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Sommerliche Brandgefahr: Verbot von Himmelslaternen

Rechtstipp vom 10.08.2015
(15)
Rechtstipp vom 10.08.2015
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Sommerliche Brandgefahr: Verbot von Himmelslaternen
Himmelslaternen: wunderschön und doch gefährlich.

Bei Hitze und Trockenheit im Sommer steigt die Brandgefahr enorm. Mit offenem Feuer sollte man daher sehr vorsichtig umgehen, egal ob es sich um ein Lagerfeuer, einen Grill, eine Zigarettenkippe oder andere brennende Objekte handelt. Zu den möglichen Brandverursachern zählen auch sogenannte Himmelslaternen, die bei Hochzeiten oder anderen Feierlichkeiten immer beliebter geworden sind.

Die kleinen leichten Ballons funktionieren ähnlich einem Heißluftballon und erhalten ihren Auftrieb durch eine eigene Feuerquelle. Das kann beispielsweise ein unter dem Ballon befestigtes Teelicht oder auch ein Stück Grillanzünder sein. Himmelslaternen, auch als Skycandles, Wunsch- oder Kong-Ming-Laternen bekannt, gibt es fertig zu kaufen. Oft werden sie aber auch einfach selbst gebastelt.

Verbot von Himmelslaternen

Solche Lichter können einen wunderschönen Anblick an Nachthimmel bilden, sie sind aber auch gefährlich. Schließlich schwebt mit jeder Himmelslaterne ein offenes Feuer unkontrolliert durch die Lüfte. Wann und wo der Ballon landet, hängenbleibt oder abstürzt bleibt nahezu unberechenbar. Kommt er irgendwann mit leicht brennbaren Materialien in Berührung, kann schnell ein großes Feuer entstehen.

Die meisten Bundesländer haben inzwischen reagiert und die Verwendung von Himmelslaternen grundsätzlich verboten. In Hessen beispielsweise ist dies in § 1 einer eigenen Gefahrenabwehrverordnung gegen das Aufsteigenlassen von ballonartigen Leuchtkörpern (BallonLGefAbwV) geregelt. Wer sich nicht daran hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die gemäß § 2 mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro geahndet wird.

Schadenersatz im Brandfall

Doch es kann noch viel teurer werden, wenn durch die Himmelslaternen tatsächlich ein größerer Brand entsteht. So ließ im Sommer 2009 eine Hochzeitgesellschaft in Dieburg insgesamt 20 Skycandles steigen. Kurz darauf brannten in rund 100 Metern Entfernung zwei Gebäude.

Für den Schaden erhielten die Eigentümer rund 300.000 Euro von einer Versicherung ausbezahlt. Die versuchte nun aber, das Geld von den vermeintlichen Brandverursachern wiederzubekommen. Das sind nach Meinung der Versicherung die Hochzeitsveranstalter, in diesem Fall der Bräutigam und die Mutter der Braut.

Die hatten sich sogar zuvor noch bei der Flugsicherung und beim Ordnungsamt erkundigt, ob ihr Vorhaben zulässig ist. Zu diesem Zeitpunkt war die hessische BallonLGefAbwV noch nicht in Kraft und Himmelslaternen damit nicht generell verboten. Das Ordnungsamt hatte zwar ausdrücklich auf die Gefahren durch das offene Feuer hingewiesen, die Verwendung der Laternen aber nicht untersagt.

Haftung der Hochzeitsveranstalter

Trotzdem wurden die Hochzeitsveranstalter vom Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main nun zum Schadenersatz verurteilt. Die Mutter der Braut hatte die Laternen gekauft und mitgebracht. Auch der Bräutigam soll haften, da er als Mitorganisator die Zündung der Himmelskerzen nicht verhindert habe, obwohl ihm die Gefahr aufgrund der Warnung des Ordnungsamtes bewusst war.

Über die Höhe des Schadens, also ob dieser tatsächlich 300.000 Euro betrug, hat das OLG noch nicht abschließend entschieden. Dass die Brände allerdings von den im Rahmen der Hochzeit gezündeten Himmelskerzen ausgingen, stand für das Gericht nach der Beweisaufnahme fest.

Zeugen hatten gesehen, wie eine der Wunschlaternen in der Luft Feuer gefangen hatte und auf eine Terrasse gestürzt war. Schlagartig hatte sich das Feuer dann über das hölzerne Gebälk des Hauses ausgebreitet. Das hatte sich die Hochzeitgesellschaft sicher nicht gewünscht.

(OLG Frankfurt am Main, Urteil vom 24.7.2015, Aktenzeichen 24 U 108/14)

(ADS)

Foto : ©Fotolia.com/Christiane Landeck


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