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Elterngeld Plus beantragen? – Vorteile und Nachteile

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Elterngeld Plus beantragen? – Vorteile und Nachteile
Elterngeld Plus und bisheriges Elterngeld lassen sich wie Bausteine kombinieren.

Frischgebackenen Eltern eröffnen sich ab 1. Juli mehr Möglichkeiten beim Bezug von Elterngeld und der Nutzung von Elternzeit. Alle, die sich ab ab diesem Tag über Nachwuchs freuen, können nun auch das sogenannte Elterngeld Plus beantragen. Das bisherige sogenannte Basis-Elterngeld und das Elterngeld Plus können sie zudem kombinieren. Doch wie so oft gilt: Mehr Auswahl macht die Entscheidung nicht unbedingt leichter. Die folgenden Fragen und Antworten zum bisherigen und zum neuen Elterngeld sowie der geänderten Elternzeit sollen deshalb dabei helfen.

Wie lange gab es bisher Elterngeld?

Väter und Mütter können wie bisher das bereits bekannte Elterngeld für mindestens zwei und maximal 14 Monate nach der Geburt erhalten. Die vollen 14 Monate gibt es jedoch nur, wenn der Partner sich an der Betreuung beteiligt oder jemand alleinerziehend ist. Andernfalls gibt es nur maximal zwölf Monate Elterngeld. Denn wenn der Partner nicht zu Hause bleibt, gibt es die als Partnerschaftsbonus bezeichneten zwei Monate Extra-Elterngeld nicht.

Wie hoch fiel das Elterngeld bisher aus?

Für Babys ist die elterliche Nähe im ersten Lebensjahr besonders wichtig. Fremde Betreuung ist ohnehin kaum zu finden. Das Elterngeld soll daher Familien in dieser Zeit entlasten, indem es den durch die Auszeit vom Job wegfallenden Lohn ausgleicht. Seine Höhe orientiert sich dabei am Nettoeinkommen in den zwölf Monaten vor der Geburt ohne Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld. Durchgängig mehr Netto vom Brutto in dieser Zeit ist daher von Vorteil. Werdende verheiratete Eltern mit unterschiedlichen Einkommen sollten sich daher trotz der Freude über die Schwangerschaft möglichst bald einmal ihre Steuerklassen-Kombination anschauen. Möglicherweise bringt eine Umstellung mehr Nettolohn und damit finanzielle Vorteile beim steuerfreien Elterngeld. Damit sie sich auswirkt, muss das sieben Monate vor dem Monat des Mutterschutzbeginns erfolgen.

Die konkrete Höhe des Elterngelds beträgt generell zwischen 67 und 65 Prozent des maßgeblichen Nettoeinkommens. Einkommen von unter 1000 Euro im Monat werden schrittweise auf bis zu 100 Prozent aufgestockt. Bei einem Einkommen über 1200 Euro erfolgt eine schrittweise Senkung auf 65 Prozent. Unabhängig von einem Einkommen gibt es jedoch mindestens 300 Euro. Der Maximalbetrag beim Elterngeld liegt bei 1800 Euro. Ab mehr als 2770 Euro Monatsnetto wird das Elterngeld somit gekappt. Bei Mehrlingsgeburten gibt es seit Anfang 2015 für jedes Geschwisterchen 300 Euro Elterngeld extra. Einen Geschwisterbonus gibt es auch bei zwei Kindern, die noch nicht drei Jahre alt sind, oder drei oder mehr Kindern, die noch nicht sechs Jahre alt sind. In diesen Fällen wird das Elterngeld um 10 Prozent, mindestens jedoch um 75 Euro erhöht. Allerdings entfällt der Elterngeldanspruch für Elternpaare mit einem zu versteuernden Einkommen von mehr als 500.000 Euro im Kalenderjahr vor der Geburt ihres Kindes. Bei Alleinerziehenden sind es entsprechend mehr als 250.000 Euro.

Warum gibt es nun das Elterngeld Plus?

Nachteile bringt das bisherige Elterngeld jedoch all jenen, die während des Bezugs arbeiten wollen oder müssen. Bis zu 30 Wochenstunden sind in einem Lebensmonat des Kindes durchschnittlich zulässig, ohne dafür den Elterngeldanspruch zu verlieren. Allerdings verringert das Einkommen das Elterngeld, indem es das für die Berechnung maßgebliche Nettoeinkommen kürzt. Statt auf einer Basis von 2000 Euro netto berechnet sich das Elterngeld durch ein daneben bezogenes Einkommen von 800 Euro auf einer Basis von 1200 Euro. Bei einer Einkommensbasis über der Kappungsgrenze von 2770 Euro von beispielsweise 3000 Euro sind die 800 Euro jedoch von den 2770 Euro anstatt der 3000 Euro abzuziehen. Man kommt dadurch auf die neue Elterngeldbasis von 1970 Euro anstelle von 2200 Euro. Einen Freibetrag gibt es in keinem der Fälle.

Die mit der Arbeit einhergehenden finanziellen Nachteile führen in der Praxis dazu, dass Mütter überwiegend ganz zu Hause bleiben und vorwiegend nur die Väter Vollzeit arbeiten. Laut Statistischem Bundesamt beziehen je nach Bundesland durchschnittlich nur zwischen 8,5 und 15,6 Prozent der Väter während der zwölf Monate Elterngeld. Entsprechend umgekehrt sieht es bei den Müttern aus. Das soll das Elterngeld Plus verbessern, indem es die gleichzeitige Erwerbstätigkeit von Vätern und Müttern erleichtert. Denn insgesamt betrachtet wird das 2007 eingeführte Elterngeld gut angenommen und leistet den erwünschten Beitrag zum Anstieg der Geburtenrate.

Wie funktioniert das Elterngeld Plus?

Das Elterngeld Plus soll vor allem jenen Eltern Vorteile bringen, die während des Elterngeldbezugs in Teilzeit arbeiten. Der Bezugszeitraum des bisherigen Elterngelds wurde dazu beim Elterngeld Plus verdoppelt. Gleichzeitig erfolgt eine Halbierung des monatlichen Betrags. Aus dem Maximalbetrag von 1800 Euro werden so etwa maximal 900 Euro, aus den 300 Euro Mindestbetrag werden 150 Euro. Entsprechendes gilt für die Halbierung anderer Elterngeldbeträge, den Geschwisterbonus und den Mehrlingszuschlag. Dafür gibt es das jeweils halbierte Elterngeld statt für maximal 14 Monate bis zu 28 Monate.

Außerdem werden aus den zwei zusätzlichen Partnermonaten je vier zusätzliche Bezugsmonate in Form des Partnerschaftsbonus bei Elterngeld Plus. Das Elterngeld Plus lässt sich dadurch von 28 Elterngeldmonaten auf bis zu 36 Elterngeldmonate erweitern. Für den Partnerschaftsbonus in Form von Elterngeld Plus muss sich jedoch ein Elternteil bereits in Elterngeld Plus befinden. Außerdem müssen beide Partner gleichzeitig Teilzeit arbeiten, damit sie während dieser Partnermonate Elterngeld Plus erhalten. Als Teilzeit gilt gemäß Elterngeldgesetz dabei nur eine durchschnittliche Wochenarbeitszeit zwischen 25 und 30 Stunden, die beide Partner erfüllen müssen. Dies ist vom Arbeitgeber zu bescheinigen. Sich ergebende Fehlzeiten bei nur einem Partner – auch zur Pflege eines kranken Kindes – sollen jedoch den Anspruch für beide Partner entfallen lassen können.

Möglich sind auch Kombinationen von Basis-Elterngeld und Elterngeld Plus. Die Kombination unterliegt dabei jedoch der Einschränkung, das für die ersten Monate nach der Geburt, in denen eine Mutter auf das Elterngeld anzurechnendes Mutterschaftsgeld und Arbeitgeberzuschuss erhält, zwingend Basis-Elterngeld beantragen muss. Eine Mutter kann sich beispielsweise in der ersten Zeit für sechs Monate Basis-Elterngeld entscheiden und die verbleibenden sechs Basis-Elterngeld-Monate stattdessen durch Inanspruchnahme von Elterngeld Plus auf zwölf Elterngeld-Plus-Monate verdoppeln, wenn sie wieder arbeiten will. Letztendlich ergibt das nicht mehr Elterngeld als zuvor. Statt über einen Zeitraum von zwölf Monaten erstreckt sich der Bezugszeitraum allerdings über 18 Monate statt 12 Monate.

Rechenbeispiel des Bundesfamilienministeriums zum Vergleich

Als Beispiel rechnet das Bundesfamilienministerium ausgehend von einem Einkommen von 1400 Euro im Monat vor der Geburt zum Vergleich des bisherigen mit einem kombinierten Elterngeldbezug wie folgt:

Basis-Elterngeld

Das Elterngeld während voller Unterbrechung beträgt 910 Euro (= 65 Prozent von 1400 Euro). 910 Euro pro Monat ergeben in 6 Monaten 5460 Euro Elterngeld. Wird danach Teilzeit für 550 Euro im Monat gearbeitet, sinkt die Berechnungsbasis auf 850 Euro (= 1400 Euro - 550 Euro). Das Elterngeld bei Teilzeit beträgt demnach ca. 550 Euro im Monat (= 65 Prozent von 850 Euro). Auf 6 Monate berechnet ergibt das 3315 Euro Elterngeld. Im Monat stehen dadurch insgesamt 550 Euro durch Einkommen + ca. 550 Euro Elterngeld zur Verfügung, also ca. 1100 Euro. Das Elterngeld für die gesamten zwölf Monate beträgt entsprechend 3315 Euro + 5460 Euro = 8775 Euro.

Kombination mit Elterngeld Plus

Das Elterngeld während voller Unterbrechung beträgt hier wie oben 910 Euro x 6 Monate = 5460 Euro. Bei einem gleichen angenommen Einkommen bei Teilzeit von 550 Euro im Monat gibt es nur Elterngeld Plus in Höhe von 455 Euro pro Monat (Höchstgrenze 910 Euro/2, da bei Elterngeld Plus halbiert) x 12 Monate = 5460 Euro. Monatlich insgesamt zur Verfügung stehen demnach 550 Euro + 455 Euro = 1005 Euro. Dies allerdings auf zwölf Monate und nicht nur sechs Monate bezogen, wodurch sich das Elterngeld Plus für 18 Monate auf 5460 Euro + 5460 Euro = 10920 Euro summiert.

Lohnt sich das Elterngeld Plus?

Der verlängerte Bezugszeitraum soll eine flexiblere Nutzung des Elterngelds ermöglichen. Vor allem Mütter, die bislang zu Hause blieben, sollen früher in ihren Beruf zurückkehren. Das Kind soll außerdem von mehr Zeit beider Eltern für seine Fürsorge und nicht nur eines Elternteils profitieren, wenn beide sich dazu auf eine dauerhafte Teilzeitarbeit verständigen. Das Bundesfamilienministerium erhofft sich dadurch auch mehr Gleichstellung und Partnerschaftlichkeit. Ob das in der Praxis so einfach funktioniert, ist eine andere Frage.

Die Frage, ob sich das Elterngeld Plus finanziell lohnt, lässt sich nur nach einer eingehenden Beschäftigung im jeweiligen Einzelfall beantworten. Eine hälftige Auszahlung des Elterngelds über einen längeren Zeitraum war auch beim Basis-Elterngeld auf Antrag bereits möglich und ist daher nicht komplett neu. Durch das Elterngeld Plus fällt diese Möglichkeit beim Basis-Elterngeld für ab Juli geborene Kinder allerdings weg. Eine Verlängerung ist nur über das Elterngeld Plus möglich. Neu ist dabei jedoch, dass zum Elterngeldbezug nun in allen Monaten die Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen. Die vorherige Regelung hatte insofern nur den Auszahlungszeitraum nicht aber den Bezugszeitraum verlängert.

Positiv zu bewerten sind die geringeren finanziellen Einbußen bei einer Teilzeittätigkeit beim Elterngeld Plus. Interessant ist in diesem Zusammenhang vor allem der Partnerschaftsbonus, der das Elterngeld quasi auf 36 Bezugsmonate ausdehnt. Hier muss es Eltern aber erst gelingen, die Anforderungen auch zu erfüllen. Insgesamt betrachtet ist das Elterngeld Plus für viele, denen es nützen soll, zu komplex. Das zeigen auch die über 450 Seiten umfassenden Richtlinien zum vergleichsweise kurz ausfallenden Elterngeldgesetz, das den Elterngeldstellen bei ihrer Arbeit helfen soll. Im Übrigen soll auch die notwendige Software noch nicht überall pünktlich zum Start des Elterngeld Plus betriebsbereit vorhanden sein, wie der MDR berichtet.

Im Hinterkopf behalten sollten Eltern auch, dass das Elterngeld zwar steuerfrei ist. Das ändert aber nichts daran, dass es dem Progressionsvorbehalt unterliegt und den maßgeblichen Steuersatz auf das Jahreseinkommen erhöhen kann. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet das: Bei 40.000 Euro Einkommen und 5.000 Euro Elterngeld im Jahr gilt der höhere Steuersatz für 45.000 Euro, der dann auf den Betrag von 40.000 Euro angewendet wird.

Welche Änderungen gibt es bei der Elternzeit für Eltern ab Juli geborener Kinder?

Auch die Elternzeit gestaltet sich für Eltern ab dem 1. Juli 2015 geborener Kinder flexibler. Sie lässt sich künftig in drei statt zwei Abschnitte einteilen. Bis zu zwei Jahre der maximal drei Jahre dauernden Elternzeit lassen sich nun auch zwischen dem dritten und achten Lebensjahr des Kindes nehmen. Bisher war nur ein Jahr möglich. Obendrein entfällt die hierfür notwendige Zustimmung des Arbeitgebers. Die Elternzeit vor dem dritten Lebensjahr müssen Beschäftigte wie bisher spätestens sieben Wochen vor ihrem Beginn bei ihrem Arbeitgeber schriftlich anmelden. Bei unmittelbar nach der Geburt genommener Elternzeit muss dies innerhalb von zwei Wochen nach der Entbindung geschehen. Für die geänderte Elternzeit nach dem dritten Lebensjahr gilt nun allerdings eine Frist von 13 statt von sieben Wochen.

(GUE)

Foto : ©Fotolia.com/Marco2811


Rechtstipp vom 01.07.2015
aus den Rechtsgebieten Arbeitsrecht, Sozialrecht

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