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Coaching Vertrag - Sittenwidrige Abzocke, Wucher und Betrug?

  • 5 Minuten Lesezeit

Man mag kaum glauben, mit welch Methodik manch selbsternannter Online-Coach der „Kundschaft“ das Geld aus der Tasche ziehen möchte. Abzocke oder Abofalle sind da noch die harmloseren Begriffe, um die Vorgehensweisen einzelner Online-Coaching-Anbieter zu bezeichnen.

Juristisch stellt sich dann u. a. die Frage nach Sittenwidrigkeit und Wucher im Hinblick auf das Vorgehen des Coaches bzw. das hochpreisige Online-Coaching-Angebot. 

Und viele weitere Fragen.

Fühlen Sie sich auch abgezockt? Dann gehen Sie doch einfach mal die unten aufgeführte Checkliste durch. Evtl. finden sich dann auch die passenden juristischen Antworten.

Coaching Abzocke – Sittenwidrigkeit und Wucher liegen teils auf der Hand 

Es ist in betragsmäßiger Hinsicht eher Regel als Ausnahme: Einzelne Anbieter rufen mehrere tausend Euro für mehr als nur fragwürdige Coaching-„Leistungen“ auf. Hinter diversen Geldvermehrungs-Versprechen verbirgt sich nicht selten die pure Scharlatanerie. Wenn überhaupt. Manch selbsternannter Online-Coach macht sich auch gleich weitgehend dünne.

Da bedarf es mitunter auch kaum tiefergehender juristischer Ausführungen, um zu prognostizieren: Das würde ein Richter kaum durchgehen lassen. Und dies evtl. nicht nur der Zivil-Richter nicht. Die Grenzen zwischen sittenwidriger Irreführung, Wucher und Betrug liegen bisweilen dicht beieinander. 

Auch bestehen nicht selten Anhaltspunkte für ein Schneeballsystem bzw. Pyramidensystem.

Über Sittenwidrigkeit und Wucher hinaus lassen sich viele Coaching-Verträge angreifen 

So hoch die rechtlichen Hürden an Sittenwidrigkeit und Wucher in einer freien Marktwirtschaft grundsätzlich auch sein mögen: Einzelne Online-Coaches überwinden diese Hürden mit Leichtigkeit. Mir liegen und lagen Fälle vor, da dürfte eine gegenteilige rechtliche Wertung schwerfallen.

Aber auch über Sittenwidrigkeit und Wucher hinaus bestehen regelmäßig unzählige rechtliche Angriffspunkte, um dubiose Coaching-Verträge im Grenzbereich von Abofalle, Abzocke und Betrug zu Fall zu bringen.

In Coaching-Abzock-Falle getappt? Checkliste 

Finden Sie sich bzw. Ihre Vorgänge etwa im Folgenden unter einzelnen Punkten wieder?

1.) Unrealistische Versprechen vom Coach/Closer

Sie wurden telefonisch (evtl. auch via „Coldcall“) von einem sogenannten Coach oder Closer unter dem Versprechen oder einer Garantie von direkten monatlichen Gewinnen (z.B. 10.000 Euro) in eine Abofalle reingeredet? Zusätzlich wurden Gefühle von Zeitdruck und Angebotsknappheit erzeugt?

2.) Coaching-Vertrag zeitgleich via Telefon und Formular

Der Online-Coach hat Sie parallel am Telefon durch ein Formular auf der Plattform eines sog. Zahlungsabwicklers o.ä. „geleitet“ (z.B. CopeCart oder Digistore24)? Sie wussten ab einem gewissen Zeitpunkt schlicht nicht mehr, mit wem Sie was zu welchen Kosten abschließen?

3.) Coaching-Vertrag unbedingt als Unternehmer

Der Online-Coach oder Closer wollte Sie in eine Unternehmer-Eigenschaft hereinreden, obwohl Sie kein Unternehmer sind? Evtl. haben Sie den vermeintlichen Vertrag letztlich auch als „Unternehmer“ geschlossen, aber erst im Nachhinein festgestellt, was das (rechtlich) bedeutet?

4.) Widerrufsverzicht beim Coaching-Vertrag

Sie sollten unbedingt einen Widerrufsverzicht erklären/anklicken bzw. haben im Nachhinein festgestellt, dass Sie angeblich (unbewusst) auf den Widerruf verzichtet haben sollen? 

5.) Unkonkreter Coaching-Vertrag

Die Vertragsinhalte sind völlig unkonkret? Es ist nirgendwo hinreichend festgeschrieben, auf welche Coaching-Leistungen sich der angebliche Coaching-Vertrag bezieht?

6.) Versprechen werden vom Coach nicht eingehalten

Versprechen und spätere „Leistung“ divergieren eklatant? Viel mehr als »Mindset, Mindset, Mindset« kommt vom Coach nicht? Auf Fragen erhalten Sie allenfalls Gegenfragen? Sie bräuchten nur etwas „Geduld“? Schuld am fehlenden (versprochenen) Erfolg sollen stets Sie selbst haben?

7.) Falscher Coach

Sie erhalten kein Coaching von dem Coach, den Sie (vermeintlich) gebucht haben?

8.) Fehlende Kontaktdaten bzgl. Coaching-Anbieter

Sie verfügen über keine hinreichenden Kontaktdaten des Coaching-Anbieters? Der Online-Coach verschleiert seine Daten gewissermaßen? Sie verfügen zwar über Kontaktdaten, die vermeintliche Adresse liegt aber quasi am anderen Ende der Welt? Ein Impressum fehlt gänzlich?

9.) "Live"-Coaching

Sie haben Zweifel, ob die Live-Coachings wirklich „Live“ sind (insbesondere bei Gruppencoachings)? 

10.) Fake-Coaching

Es handelt sich allgemein um eine Art Fake-Coaching?

11.) Druck und Drohung 

Man lässt Sie unter keinen Umständen mehr aus dem Vertrag heraus (evtl. trotz zugesagter Geld-zurück-Garantie)? Ggf. setzt man Sie auch unter Druck und „droht“? Wenn Sie nicht zahlten, folgten Inkasso-Schreiben und teure Gerichtsverfahren, die Sie „auf jeden Fall verlieren“ würden? Man habe bereits „diverse Gerichtsprozesse gewonnen“?

12.) Digitale Inhalte statt Live-Coaching

Es wird immer wieder mit sogenannten digitalen Inhalten oder digitalen Produkten argumentiert, obwohl Sie überhaupt nur an einem Live-Coaching (1:1 Coaching oder Gruppencoaching) interessiert waren?

13.) Gedrängt, sofort zu starten

Sie wurden im Anschluss an den vermeintlichen Vertragsschluss gedrängt, sich möglichst schnell Inhalte zu downloaden? Man hat Ihnen nur „ausnahmsweise“ sofortigen Zugriff auf Videomaterial o.ä. gewährt?

14.) Überraschende Vertragspartner und Rechnungssteller

Sie erhalten Rechnungen von Firmen (z.B. CopeCart), von denen Sie vorher noch nie etwas gehört haben?

15.) Datenmissbrauch durch Coaching-Anbieter

Sie vermuten, dass der Coach bzw. Closer Ihre Daten missbraucht hat?

16.) Coaching-Schneeballsystem

Sie vermuten ein Schneeball- oder Pyramidensystem (insbesondere im Bereich Network-Marketing bzw. Multi-Level-Marketing (MLM))?

17.) Anwerben von weiteren Vertriebspartnern steht im Coaching-Vordergrund

Rückblickend kommen Sie zu der Erkenntnis, dass es vermutlich nicht um den Verkauf (Vertrieb) eines Produktes bzw. einer Leistung ging, sondern allein um den Verkauf des Verkaufs wegen? Evtl. sollen Sie eine Provision erhalten, wenn auch Sie im Anschluss an das (Verkaufs-)Coaching solche Verkäufe tätigen?

18.) Fake-Bewertungen 

Sie vermuten, dass die Bewertungsprofile (z.B. Trustpilot) der Coaching-Anbieter vor lauter positiver Fake-Bewertungen strotzen? Sie wurden selbst zu fragwürdigen positiven Bewertungen gedrängt?

Raus aus der Coaching-Abzocke und Coaching-Abofalle

Treffen jedenfalls mehrere Punkte zu, bestehen gute Aussichten, dass Sie für das Coaching keinen Cent zahlen müssen.

Leider behauptet die Gegenseite (insbesondere die Coaching-Anbieter oder ein Zahlungsabwickler) gegenüber Rechtslaien fast immer das Gegenteil. Selbst in eindeutigen Konstellationen. Es folgen Inkasso-Schreiben und die Drohung mit gerichtlichen Schritten. 

Lassen Sie sich hier nicht vorschnell einschüchtern und zu vermeintlich gutmeinenden Ratenzahlungen oder Teilzahlungen verleiten.

Coaching Vertrag widerrufen, anfechten, kündigen - mitunter ist einiges möglich!

Melden Sie sich gerne bei mir, wenn Sie Hilfe benötigen. In eklatanten Fällen stelle ich auch Strafanzeige, um manch verwerflichem Treiben (hoffentlich) ein Ende setzen zu lassen. 

Ich bin stets bestrebt, dass etwaige Anwaltskosten weit unter den Abzock-Forderungen einzelner Coaching-Anbieter liegen. Verfügen Sie über eine Rechtsschutzversicherung, bestehen auch gute Chancen, dass diese die Kosten übernimmt (evtl. fällt eine Selbstbeteiligung an).

Schreiben Sie mir gerne unverbindlich über das nachfolgende Kontaktformular oder per E-Mail.

RA Robin Nocon, Recht. Digital.




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