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Kommt nach Dieselgate ein Holzofengate ? - Teil 4

  • 14 Minuten Lesezeit

Die Reaktion aus Behörden und Politik - mögliche Sofortmaßnahmen zur Abhilfe

Nachdem Regierungen und Behörden dem immer weiter ansteigenden Feinstaub- und Schadstoffausstoß durch Holzöfen und Pelletheizungen mit geradezu „eisigem“ Schweigen zugesehen haben und jegliche Beschwerden und Empfehlungen aus der Wissenschaft und Umweltverbänden ignoriert haben, meldete sich am 10. Februar 2022 der Präsident des Umweltbundesamts im Rahmen seiner routinemäßigen Pressekonferenz mit überraschend klaren Worten zu Wort (Bericht taz). Entsprechend der von seiner Behörde festgestellten Verschmutzung durch Holzheizungen empfahl er, auf Holzverbrennung ganz zu verzichten. Das galt also auch für die angeblich „sauberen“ Pelletheizungen, die tatsächlich gegenüber Gasheizungen immer noch die xfache Menge an Feinstaub und Schadgasen ausstoßen. So sollen die von der WHO empfohlenen Immissionswerte zum Gesundheitsschutz erreicht werden, die auf den neuen Erkenntnissen zur Gesundheitsschädigung durch Feinstaub beruhen.

Prof. Dr. Achim  Dittler (KIT Karlsruhe) fasste zuletzt nochmals die absehbaren Gesundheitsgefahren durch Feinstaub, aber auch die leider oft übersehenen Schadgase aus Holzheizungen, die auch in massiver Konzentration ausgestoßen werden, für die Wirtschaftswoche in einem Interview zusammen.

Das Umweltbundesamt bestätigte auch nochmals die Erkenntnis, dass mit Holzverbrennung zwischenzeitlich die weitaus größte Menge an Feinstaub ausgestoßen wird. Selbst die Menge des in der Statistik erfassten, verkauftem Brennholzes und der Holzpellets hat den Ausstoß durch den Straßenverkehr aus Bremsen- und Reifenabrieb sowie Abgasen schon erreicht. Hinzu kommt aber noch die nicht registrierte, aber dennoch umfangreiche Verbrennung aus Eigenholz, von Grundstücksbesitzenden, zur "Entsorgung" verschenktem oder „ohne Rechnung privat“ verkauftem Brenn- und Altholz und der Emissionen aus der illegalen Verbrennung von Sperrmüll (Möbel, Holzpaletten) oder Altpapier.

Wird chemisch behandeltes Altholz im Ofen verbrannt, verdampfen und verbrennen zusätzlich die Chemikalien der Holzschutzmittel. Es kann gemäß Expertenwarnung unter anderem auch unbemerkt schwerwiegend gesundheits-schädliches Dioxin, das mit seinen tödlichen Auswirkungen und auch in Kleinstmengen verheerenden Langzeitfolgen durch die Industriekatastrophe im italienischen Ort Seveso bekannt gewordene und für jede Produktion verbotene Gift freigesetzt werden. Infolge Holzmangel ist zu befürchten, dass auch die Belastung mit unmittelbar wirksamen Atemgiften aus der Verbrennung von zu nassem und chemiebehandeltem Abfall (wie auch Papierprodukten) jeglicher Art zunehmen wird. 

Die infolge Dieselgate durchgesetzten Messstationen an Durchgangsstraßen muten geradezu absurd an, bedenkt man die Intensität der Immissionen in Wohngebieten, unmittelbar an den Orten, wo Betroffene die meiste Zeit des Winters verbringen und insbesondere auch in gesunder Luft schlafen wollen. 

So ist die direkte und dauerhafte Einwirkung von Feinstaub und Schadgasen auf Menschen in Wohngebieten nicht mit der Belastung an Durchgangsstraßen zur Rush-Hour vergleichbar und übersteigt in den gesundheitlichen Auswirkungen bei regelmäßiger Belastung das Kettenrauchen von Zigaretten deutlich. An den Durchgangsstraße sind meist nur Büros und keine Wohnungen. Menschen halten sich dort also nicht dauerhaft auf und hätten im Übrigen zumindest zur Nachtzeit die Möglichkeit zu lüften – nicht so bei einer allabendlichen Zwangsräucherung durch die mit staatlichem Support holzverbrennenden Nachbarn. Verwaltungen lehnen Messungen in der Regel mit der Begründung ab, dass die gesetzlichen Grenzwerte der I. Bundesimmisionsschutzverordnung für Feinstaub aus Holzfeuerungen nach Jahresmittelwerten nicht erreicht würden. 
Sicherlich werden dies gesetzlichen Vorgaben den in der Forschung neu festgestellten, teils irreversiblen Schäden insbesondere für Kinder nicht gerecht. Dennoch haben Verwaltungen die Verpflichtung, die Betroffenen zumindest vor einem regelmäßigen Betrieb von Luxus-Holzöfen ohne Staubabscheider und Katalysator zu schützen. 

Ohne einschneidende Gesetzesänderungen sowohl bei Betriebseinschränkungen wie einer Gesamtreduktion der auch klimaschädlichen Holzverbrennung wird ein effektiver Immissionsschutz nicht erreichbar sein.
Auf diese zwingend logische Bewertung des Skandals weisen führende Experten wie Prof. Dr. Dittler (KIT Karlsruhe) und das Leibnitz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) berechtigt hin, nachdem sie die Dimension der Immissionen, die Folgen für das Leben in den Wohngebieten der Peripherie und deren Zunahme seit mehreren Jahren schon messen und beanstanden. Beide begrüßten die schon lange geforderte Berücksichtigung durch das Umweltbundesamt.

TROPOS hielt insbesondere auch zur Luftverschmutzung durch Holzheizungen am 15.02.2022 eine Tagung mit Wissenschaftlern der Uni Rostock ab,  in der die Auswirkungen von Holzverbrennung im Haus und über Gartenfeuer als "hochproblematisch" eingestuft wurden und über Erkenntnisse zur Wirkung der Schadgase auf die menschliche DNA berichtet wurde. 

Experten gingen schon 2019 davon aus, dass Feinstaub für bis zu 60.000 vorzeitige Todesfälle in Deutschland verantwortlich ist – und Holzöfen als stark wachsende Quelle waren da schon längst bekannt, wie die taz berichtete.

Da keine Messungen in Wohngebieten  außerhalb der Innenstädte durchgeführt werden, kann der Ausstoß aus der Verbrennung von Altholz und selbstgeschlagenem Holz von privater Waldbesitzer nur geschätzt werden. 

Regierungen, Behörden und Verbraucherzentrale auf dem Holzweg

Das jahrelange, kalte Schweigen des Bundeswirtschaftsministeriums und des Bundesumweltministeriums zu der oft unerträglichen Luftverpestung mit fortlaufender, stark zunehmender Intensivbelastung in Wohngebieten zu Abend- und Nachtstunden erklärt sich mit der lobbyhörigen, massiven Bezuschussung von Holzheizungen unter dem Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und den ihm folgenden Landesregierungen, sowie mit Profitinteressen der Länder aus dem Brennholzverkauf.

Dabei ist den Regierungen die Problematik stark zunehmender Luftverschmutzung durch Holzverbrennung jedenfalls seit der umfassenden Bestandsaufnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina im Jahr 2019 mit dem Titel Saubere Luft Stickstoffoxide und Feinstaub in der Atemluft: Grundlagen und Empfehlungen  dort insbesondere Ziff. 3 "Gesundheitseffekte" bestens bekannt. Unter Ziff. 6 der Veröffentlichung (Kasten 6.4) werden auch konkrete Maßnahmen zur Eindämmung des Schadstoffausstoßes aus Holzheizungen empfohlen.  Auch der auch als TV-Meteorloge bekannte Journalist, Gründer eines meteorlogischen Wetterinformationsdienstes und TV-Moderator Jörg Kachelmann warnt seit Jahren über den Kurznachrichtendienst Twitter und in einem ebenfalls 2019 veröffentlichten Fachartikel vor der in jeder Hinsicht schädlichen Nutzung von Holz als Brennstoff. 

In Reaktion auf die Empfehlungen des Umweltbundesamts forderte die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag dementsprechend mit dem sachfremden Verweis auf insgesamt sinkende Emissionen jetzt sachfremd sogar ein „weiter so“ beim Betrieb von Holzöfen und der zunehmenden Luftverschmutzung. 

Dies ignoriert nicht nur die unvollständige Erfassung der Emissionen aus selbst erzeugtem Brennholz, Altholz und illegaler Müllverbrennung (s.o.) und die Intensität der konzentrierten Immissionen in Wohngebieten, sondern auch den generellen Vorrang des Gesundheitsschutzes der Bürger/innen und der Lebensqualität durch saubere Atemluft. Dabei erzeugen Millionen überflüssiger Atmosphären-Luxusöfen den größten Teil der Luftverschmutzung. Nicht einmal der besondere Schutzbedarf chronisch Kranker und die Gefahr einer dauerhaften Schädigung von Kindern durch den „Passivrauch“ aus Ofen und Schornstein wird berücksichtigt, während sich auf jeder Zigarettenpackung Warnhinweise befinden.

Den Preis für diese verfehlte, nur die Einnahmen der teils staatseigenen Forstbetriebe und der Lobby für Holzöfen, Brennholz und Holzpellets berücksichtigenden Politik sowie die Lügen der Lobby für Holzverbrennung und irreführende Werbung der Hersteller von Holzheizungen dürfen am Ende nicht Bürgerinnen und Bürger, insbesondere Kinder mit ihrer Gesundheit bezahlen, nur damit die Profite des Fiskus, der Holzofenindustrie und der Holzwirtschaft gesichert bleiben.

Dass nicht die bereits verfügbare klimaneutrale Technik aus der Nutzung von Geothermie mit Wärmepumpen viel höher anstelle einer Rückentwicklung in das holzverbrennende Mittelalter massiv gefördert und weiterentwickelt wird, hängt zudem mit der Behinderung des dafür nötigen Windkraft- und Solarausbaus bei gleichzeitigem Atomausstieg zusammen. So wird statt der zukunftsweisenden Verdreifachung der mit Wärmepumpen eingesetzten Primärenergie die ineffizienteste Energienutzung aus Holz gefördert. Wie wir in Teil 2 der Artikelserie dargestellt haben, wurden sogar Kohlekraftwerke auf Holz als noch klima- und umweltschädlicheren Energieträger mit Förderung aus Steuergeldern umgestellt. Und selbst dies scheiterte schlicht daran, dass die entscheidenden Nachteile des zur Energienutzung schlicht ungeeigneten Pflanzenmaterials auch massive Zuschüsse und Steuererleichterungen nicht ausgleichen können. 

Lobbylügen und Verharmlosung von Risiken anstelle von Verbraucherschutz

Die intensiven Lobbyaktivitäten und staatliche Förderung führte in der Folge sogar zu absonderlichen Empfehlungen durch die Verbraucherzentrale, die nach wie vor die krebserregende und Organe bei Kindern dauerhaft schädigende wie Herz-Kreislauferkrankungen verursachende, mittelalterliche Heiztechnik mit der Überschrift "Kaminöfen – so nutzen Sie Ihren Kaminofen umweltfreundlich" verantwortungslos verharmlost

Zwar spricht die Verbraucherzentrale immerhin den insbesondere auch gegenüber Gasverbrennung immensen Feinstaubausstoß an und warnt vor illegaler Müllverbrennung, jedoch ohne die wissenschaftlich nachgewiesenen Folgen für die Gesundheit der Bewohnenden und Nachbarn klar zu bezeichnen. Auch ist die Überschrift "schadstoffarm und sparsam" grob irreführend. Es gibt derzeit keine marktgängige Technik, die Abgase und Feinstaub aus Holzheizungen so filtern lässt, dass sie z.B. mit den Abgasen moderner Diesel-LKW vergleichbar wäre. Was dieselben Organisationen, wie auch die Umwelthilfe an Durchgangsstraßen mit den meist anliegenden Büro- und Gewerbeobjekten als schädlich brandmarkten, soll jetzt - in der mengenmäßigen Potenz und ohne jede Abgasreinigung - im Wohn- und Schlafzimmer nicht mehr stören.

Nach wie vor wird in besonders befremdlicher Weise sogar mit Steuergeld des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) über einen "Projektträger" aktive Verharmlosung betrieben und wissenschaftsfremder, klimaleugnender Fake verbreitet, indem die "Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V." die klaren und selbsterklärend-logischen Aussagen der Klimawissenschaft, wie des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung in Frage stellt. Prof. Dr. Wolfgang Lucht hatte für einen Beitrag des ARD Ratgebermagazins "Plusminus" die wissenschaftlichen Fakten zusammengefasst. 

 Insbesondere sind die wissenschaftlich nachgewiesenen, irreversibel entwicklungsstörenden Auswirkungen auf Kinder, die sich mehr als Erwachsene im Freien aufhalten und bei Spielen Holzrauch geradezu inhalieren, gravierend. Babys sollten niemals Holzrauch genau wie Zigarettenrauch ausgesetzt sein. Einzelheiten finden Sie in Teil 1 der Artikelserie und der zugehörigen Quellensammlung.

Zudem werden Öfen mit "Blauem Engel", also Staubabscheider oder Nachverbrennung empfohlen, obwohl diese immer noch die xfache Menge an Feinstaub im Vergleich mit einer Gasheizung ausstoßen. Schadgase werden bei diesen Öfen in keiner Weise gereinigt, weil dafür - von Fahrzeugen bekannt - Katalysatoren erforderlich wären. 

1:1 zu den Aussagen der Lobby wird auch deren wissenschaftlich längst als logischer Fehler nachgebeteter Klima-Fake zu Holzverbrennung artig nachgebetet: Beim Heizen mit Holz wird nur so viel Kohlenstoffdioxid freigesetzt, wie der Baum während seines Wachstums aus der Luft aufgenommen hat. Somit gilt das Heizen mit Holz als besonders CO2-neutrale Alternative.“

Bekanntlich wird bei Holzverbrennung zur Energienutzung die größte Menge an CO2 von allen bekannten Brennstoffen ausgestoßen. Die Wissenschaft geht sogar von einem mehrfachen Ausstoß wegen hohem Anfall für die Gewinnung des Rohstoffs und die ökologischen Auswirkungen aus. Dazu befasst sich der fortlaufend ergänzte Teil 2 dieser Artikelserie mit der zugehörigen Quellensammlung.

Leider hat die Verbraucherzentrale ihre irreführenden Angaben auch auf unseren Hinweis bislang nicht korrigiert.

Ja womit sollen wir denn dann heizen wenn nicht frieren?

Die Ergebnisse der gezielten Irreführung zeigen sich an dieser Trotzreaktion, die nur das Ergebnis fehlender Aufklärung über rationelle Heizmethoden und gezielter staatlicher wie lobbygetriebener Irreführung durch den Einzelhandel ist. 

Dabei nutzen schon viele mit erfreulich niedrigen Wartungs- und Betriebskosten moderne Geothermie-Heizungen (Wärmepumpen) in Kombination mit Solaranlagen. Zudem wäre es zur weiteren Kostenreduktion ohne zusätzlichen Aufwand jederzeit möglich, verfügbaren Überschussstrom kostenfrei zur Verfügung zu stellen anstatt Windkraftanlagen abzuschalten. Die Kombination mit Strom- und Wärmespeichern kann dann den Kostennachteil zusätzlich ausgleichen, der sich hierzulande nur aus dem im Vergleich teuren Strom und Bürokratisierung der Eigenerzeugung aus Dach-Solaranlagen ergibt. Es ist zudem möglich, Sonnenwärme für ganze Ortschaften über Monate unterirdisch zum Heizen im Winter zu speichern.  

Anstatt mit Millionenzuschüssen eine klima- und naturschädliche Steinzeittechnologie hoch zu bezuschussen und damit auch eine Lebensgrundlagen zerstörende und irreführende Lobby mit heranzuzüchten, müssen die Steuermittel in tatsächlich klimaneutrale Technik investiert werden. Diese gibt es längst. Mit Großwärmepumpen in Kombination mit Speichern und optimal mit Abwärmenutzung aus Kühlhäusern oder Garagen  könnten auch große Mietshäuser klimaneutral und sauber mit Wärme versorgt werden.
Statt dessen werden Verbraucher/innen alleine gelassen. Wer in einer Mietwohnung lebt, zahlt existenzbedrohliche Preise wegen fehlender Investitionen der Vermietungsgesellschaften, die nach wie vor fast alle Verbrauchskosten auf die Betroffenen abwälzen können - fortgesetzte Blockade von Innovation anstelle einer echten Energiewende.  

Unzureichende Maßnahmen zum Gesundheitsschutz 

Die einzige Maßnahme, zu der sich die Regierungen zuletzt durchringen konnten, war die Vorgabe höherer Kamine für Neuanlagen. Nach Bewertung der Experten von Verbänden und aus der Wissenschaft ist diese Maßnahme jedoch untauglich. Rauchimmissionen werden nicht verhindert, sondern bestenfalls stärker verteilt. Bei Windstille oder Inversionslage, genau wie permanent in Hanglagen kann der Rauch genau so konzentriert in umliegende Bodenlagen und Wohnräume gelangen. Diese häufig auf Fotos dokumentierten Immissionen kann man jederzeit selbst beobachten. Es handelt sich hier also nur um einen weitgehend wirkungslosen Placebo anstelle von Problemlösungen.

Keine Investitionssicherheit für neue Holzheizungen - Notwendigkeit effektiver Gegenmaßnahmen

Klar ist, dass Maßnahmen zur Begrenzung weiterer Anlagen oder deren Regulierung an der allein wegen der bestehenden Gesundheitsgefährdung unzumutbaren Situation der rechtlichen wie verfassungsrechtlichen Verpflichtung nicht gerecht wird. Nicht zuletzt die Warnungen und Empfehlungen der obersten Umweltbehörde wie der Gesundheitsforschung werden absehbar zu einem Richtungswechsel der bisher grob klimaschädlichen und gesundheitsgefährdenden Politik der Bundesregierung und der Landesregierungen führen müssen. Die zuletzt wieder durch das Umweltbundesamt aufgeschreckte Lobby konnte gegen die umfassend begründeten Feststellungen der Behörden und Empfehlungen der Wissenschaft erneut keinerlei nachvollziehbare Sachargumente vorbringen.

Wie in Teil 2 des Ratgeber dargestellt, haben die derzeitige Bundesumweltministerin wie der Bundeswirtschaftsminister selbst gefordert, eine weitere Plünderung der schon geschädigten Wälder zu beenden, der gerade durch den Ausverkauf durch staatliche Forstbehörden zur gleichzeitig aktiv beworbenen Holzverbrennung nach wie vor befördert wird. Zudem wurde das Ende der Holzverbrennung in Kraftwerken gefordert, die derzeit allerdings durch die Verbrennung in Millionen Holzöfen mengenmäßig in den Schatten gestellt wird. 

Dennoch zeigen sich Regierungen und Behörden zu effektiven Maßnahmen immer noch ahnungslos und verweisen - wie üblich - auf andere Stellen. Der Redakteur Malte Kreutzfeldt berichtete und recherchierte auf die neuen Empfehlungen des Umweltbundesamts für die taz auch nach geplanten Abhilfemaßnahmen und einem grundlegenden Richtungswechsel der Energiepolitik. Das Umweltbundesamt erklärte auf seine Nachfrage, dass Maßnahmen zur Verringerung der Immissionen noch nicht geplant wurden. Wenn sich die Behörde keinen noch umfassenderen Skandal als mit Dieselgate leisten will, müsste sie sehr schnell mit konkreten Forderungen nachlegen. Das Bundesumweltministerium verwies auf die Anfrage der taz mit der für die Bundesregierung bekannten Zuständigkeitsausrede auf die EU-Kommission, für deren unzureichende Grenzwerte man selbst über Jahre eintrat. 

Aber auch diese hohlen Ausreden werden angesichts der realen Möglichkeiten der Regierungen, die jahrelange Lobbypolitik mit Sofortmaßnahmen zumindest teilweise zu korrigieren, keinen Bestand haben. So drängen sich viele sofort umsetzbare Maßnahmen auf, um die sachwidrige, direkte und indirekte Subventionierung und Bevorzugung von maximal ineffizienter Holzverbrennung gegenüber anderen Energieträgern, insbesondere der tatsächlich klimaneutralen Nutzung von Geothermie mit Solarstrom und Windkraft zu beenden.  

Unter anderem sind als mögliche Sofortmaßnahmen zur Emissionsminderung aus Holzverbrennung in Wohngebieten folgende effektive Korrekturen durch deutsche Regierungen möglich und daher auch unmittelbar zu fordern:

  1. Anhebung der aktuell sachfremd und klimaschädlich reduzierten Umsatzsteuer für Brennholz und Holzpellets von 7% auf 19% wie bei anderen Brennstoffen;
  2. Volle CO2-Besteuerung entsprechend dem erhöhten CO2-Ausstoß, also mind. 60% mehr als bei Erdgas pro erzeugte Sekundärenergie und Energiesteuer, bis zu 3fach gemäß den Erkenntnissen der Klimawissenschaft. Dazu Meldepflicht und Erfassung für privat geschlagenes und verbranntes Holz; Auch ein zusätzlicher Ausgleich mit einer Abgabe für die Beeinträchtigung der Waldgebiete wegen der dort fehlenden, verbrannten Biomasse ist sowohl denkbar wie angemessen;
  3. Unabhängige Kontrolle jeder Holzheizung und jedes Luxus-Holzofens durch eine neutrale Überwachungsstelle mit jährlicher Dokumentation, also ein jährlicher "Holzofen-TÜV" - Abgasuntersuchung, statt einer unzureichenden "Nachschau" durch regelmäßig für Holzöfen werbende, weil selbst profitierende „Schornsteinfeger“. Zahlreiche Kaminbrände und Fälle von nicht geahndeter Müllverbrennung deuten auch für Experten darauf hin, dass die jetzige "Kontrolle" schlicht versagt; Dazu kann ein Abgleich von Ablagerungen im Kamin mit Belegen oder Meldedaten zur verbrannten Holzmenge oder Einbau einer automatischen Betriebserfassung (Sensoren) in allen Holzöfen mit Ablesung durch die Kontrollstelle eingeführt werden;
  4. Einführung von Realemissionsgrenzwerten für alle Holzfeuerungen und dauerhafte Überprüfung (analog Fahrzeuge);*
  5. Überarbeitung der 1. BImSchV - Sicherstellung der Einhaltung der Real-Emissionen und sichere Rauchgas-Ableitung auch im Bestand zur sicheren Vermeidung von Gesundheitsschäden gemäß den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Empfehlungen;*
  6. Dauermessungen Luftqualität in allen Wohngebieten mit Holzverbrennung anstelle der unwichtigeren Messungen an Durchgangsstraßen, auch in ländlichen Gebieten (Fokus Ruß, Kohlenmonoxyd, VOC (PAK, Aldehyde). Hierzu können mobile Stationen in den Städten auch (zeitweise - für den Winter) umgesetzt werden, falls es an Anlagen mangelt;*
  7. Ohne Verwaltungsermessen verpflichtend anzuordnendes Betriebsverbot bei unmittelbarer Gefährdung chronisch Kranker in der von Immissionen unmittelbar betroffenen Nachbarschaft (wie bei Asthma und anderen Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen) für den Betrieb von Holzheizungen ohne effektiven Staubfilter (nicht Abscheider) und Katalysator für Schadgase wie NOx, sowie für alle Luxuskamine (Einzelraumfeuerungen);
  8. Verstärkte Sicherheitskontrolle bei Pelletheizungen (TÜV) infolge der überdurchschnittlichen Brandereignisse und verpflichtende CO-Warneinrichtungen bzw. Dauerlüftung im Pelletlager;
  9. Dauerhafte Betriebsuntersagung bei Umweltvergehen wie Müllverbrennung oder Verbrennung von Alt- und Nassholz in den Holzöfen;
  10. Verpflichtende Nachrüstung von Staubabscheidern und Katalysatoren / Abgasverbrennung für alle Holzheizungen als Voraussetzung eines weiteren regelmäßigen Betriebs sowie für Einzelraumfeuerungen als Voraussetzung jeglichen Betriebs; 
  11. Festlegung von Alarmgrenzwerten gemäß wissenschaftlich ermittelter Höchstwerte mit Ausschluss einer Gesundheitsgefährdung gemäß den Empfehlungen der WHO. Bei (wegen Wetterlage absehbarer) Überschreitung: Sofortverbot des Betriebs aller Einzelraumfeuerungen (Luxusöfen);
  12. Durchgehendes Verbot offener Holzfeuer in Wohngebieten, wie sie in Feuerkörben und natur-, arten- wie klimaschädlicher Verbrennung von Schnittgut und Laub anstelle der überall möglichen Kompostierung leider noch erlaubt sind.

*gemäß dankenswerter Empfehlung und Bearbeitung von Prof. Dr. Achim Dittler, Institutsleiter, Partikelforschung des KIT Karlsruhe.

Diese einfachen Möglichkeiten sind klarzustellen, wenn Lobby und die ihr hörigen Parteien jetzt dazu aufrufen, zum Nutzen weniger und zum Schaden vieler weiter in die falsche Richtung zu laufen, damit alle, die ihr dahin trotz Warnungen der Wissenschaft irrig gefolgt sind, nicht umsonst gelaufen sind.

Derartige Forderungen, alle Probleme einfach zu ignorieren, wie sie aber oben zitiert auch aus den Parlamenten zu hören sind, kann man angesichts der Fakten nur als verantwortungslos bewerten. Parlamentsmehrheit und Regierungen können sich angesichts ihres Verfassungsauftrags mit der Verpflichtung zum Allgemeinwohl solchen Forderungen nach weiterer Ignoranz nicht anschließen, sondern müssen sofort handeln, wenn sie keinen vielfach schwerwiegenderen Skandal zu ihrem Nachteil verursachen wollen. Wer einen völlig sinnlos für Luxus-Pyromanie erhöhten oder überhaupt verursachten CO2-Ausstoß befürwortet, sollte das Wort Klimaschutz zudem besser gar nicht mehr in den Mund nehmen.

Jede rückwärtsgewandte Lobbypolitik würde wie bei Dieselgate nicht zuletzt auch einen schwerwiegenden Schaden für Industrie und Handel bedeuten, einen politischen Bärendienst für die Wirtschaft.

Der stärker werdende Widerstand gegen die Verbreitung der Lobbylügen zu Holzverbrennung und deren klimaschädlicher Privilegierung durch Verbraucher/innen und Waldschutzverbände hat neben der klaren Positionierung des Umweltbundesamts positiver Weise zuletzt auch zu einem Umdenken bei den bisherigen Holzverbrennungsbefürwortern NABU und Umwelthilfe geführt.

Dennoch werden entgegen den Klimaschutz-, Luftreinhaltungs- und Nachhaltigkeitszielen bei der Rohstoffverwendung weiterhin zumindest Pelletheizungen subventioniert, für deren Produktion nachweislich auch Waldgebiete kahlgeschlagen werden.
 

Foto(s): shutterstock.com - Artikel-ID: 1633818814 - smoke from the chimneys of the houses in the morning - Sebastian_Photography - Artikel-ID: 618844025 Sunset. High smog pollution from the chimneys of houses, Milosz_G / Foto Vortrag Prof. Dittler - NABU Heidelberger Waldforum

Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Gewerblicher Rechtsschutz, Verfassungsrecht, Verwaltungsrecht

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