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Das „Darknet“ – von Waffen, Drogen, Mythen und Märchen

Rechtstipp vom 27.07.2016
Rechtstipp vom 27.07.2016
Das „Darknet“ – von Waffen, Drogen, Mythen und Märchen
Um das „Darknet“ kreisen etliche Mythen und Gerüchte

Das mutmaßliche „Geheimnetzwerk“ mit dem dezent anrüchig anmutenden Namen wird augenblicklich in den Medien ausgiebig und kontrovers diskutiert. Ihren Teil dazu beigetragen haben sicherlich zahlreiche Berichte, dass der Amokläufer von München die Tatwaffe „über das ‚Darknet‘“ bezogen haben soll. Und auch über die Täter der Terroranschläge des 13. November in Paris war Ähnliches zu lesen.

Ferner ranken sich bereits eine Weile etliche Gerüchte und Mythen um die „dunkle Seite des Internets“, mit der dieser Rechtstipp einen Schritt weit aufräumen soll. Und zugegeben: Der Name des viel diskutierten „Parallel-WWW“ klingt durchaus leicht mysteriös. Hierbei ist allerdings davon auszugehen, dass sich die ursprünglichen Erfinder der Funktionsweise des „Darknet“ der Tragweite der damaligen Namensgebung wohl nicht bewusst waren.

Was ist das „Darknet“?

Wie so oft ist das zugrunde liegende Prinzip eigentlich recht einfach. Bei einem „Darknet“ handelt es sich ein autarkes Netzwerk, das nicht öffentlich sichtbar ist und sich in vielen Fällen nur mithilfe spezieller Software aufrufen lässt. Die dadurch bereitgestellten Inhalte bleiben in Suchmaschinen wie Google unsichtbar, da diese üblicherweise darauf ausgelegt sind, das sogenannte „Clearnet“ (sprich, das öffentlich zugängliche Internet) zu indizieren. Zu den verbreitetsten Beispielen für „Darknets“ gehören etwa sogenannte „Friend-to-Friend“-Netzwerke, in denen geschützte Verbindungen nur mit ausgewählten Personen eingegangen werden.

Das „Darknet“ als unsichtbarer, kleiner Bruder des WWW

Den größten Bekanntheitsgrad hat jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit das sogenannte „Tor“-Netzwerk erlangt, das mittels einer im Hintergrund laufenden Software eine spezielle, anonymisierte Verbindung herstellt. „Tor“ ermöglicht auf diese Weise den Zugriff auf spezielle Adressen mit der Endung „.onion“ – benannt nach dem effizienten „Onion-Routing-Anonymisierungssystem –, die auf anderem Wege nicht aufrufbar sind. Die Auswahl an über „Tor“ aufrufbaren Angeboten ist mittlerweile beachtlich. Eine Übersicht findet der User etwa auf zahlreichen Verzeichnisseiten, die – üblicherweise nach Kategorien geordnet – weitere „.onion“-Links bereitstellen.

Die Anonymität des „Darknet“ ist kein Selbstzweck

So mancher wird sich nun an die Pionierzeit des World Wide Web in den 1990er-Jahren erinnert sehen. Das Prinzip des „Darknet“ stammt allerdings bereits aus den 1970er-Jahren und fand primär aus Sicherheitsgründen Verwendung, um etwa wichtige Firmeninformationen vor öffentlichem Zugriff zu schützen. Heute kommt es auch oftmals zum Schutz von Whistleblowern oder verfolgten Minderheiten in totalitären Staaten zum Einsatz, da sich eine staatliche Kontrolle von anonymen „Darknets“ ungleich schwieriger realisieren lässt als im öffentlichen Web.

Ist die Nutzung des „Darknet“ als solche illegal?

Was ist also illegal am „Darknet“, wie es aus etlichen Quellen zu hören ist? Die Antwort ist schnell formuliert: Zunächst einmal nichts. Problematisch wird es allerdings, wenn die zahlreichen unseriösen Angebote ins Spiel kommen, die sich aufgrund immer ausgefeilter werdender Überwachungstechniken im „Clearnet“ in weniger transparente Netzwerke verlagert haben. Denn bedingt durch die auf Anonymität ausgelegte Funktionsweise des „Darknet“ ist eine Rückverfolgung um einiges schwieriger als im regulären WWW. Dass schließlich auch Kriminelle hiervon Wind bekamen, war letztendlich nur eine Frage der Zeit.

Das „Darknet“ als angeblicher Tummelplatz von Waffen- und Drogenhändlern

Gemäß einem kürzlich veröffentlichten Artikel im „Handelsblatt“ erhält man im „Darknet“ schneller eine Waffe als sonst einen Termin beim Facharzt. Fraglos mögen derartige Ansagen, wie sie momentan in ähnlicher Form zahlreiche Nachrichtenredaktionen verlassen, auf den ersten Blick durchaus verstörend wirken. Doch auch die höhere Anonymität beim Surfen im „Darknet“ schützt auf lange Sicht nicht vor dem langen Arm des Gesetzes. Eine Rückverfolgung von „Darknet“-Aktivitäten ist zwar üblicherweise schwierig, aber keinesfalls unmöglich. Und wer ohne die zugehörige Erlaubnis mit einer Schusswaffe ertappt wird, dem blüht gemäß § 51 WaffG eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren, bei besonders schweren Fällen können bis zu zehn Jahre daraus werden.

Daher muss in jeder Hinsicht davon abgeraten werden, derartige Angebote auch nur in Erwägung zu ziehen. Dasselbe gilt, wenn Drogen im Spiel sind. Laut § 29 BtMG kann sich, wer unerlaubt mit Rauschgift aller Art hantiert, eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren einhandeln.

Handel mit geknackten Online-Konten

Auch der Handel mit kompromittierten Nutzerkonten bei Diensten wie Amazon, Netflix oder Maxdome ist mittlerweile ein weitverbreiteter Bestandteil von unseriösen Seiten im „Darknet“ geworden. Zugestandenermaßen mag es für Schnäppchenjäger mit schmalem Geldbeutel verlockend klingen, etwa Streaming-Dienste für nur einen Bruchteil des ursprünglichen Preises nutzen zu können. Allerdings kann hier der Tatbestand der Datenhehlerei gemäß § 202d StGB erfüllt sein, der eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren nach sich zieht. Auch das Hantieren mit Kreditkarten- und Online-Banking-Daten, das ebenso von Kriminellen im „Darknet“ betrieben wird, ist hiervon umfasst.

Handel mit gefälschten Pässen

Der Handel mit fingierten Ausweispapieren ist auf diversen Plattformen im „Darknet“ ebenso immer wieder zu beobachten. Wer sich allerdings darauf einlässt, beginnt genauso ein Spiel mit dem Feuer. Auch wer einen gefälschten Ausweis nur verwendet, lässt sich gemäß § 267 StGB eine Urkundenfälschung zuschulden kommen, die zu einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe führen kann.

Vorsicht vor auffällig günstigen Angeboten im „Darknet“

Ein bekanntes Sprichwort lautet „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“. Zudem besagt ein im Angelsächsischen verbreiteter Sinnspruch, dass alles, was zu schön klingt, um wahr zu sein, selbiges üblicherweise auch ist. Eine Kombination aus beiden Szenarien trifft üblicherweise auf die in zahlreichen Ecken des „Darknet“ angebotenen „Schnäppchen“ zu. Vom erstaunlich günstigen Smartphone über die Spielekonsole zum halben Kurs bis hin zum für einen Apfel und ein Ei zu erstehenden Gebrauchtwagen ist die Bandbreite an zwielichtigen Angeboten in jeder Hinsicht beachtlich.

Wer jedoch gestohlene Waren kauft – die sich fraglos im Großteil der Fälle an ihren Dumping-Preisen erkennen lassen –, kann den Straftatbestand der Hehlerei gemäß § 259 StGB erfüllen. Und nicht zuletzt steht fest: Wer sich im „Darknet“ als Schnäppchenjäger betätigt und gleichzeitig vor Gericht auf Ahnungslosigkeit plädiert, kann nicht mit großartigen Chancen rechnen, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Ab wann ist mit Strafen zu rechnen?

Strafrechtlich relevant kann der Aufenthalt im „Darknet“ mit dem Kontakt mit dem Anbieter eines illegalen Angebots werden. Neugierige Naturen, die nur kurz erforschen möchten, was die dunkle Seite des Web zu bieten hat, dürften in der Regel ungeschoren davonkommen.

Auch kurzes Surfen kann zum Verhängnis werden

Doch Vorsicht: Sollte ein Anbieter eines illegalen „Darknet“-Angebots allerdings ins Visier von Fahndern gelangen, ist es durchaus möglich, dass derjenige, der durch das Aufrufen der illegalen Offerte Spuren hinterlassen hat, auch in Erklärungsnot gerät. Noch heikler wird es, wenn Sites für den Tausch von Kinderpornografie im Spiel sind: Bereits das bloße Betrachten von Kinderpornografie kann ein Verstoß gegen § 184 b StGB und somit strafbar sein. Maximal kann eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren drohen. Demzufolge kann auch derjenige in beträchtliche Schwierigkeiten geraten, der aus reiner Neugier bei entsprechenden Sites „nur kurz vorbeisurft“.

Zwielichtige Darknet-Angebote am besten weitläufig umschiffen

Keine Frage: Wer vollkommen auf der sicheren Seite sein möchte, sollte bereits auf jedwedes Anklicken von Links verzichten, wenn er auf dermaßen heikle „Darknet“-Offerten stößt. Nicht umsonst hat sich ein kluger Zeitgenosse bereits vor einiger Zeit das Sprichwort „Neugier ist der Katze Tod“ einfallen lassen. Und wie es alle guten Sprichwörter so an sich haben, gilt es auch ganz unabhängig davon, in welchen Gefilden man sich aufhält.

Wir wünschen also weiterhin sicheres Surfen – egal ob im Dark- oder dem herkömmlichen „Clearnet“ – und werden über weitere Entwicklungen zum Thema selbstverständlich berichten.

(JSC)

Foto : ©iStockphoto.com/erwo1


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten IT-Recht, Strafrecht

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