlichtweg als sittenwidrig schädigend zu bewerten sind. Dies, da – je nach Art der Kostenstruktur und Abrechnungspraxis – der Anleger, gerade bei einem vermehrten Handel nicht etwa Opfer eigener spekulativer Fehlerwartung wird, sondern wirtschaftliche Verluste schlichtweg darauf beruhen, dass die Berechnung von Kosten der Initiatoren die restlichen Gewinnchancen von 20-30 % vollständig aufzehren.  

Diese Risiken, die in dieser Art und Weise häufig genug nicht durch standardisierte Verlustrisikohinweise aufgezeigt werden sind aber häufig überwiegend kausal für wirtschaftliche Schäden. 

Dies gerade in denjenigen Fällen in welche im Rahmen eines Daytradings am besten noch als angebl. "professioneller Händler" sein Geld vernichtet. Dies ohne dies zu bemerken. Es handelt sich dann nicht um sogenannte "gut informierte Anleger", Verluste produzieren, weil die Wetten insgesamt hoch spekulativ sind. Es handelt sich um "gelehrige Kunden" die von angebotenen Produkten wie garantierte Stop-Loss Order oder die Höherstufung zum professionellen Trader vertraut hatten. Dies, weil mit diesen Produkten angeblich Vorteile zu Gunsten der Trader ermöglicht sind. 

Noch übler betreiben manche Broker auf Zypern das Geschäft, indem vorgebliche Berater den Kunden "die Hand führen" erklären, wie und welche Markttrends bestehen und auf welche Basiswerte in welchem Umfang zu setzten ist. Dies ist dann aktives Verleiten und führt zu Ansprüchen auf Schadensersatz.

Der CFD Markt findet außerhalb einer überwachten Börse statt. Er ist wirtschaftlicher Sekundärmarkt,. Entweder ist der Betreiber der Handelsplattform, oder aber ein Marketmaker, an welchen der Betreiber der Homepage vermittelt, direkter Wettgegner des CFD Traders. 

Die Preisbildung erfolgt bei Kauf des CFD und Verkauf also durch den Wettgegner in Anlehnung an Börsenkurse festgesetzt. Eine Interssenkollision, die in dieser Art dem Trader der häufig der Fehlvorstellung unterliegt Wertpapiergeschäfte an einer Börse zu tätigen nicht erkennt. Wenig hilfreich nicht aussagekräftige Hinweise in AGB, die der Trader, weil nicht hervorgehoben ohnehin nicht findet. 

Wenig hilfreich ist also die Angabe von Tatsachen, die der Anleger findet, nämlich dass ein bestimmter Prozentsatz von Anlegern Totalverlust erleiden zwar egal ob es 60 , 70, 80 % der Kunden eine Handels Plattform sind. Dies wenn die Geschäfts- u. Abrechnungspraxis im Einzelfall erkennen lässt, dass gar keine Chancen mehr bestanden hatten die zu 40, 30 oder 20 % Gewinne zu erwirtschaften, also von vorneherein der Totalverlust drohte.

Diese Aussage, dass ein Totalverlustrisiko zu 80 % besteht, hat nämlich für den einzelnen Verbraucher der meint als CFD Händler, Einkünfte zu erzielen keine Bedeutung. Je nachdem in welcher Art und Weise er Handel betreibt, ob er durch Nutzung von Kostenvorteilen zu Traden unzähliger Positionen überging oder meinte vermehrten Handel aufgrund vermeintlich sicherer, garantierter Stop-Loss Order vermehrt Handel treiben zu können. 

So werden Verbraucher, die CFD Handel betreiben, werden nicht selten bestätigen, dass es zu Beginn Geschäftsbeziehung im Fall des Handelns einzelner Postionen hohe Gewinne erzielt zu haben. Als den CFD Initiatoren noch erlaubt war CFD mit hohen Hebel anzubieten ohne weiteres Chancen von bis zu 300 %.  Da stets nur ein Bruchteil des eigentlichen Preises als Sicherheitsleistung (Margin) zu hinterlegen ist, also ein vielfaches gehandelt und gewonnen werden kann. Dies, wenn der erhoffte Kursverlauf eintritt. Passiert das Gegenteil, wirkt der Hebel dann gegen den Anleger dessen Verlustrisiko über die erfolgte Sicherheitsleistung hinaus unbegrenzt wäre. Dies, wäre die sogeannten Nachschusspflicht nicht durch die Finanzaufsicht verboten worden. 

Gerade aber die Fortsetzung der Handelsgeschäfte, in der Annahme des Verbrauchers die richtige Handelstechnik gefunden zu haben und mit einer großen Anzahl von Trades mehr Gewinne erzielen zu können, ist nach der Praxiserfahrung meiner Kanzlei ursächlich für enorme wirtschaftliche Schäden. 

Diese Erwartungshaltung Gewinne erzielen zu können, falls vermehrt Handelsgeschäfte betrieben werden ist die Grundlage des Suchtpotenzials der synthetischen CFD Geschäfte, welche auch den Initiatoren der Handelsplattformen bekannt sind.

Diese Erwartungshaltung ist aber ein Irrtum, der ggf. im Einzelfall darauf beruht, dass der Verbraucher anfallende Kosten unterschätzt und auch nicht über diejenigen Informationen verfügt, die ihn überhaupt erkennen lassen, was alles an Kosten in Form von Produktkosten, Dienstleistungskosten, Spread-Kosten, Währungskosten, Haltekosten, Übernachtfinanzierung, berechnet wird.

Die meisten Anleger, die nicht Klarheit über die Kostenstrukturen gewonnen haben, betreiben nach meiner Praxiserfahrung früher oder später unzählige Tradings und erleiden hohe wirtschaftliche Verluste. Ursache für die Verluste ist dann, dass die Kosten der Trades die zu hinterlegende Sicherheitsleistung aufgebraucht haben und die große Anzahl von Trades lediglich ein paar Sekunden existiert bevor eine Zwangsschließung der Positionen erfolgt.

Gefordert werden müsste also ein Risikohinweis, der exakt diese Gefahr den einzelnen Anleger erkennen lässt.

Nach dem Aufsichtsrecht bestehen hohe Anforderungen an Transparenz und Absicherung der Kunden. Die öffentlich rechtlichen Vorschriften sollen aber nach der Rechtsprechung des BGH nicht drittschützende Normen sein, auf der anderen Seite der BGH auch die These aufstellt, dass der Verbraucher sich auf die „tragenden Grundprinzipien des Aufsichtsrechts vertrauen kann.“

Frage ich Anleger weshalb sie verloren haben und was die Ursache ihrer wirtschaftlichen Verluste waren, können sie sich dies häufig nicht erklären. Das unerwartete Schließen von Positionen führt nicht selten zu Rückfragen des Anleger beim Anleger. Diesem wird dann nicht selten erklärt, dass alles in Ordnung ist. Er solle doch als professioneller Trader weitermachen, dann würden die Verluste wieder „reingeholt“, da ja ein größerer Hebel die Gewinnchancen erhöht.

Ich stelle mir „gut informierte Anleger“ anders vor.

Im Rahmen dieser Werbebemühungen der Initiatoren der Handelsplattformen finden sich zum Teil Angebote besondere Kontomodelle zu nutzen oder sich als „professioneller Händler“ einstufen zu lassen, um von Kostenvorteilen zu profitieren. Die Gewährung von Kostenvorteilen ist aber aufsichtsrechtlich untersagt. Es werden ferner (zum Teil) sogenannte garantierte Stop-loss Order angeboten um angeblich Verlustrisiken zu Gunsten des Anlegers effizient zu beschränken. Dabei führen diese Order zu zusätzlichen Kosten die zum Teil bei geringeren Kapitaleinsatz einen weit größere Anzahl an Trades gestatten. Dies alles verstehe ich als ein Verleiten, weil kein Sinn dahinter steht, diese Produkte zu kaufen, wenn nicht tatsächlich gleichzeitig vor Risiko-Szenarien gewarnt wird, die mit der Anschaffung und dem Einsatz dieser „Hilfsmittel“ zusammenhängen.

Die gleichzeitig angegebenen Preis und Leistungsverzeichnisse der Anbieter verstärken den Eindruck dass man bei einer besonders günstigen Handelsplattformen Kunde geworden ist.

Nach meiner Einschätzung sind diese Versprechungen der Anbieter sehr kritisch zu hinterfragen. Vielfach betreiben Verbraucher nach und nach mehr und mehr Handelsgeschäfte, obwohl dies nicht ursprünglich von Ihnen beabsichtigt war. Nicht selten resultieren dann, für den Verbraucher in Einzelfällen nicht vorhersehbar tatsächlich wirtschaftliche Verluste, da nicht einmal mehr ein oder 2 % Gewinnchancen für Sie bestanden haben. Grund hierfür: intransparente Kostenentwicklungen, die nicht vorhergesehen werden konnten.

Mein Tipp: Wehren Sie sich, wenn man Sie für dumm verkauft hat. Fordern Sie eine Kostenaufstellung vom Betreiber der Handelsplattform an und dann werden Sie selbst sehen, ob dieser Forderung nachgekommen wird, oder aber Anzeigen zur Finanzaufsicht und eine eigene Analyse der Geschäftsbeziehung erst offenbart wie Ihre Verluste erwirtschaftet wurden.

Foto(s): Martin Haas


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