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Kindeswohl: Intrigieren gegen den Exmann

Rechtstipp vom 14.09.2016
(9)
Rechtstipp vom 14.09.2016
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Es gibt einen Spruch, der wohl jedem Familienrechtler geläufig ist: „Ein Ehepaar kann man scheiden, Eltern nicht.“

Dieser Satz ist so einfach wie weise. Er bedeutet, dass im Fall einer Trennung für das Kind ein Loyalitätskonflikt entsteht, wenn die Eltern sich trennen. Beide Elternteile sind dann aufgerufen, dem Kind über diesen Konflikt hinwegzuhelfen. Dies geschieht am besten dadurch, dass man vor dem Kind keine Vorwürfe gegenüber dem anderen Elternteil macht und dem Kind immer wieder sagt, dass trotz Trennung der Vater der Vater bleibt und die Mutter die Mutter bleibt. Die Erwachsenen dürfen sich zwar streiten, aber gegenüber dem Kind sollten sie einheitlich auftreten und dem Kind beispielsweise keine Vorhaltungen machen, wenn es beim anderen Elternteil bleibt, ihn besucht oder gar dort für eine Weile lebt.

Der Gesetzgeber und die Rechtsprechung gehen dabei davon aus, dass zu diesem Zweck eine Kommunikationsfähigkeit und, bezogen auf das Kind, eine Kooperationsfähigkeit besteht, die Voraussetzung für die Wahrung des Kindeswohls ist.

Der Trennungsschmerz ist legitim, er soll auch nicht unbedingt verheimlicht werden. Dies würde gegenüber einem Kind sowieso nicht gelingen. Es muss aber klargestellt werden, dass es sich um den Schmerz des Erwachsenen handelt, nicht um den des Kindes. Die Einbeziehung des Kindes in den eigenen Schmerz bzw. die Suche nach Halt und Trost bei dem Kind ist zwar verlockend, schadet dem Kind aber erheblich.

Sachverhalt:

Ein solcher Fall, bei dem die friedvolle Trennung nicht geklappt hat, wurde vom OLG Saarbrücken entschieden. Bei einem Paar, das getrennt lebte, hatte der Vater Probleme, mit seiner Frau eine Umgangsregelung zustande zu bringen. Er wollte die Tochter regelmäßig sehen, was die Mutter zu verhindern suchte. Das Verhältnis der Eltern verschlechterte sich, nachdem in mehreren gerichtlichen Sorge- und Umgangsrechtsverfahren die Eltern keine Möglichkeit zur gemeinsamen Kooperation fanden.

Auch der Versuch, Gespräche außerhalb des Gerichts aufzunehmen, scheiterte. Die Auseinandersetzung gipfelte dann in heimlichen SMS, die von der Mutter an das Kind gesandt wurden, während sich das Kind beim Vater aufhielt und in denen das Kind gegen den Vater aufgebracht werden sollte.

Entscheidung:

Daraufhin entschied das OLG Saarbrücken (Beschluss v. 08.09.2014 – 6 UF 70/14) über das alleinige Sorgerecht. Es sprach dieses Sorgerecht dem Vater zu.

Das OLG stellte fest, dass das alleinige Sorgerecht bei fehlender Kooperations- und Kommunikationsbereitschaft der Eltern einem Elternteil allein übertragen werden muss, wenn eine Änderung dieses Zustands auch für die Zukunft nicht zu erwarten ist. Hierbei kommt es nicht darauf an, wer für die fehlende Kommunikationsfähigkeit überwiegend verantwortlich ist. Hier aber habe die Mutter durch diese heimlichen SMS das Kind zusätzlich in einen Loyalitätskonflikt gezwungen und so negativ beeinflusst, so dass ihr ein verantwortungsbewusster Umgang mit dem Kind seitens des Gerichts abzusprechen war. Damit sei der Vater der geeignetere Sorgerechtsinhaber.

Fazit:

Wir versuchen in unseren Verfahren auch unsere Mandanten dazu zu bringen, dass sie nach der Trennung die Besuche des Kindes beim anderen Elternteil wohlwollend begleiten und grundsätzlich nicht zu verhindern versuchen. Kinder wollen und können sich nicht zwischen Eltern entscheiden. Sie wollen in der Regel, dass die Eltern wieder zusammen sind. Wenn das nicht möglich ist, muss jeder Elternteil den Kontakt zum jeweils anderen fördern und das Kind zum Kontakt ermuntern. Vorausgesetzt ist natürlich, dass die andere Seite sich auch kindgerecht verhält. Insbesondere, dass sie auch ein Interesse am positiven Umgang mit dem Kind hat.


Rechtstipp aus der Themenwelt Sorgerecht und Umgangsrecht und dem Rechtsgebiet Familienrecht

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