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AG Bremen: Schadensersatzanspruch bei vorzeitigem und unberechtigtem Abbruch einer eBay-Auktion

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Bricht ein eBay-Verkäufer seine Auktion vorzeitig ab, etwa weil er den Verkaufsgegenstand fahrlässig falsch beschrieben hat, und erfolgt der Auktionsabbruch ohne berechtigten Grund, so hat er dem Höchstbietenden der Auktion den hieraus entstandenen Schaden zu ersetzen (AG Bremen, Urteil v. 30.03.2017, Az. 9 C 10/17).

Sachverhalt

Im Fall, den das AG Bremen zu entscheiden hatte, stellte ein eBay-Nutzer seinen gebrauchten Fernseher im Rahmen einer Auktion zum Verkauf ein. Dabei beschrieb er das TV-Gerät jedoch fälschlicherweise als eines der vierten Generation, obwohl es sich um ein Gerät der dritten Generation des Herstellers handelte. Nachdem der Verkäufer seinen fahrlässigen Fehler bemerkte, brach er – da eine nachträgliche Änderung der Beschreibung nicht mehr möglich war – die bereits laufende Auktion ohne einen berechtigten Grund ab. Der zu diesem Zeitpunkt Höchstbietende war der Ansicht, dass die fehlerhafte Artikelbeschreibung keinen ausreichenden Grund darstellt, der den Abbruch der Auktion rechtfertigen würde. Er forderte daraufhin Schadensersatz vom Verkäufer.

Entscheidung des Gerichts

Das AG Bremen gab dem Kläger Recht und verurteilte den Verkäufer zur Zahlung von Schadensersatz. Der Verkäufer habe seine Beschreibung fahrlässig falsch formuliert und damit einer entsprechenden Beschaffung zugesagt. Damit habe er schuldhaft gehandelt. Bei Unsicherheiten über das tatsächliche Alter des Fernsehgerätes hätte er eine Angabe hierüber unterlassen müssen oder nur eine unverbindliche Beschreibung abgeben dürfen. Ein anderer Grund, der einen Abbruch der Auktion rechtfertigen würde, sei nicht vorgelegen. Damit, so das AG Bremen, trage der Verkäufer die volle Verantwortung für die Falschbezeichnung oder Falschbeschreibung des eingestellten Verkaufsobjekts.

Bewertung

Diese Entscheidung des AG Bremen macht das finanzielle Risiko im Zusammenhang mit unachtsamen Artikelbeschreibungen deutlich.

Eine Falschbezeichnung in der Artikelbezeichnung rechtfertigt nach Ansicht des Gerichts nämlich nicht den vorzeitigen Abbruch einer Auktion. Vielmehr, wenn diese bereits läuft und der Verkäufer aufgrund einer fahrlässigen fehlerhaften Beschreibung abbrechen will, kann der zu diesem Zeitpunkt Höchstbietende Schadensersatzansprüche gegen den Verkäufer geltend machen.

Kritisch zu hinterfragen ist, ob die bloß fahrlässige Falschbezeichnung oder -beschreibung eines Artikels nicht doch einen berechtigten Abbruchgrund darstellen kann, sofern eine nachträgliche Änderung nicht mehr möglich ist, da ansonsten bereits alleine durch das Einstellen einer solchen fehlerhaften Beschreibung eine Gefährdungshaftung entstehen würde.

Die Entscheidung des AG Bremen ist aber insofern vertretbar, als dass ein eBay-Nutzer, der ein Höchstgebot bei einer Auktion abgibt, zu diesem Zeitpunkt schon Vertragspartner wird, da man in der Abgabe des Gebots den Vertragsschluss sehen kann.

Ein berechtigter Auktionsabbruch, auch bei einer Auktion, in der bereits ein Gebot abgegeben wurde, liegt hingegen vor, wenn ein unverschuldeter Umstand eintritt, der dazu führt, dass der Verkäufer den Gegenstand nicht mehr übereignen kann. Etwa, wenn der Artikel unverschuldet zerstört oder gestohlen wurde.

Bei einer Falschbeschreibung, die der Verkäufer schuldhaft, und wenn auch nur fahrlässig verursacht, steht dem Verkäufer jedoch kein Rücktrittsrecht zu und er kann die Auktion nicht berechtigt abbrechen. Vielmehr muss er gegebenenfalls dem Höchstbietenden auch noch Schadensersatz leisten.

Im Ergebnis ist jedem Verkäufer – egal wie eilig er es hat – dazu zu raten, vor dem Start seiner Auktion den eingestellten Text stets auf seine Richtigkeit zu überprüfen, um das Risiko, sich einer Schadensersatzforderung ausgesetzt zu sehen, zu reduzieren.


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Kaufrecht, eBay & Recht

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