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Blockchain & Bitcoin: Krypto-Paradies Thailand

Rechtstipp vom 26.02.2018
Rechtstipp vom 26.02.2018

Die Blockchain-Technologie, die erste Kryptowährung Bitcoin und viele weitere hieraus entstandene digitale Vermögenswerte wurden in Asien entwickelt, bevor sie ihren Siegeszug um die Welt machten. Thailand hat an dieser Entwicklung bisher keinen relevanten Einfluss gehabt. Das Land des Lächelns entwickelt sich jedoch aufgrund rechtlicher und steuerlicher Besonderheiten zunehmend zu einem weltweit bevorzugten Standort für digitalen Reichtum.

Thailändische Steuerplanung mit digitalen Vermögenswerten

Kryptowährungen sind Neuland für Behörden und Institutionen, insbesondere die thailändischen Regulierungsbehörden Stock Exchange Commission und Bank of Thailand sowie die Steuerbehörden. Es besteht daher die internationale Tendenz, sich bei der Charakterisierung ausgerechnet den Aspekt herauszusuchen, der jeweils die größte Kontrolldichte und Steuerhöhe bewirkt.

Bitcoin kann als Vermögenswert qualifiziert werden, soweit es um die Gewinnbesteuerung geht. Für die Regulierung von Securities kann es als Finanzprodukt angesehen werden. Es kann den Devisenbestimmungen unterworfen werden, indem es als Fremdwährung behandelt wird. Es unterfällt Zollbestimmungen zur Bargeldein- und -ausfuhr, wenn es als bargeldgleich eingestuft wird. Wenn es um den Schutz des Eigentümers geht, wird es dagegen gerne auf seine Eigenschaft als Datenpaket ohne Rechtsschutz zurückgestuft.

In Thailand treffen die Kryptowährungen Bitcoin, Ripple, Iota, Ether, etc. auf ein interessantes steuerliches Umfeld. Für Einkommensteuerzwecke gilt für Privatpersonen das Territorialprinzip. Versteuert werden nur inländische Einkünfte. Hinzu kommt, dass eine spezielle Gewinnbesteuerung nicht existiert. Lediglich von der Körperschaftsteuer werden die weltweit erzielten Gewinne von Unternehmen besteuert. In Thailand gelten allerdings auch Personengesellschaften grundsätzlich als juristische Person.

Aufgrund ihres digitalen Charakters sind Bitcoin & Co. sehr mobil. Daher ermöglichen sie in besonderem Maße eine inländische, aber auch grenzüberschreitende Steuergestaltung. Elemente der Steuerplanung sind Übertragungen zwischen den Beteiligten, der Wechsel in unterschiedliche Münzarten, die digitale Grenzüberschreitung, der Wechsel von der persönlichen Börse (wallet) auf einen Internetdienstleister (Exchange) und vieles mehr.

Kryptowährungen werden leichtfertig als anonyme Vermögenswerte angesehen. Übersehen wird, dass die Blockchain alles mit einem Zeitstempel unveränderbar und für immer aufzeichnet. Hierdurch kann eine digitale Papierspur gelegt werden, die auch den Steuerbehörden den Weg zum Eigentümer weist. Dies kann und sollte vermieden werden, indem ein professionelles „Public Key Management“ eingerichtet wird, sodass für den Inhaber transparent bleibt, in wieweit er sich gegenüber den Behörden bereits als Eigentümer identifiziert hat. Die digitale Firewall schützt dann die Vertraulichkeit.

Thailand als Fluchtstandort für Bitcoin-Millionäre?

Aktuell gibt es auf der ganzen Welt Steuerpflichtige, die ihre Bitcoins vor vielen Jahren sehr günstig angeschafft hatten, und Ende 2017 zu einem hohen Wert veräußert, umgeschichtet oder in sonstiger Weise umstrukturiert haben, die steuerlich als Gewinnrealisierung betrachtet werden kann. Hierdurch sind Steuerverpflichtungen entstanden, die über dem aktuellen Wert des Münzvermögens liegen können. Die Steuerbelastung ist dann höher als der Substanzwert, ohne dass das Vermögen die digitale Brieftasche oder die Plattform verlassen hat.

Es liegt auf der Hand, dass derartige unglückliche Bitcoin-Millionäre nach einem Weg suchen, der Steuerbelastung zu entgehen. In wieweit Besonderheiten der deutschen Gewinnbesteuerung tatsächlich genutzt werden können, soll an dieser Stelle nicht vertieft werden. Thailand mit seiner Territorialbesteuerung bietet jedenfalls hochinteressante Ansatzpunkte, die im Einzelfall zu prüfen sind.

Von derartigen Extremfällen abgesehen, stellt sich auch sonst die berechtigte Frage, ob ein leicht verdienter Krypto-Reichtum nicht im Land des Lächelns genutzt werden soll und der hiermit verbundene Steuervorteil als Zusatzvorteil in Kauf genommen wird. Bereits der Münzimport sollte allerdings sorgfältig vorbereitet sein. Bitcoins im Handgepäck können zu unangenehmen Überraschungen führen.

Thailand ist bestrebt, in der Region als Krypto-Hauptstadt wahrgenommen zu werden, als Magnet für internationales Münzvermögen der digitalen Art. Hiermit ist auch die Tendenz zu einer steuerschonenden Behandlung von digitalen Vermögenswerten verbunden. Eine effiziente Steuergestaltung bedarf weder der Steuerunehrlichkeit im Heimatland noch in Thailand. Die thailändische Sonne scheint nicht nur über ein Urlaubsparadies, sondern auch über ein Kryptoparadies. 


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