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Facto Financial Services AG : Modell "Aus Altpapier Geld machen" floppt

Rechtstipp vom 02.08.2018
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Rechtstipp vom 02.08.2018
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Das Amtsgericht München hat der Facto Financial Services AG nach Informationen des Unternehmens die Eigenverantwortung in der Insolvenz zugestanden und dem angeschlagenen Unternehmen damit einen weitreichenden Gläubigerschutz eingeräumt.

Die Facto Financial Services AG hat in mehreren Modellen Rückabwicklungen von Lebensversicherungen angeboten und dabei eng mit Rechtsanwaltskanzleien zusammengearbeitet, die nach der Aufbereitung der Daten mit der juristischen Abarbeitung der Rückabwicklungen beauftragt wurden. Ein US-amerikanischer Hedgefonds soll Millionenbeträge zum Aufkauf von Verträgen zur Verfügung gestellt haben – Verträge, die ganz so einfach nicht mehr rückabwickelbar sind.

Die Facto hat für jeden Kunden ein passendes Paket. Ob mit Rechtsschutz oder ohne, ob mit einer Selbstbeteiligung und durch Abtretung der Rechte – letzten Endes geht es um Daten und Verträge, die dem Unternehmen über ein sehr funktionales Vertriebssystem zugespielt wurden. Dazu wurden Versicherungsmakler rekrutiert, die schnell hohe Provision und sogar Prämienvorschüsse in 5-stelliger Höhe erhielten, damit der Zufluss an neuem Altpapier nicht endete – gemäß der Strategie "aus Altpapier Geld machen" – wie es ein Werbespruch des Unternehmens gut auf den Punkt bringt.

Für Rechtsanwalt Dr. Gerrit Hartung, der als Partner bei MBK Rechtsanwälte in Mönchengladbach für das Thema "Bank- und Kapitalmarktrecht" verantwortlich ist, bleiben jetzt viele Fragen offen. Der erfahrene Jurist empfiehlt Kunden der Facto Financial Services AG, sich zeitnah einen Überblick über den jeweiligen Status der Rückabwicklung zu machen und unter Umständen juristisch prüfen zu lassen, welche Möglichkeiten der Schadensbegrenzung es gibt.

Der Jurist rät aber auch, realistisch zu bleiben und nicht gleich den nächsten Versprechen auf den Leim zu gehen: "Jeder Versuch, Lebensversicherungen als Massengeschäft nach standardisierten Vorgaben abzuarbeiten muss scheitern, da vor Gericht kaum noch ein Verfahren glatt durchgeht."

Die Rückabwicklung einer Lebensversicherung ist längst nicht mehr so einfach, wie Facto das in den Werbeveranstaltungen vollmundig versprochen hat. Dass es deutlich schwieriger geworden ist aus Altpapier Geld zu machen ist nun offensichtlich Grund für die Beantragung des Gläubigerschutzes. Hartung: "Die Rückabwicklung von Versicherungsverträgen ist leider kein Massengeschäft – jeder Vertrag ist einzeln und in aufwändiger juristischer Aufarbeitung zu bewerten."


Rechtstipp aus der Themenwelt Kündigung der Versicherung und den Rechtsgebieten Bankrecht & Kapitalmarktrecht, Insolvenzrecht

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