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Kreuzfahrt – welche Rechte haben Reisende?

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Kreuzfahrt – welche Rechte haben Reisende?
Für viele ist eine Schiffreise die Möglichkeit schlechthin, andere Länder und Kulturen kennenzulernen.

Sommerzeit ist Reisezeit: Der eine freut sich auf seinen Abenteuer-Urlaub, der andere auf seine Städtereise und wiederum ein anderer auf seine Kreuzfahrt. Hier ist aber problematisch, dass die Urlauber mit Ausnahme der Landgänge auf dem Schiff „festsitzen“. Ist man mit dem Essen, der Kabine oder den Mitreisenden unzufrieden, kann man also nicht einfach seine Koffer packen und umziehen. Doch kann ein betroffener Passagier dann wenigstens den Reisepreis mindern?

Reise verläuft nicht wie geplant

Nicht immer entspricht der Urlaub den eigenen Vorstellungen. Aber nur, wenn die Reise negativ vom vertraglich vereinbarten Umfang bzw. Inhalt abweicht, liegt ein Mangel vor, aufgrund dessen sich der Reisepreis mindert, vgl. § 651d Bürgerliches Gesetzbuch (BGB).

Wie berechnet sich der Minderungsbetrag?

Eine Kreuzfahrt besteht aus vielen verschiedenen Leistungen, z. B. vereinbarte Route, Landgänge, Animationen, Ausstattung des Schiffs bzw. der Kabine oder Dauer der Fahrt. Deshalb wird bei der Ermittlung der Reisepreisminderung zunächst der Gesamtreisepreis der Fahrt als Berechnungsgrundlage herangezogen und durch die Anzahl der Reisetage geteilt. Damit hat man den sog. Tagesgesamtpreis. Hiervon wird je nach Art und Schwere des Mangels der prozentuale Abschlag abgezogen und mit den Tagen multipliziert, an denen die Reise mangelhaft war.

Berechnungsbeispiel

An zwei Tagen einer 14-tägigen Kreuzfahrt, die insgesamt 2000 Euro pro Person gekostet hat, ist die Reise mangelhaft, was eine Reisepreisminderung von 20 % rechtfertigt. Der Tagesgesamtpreis beträgt hier 142,85 Euro (2000 Euro : 14). Für die beiden mangelhaften Reisetage kann der Preis somit um ca. 57 Euro (20 % von 142,85 Euro x 2) gemindert werden.

Schiff verpasst – was nun?

Läuft das Schiff ohne den Pauschalurlauber aus – weil z. B. sein Flieger Verspätung hat oder er mit dem Transferfahrzeug im Stau steht – und trägt er keine Schuld an dem Schlamassel, kann er für die Tage den Reisepreis mindern, an denen er zu spät an Bord gehen konnte.

Übrigens: Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreude wird der Reisende hier aber eher nicht bekommen – denn er müsste nachweisen können, dass der Urlaub durch das verspätete Eintreffen auf dem Schiff erheblich beeinträchtigt war und der Reiseveranstalter dies zu vertreten hatte (AG Rostock, Urteil v. 28.01.2015, Az.: 47 C 181/14).

Falsche Kabine bekommen?

Hat der Passagier es nach all den Strapazen endlich zu seiner Kabine geschafft, wartet oftmals der nächste Schock auf ihn. Die Kabine sieht ganz anders aus als die gebuchte. Doch was kann der Urlauber jetzt tun?

Kabine zu klein

Schiffskabinen sind in der Regel nicht sehr groß. Dennoch kann der Passagier erwarten, dass die Ausstattung der vertraglich vereinbarten entspricht. Müssen sich z. B. vier Personen dabei in eine 9 m² kleine Kabine zwängen, ist das schon sehr unangenehm – sie dürfen den Reisepreis daher geringfügig mindern.

Kabine für Behinderte muss behindertengerecht sein

Auch gehbehinderte Schiffsgäste sowie ihre jeweilige Begleitperson können den Reisepreis mindern, wenn sie nicht – wie verlangt – eine rollstuhlgerechte Kabine vorfinden, sondern eine Unterkunft, deren Eingangs- und Badezimmertür zu schmal für den Rollstuhl sind.

Kein Ausblick aufs Meer?

Eine Minderung des Reisepreises um ca. 15 % ist des Weiteren möglich, wenn der Urlauber nicht die gebuchte Außenkabine mit Meerblick bekommt, sondern eine Kabine, die lediglich eine Aussicht auf die blanke Schiffswand verspricht.

Upgrade als Reisemangel?

Sogar ein Upgrade kann einen Reisemangel darstellen. Wird dem Urlauber etwa eine größere Kabine samt Zugang zu einem Sonnendeck – zu dem aber mehrere Fahrgäste Zutritt haben – zugeteilt, obwohl er eine kleinere Kabine gebucht hat, die jedoch über einen Privatbalkon verfügt und bei der man vom Bett aus das Meer sehen kann, ist eine Reisepreisminderung von 10 % möglich. Die größere Kabine kompensiert nämlich nicht die Nachteile, auf einen Privatbalkon verzichten zu müssen sowie die Tatsache, vom Bett aus das Meer nicht sehen zu können (AG Rostock, Urteil v. 16.10.2015, Az.: 47 C 180/15).

Plötzliche Änderung der Reiseroute erlaubt?

Oft fährt der Schiffskapitän – z. B. wegen Hurrikans oder politischen Unruhen im Zielland – einen Hafen nicht an oder er ändert die Route erheblich. Das kann im Einzelfall sogar zulässig sein – aber nur, wenn sich der Reiseveranstalter in den Reisebedingungen das Recht zur Änderung wirksam vorbehalten hat.

So darf er die Reiseroute insbesondere nicht willkürlich ändern und den Gesamtzuschnitt der Fahrt nicht komplett auf den Kopf stellen – also nicht einfach nach Florida statt in die Arktis fahren –, vgl. etwa AG Rostock, Urteil v. 27.03.2015, Az.: 47 C 415/14. Ferner darf die erhebliche Änderung für den Reisenden nicht unzumutbar sein. Das wäre aber der Fall, wenn es nur deshalb zu der Änderung gekommen ist, weil der Reiseveranstalter Probleme – z. B. mit einem Vertragspartner – hatte (AG Rostock, Urteil v. 09.03.2011, Az.: 47 C 400/10).

Wurde der Änderungsvorbehalt dagegen nicht – wirksam – vereinbart, kann sich der Reisepreis bei Nichtanlaufen eines Hafens oder einer Routenänderung durchaus um ca. 10 % bis 60 % vom Tagesgesamtpreis mindern, vgl. unter anderem LG Frankfurt a. M., Urteil v. 08.06.2016, Az.: 2-24 O 298/15 oder auch ein Urteil des AG München v. 26.03.2015, Az.: 275 C 27977/14, das jedoch nur eine Reisepreisminderung von 30 % für eine erhebliche Routenänderung zuließ.

Kreuzfahrt ohne Gepäck zumutbar?

Meist buchen die Urlauber eine Pauschalreise, die nicht nur die Kreuzfahrt samt Landgängen beinhaltet, sondern auch den Flug bzw. Transfer zum und vom Hafen. Nicht selten geht auf dem Weg Gepäck – z. B. am Flughafen – verloren, das dann nachgeschifft werden muss. In dieser verspäteten Anlieferung ist allerdings ein Mangel nach § 651c I BGB zu sehen, der gewöhnlich eine Reisepreisminderung von 20 bis 30 % für jeden Urlaubstag rechtfertigt, an dem der Betroffene nicht über sein Gepäck verfügte.

Anderes gilt jedoch, wenn er noch während der Kreuzfahrt auf seinem Bordguthaben eine Summe in Höhe des Minderungsbetrags gutgeschrieben bekommt, um sich auf dem Schiff z. B. Hygieneartikel und Kleidung zu kaufen (AG Rostock, Urteil v. 03.08.2016, Az.: 47 C 103/16).

Wie viel Lärm ist an Bord erlaubt?

Grundsätzlich ist mit einem gewissen Lärmpegel an Bord zu rechnen. Schließlich sind einige hundert bzw. tausend Passagiere auf engstem Raum untergebracht. Hinzu kommt, dass die Zeit zwischen Landausflügen regelmäßig mit Shows oder Animationen „überbrückt“ wird, was ebenfalls mit Lärm verbunden ist. Der muss auch von ruhebedürftigen Urlaubern geduldet werden, solange er nicht über Mitternacht hinaus andauert oder lauter ist, als bei einem derartigen Unterhaltungsprogramm üblich. Auch einmalige Vorkommnisse, z. B. die Benutzung eines Hochdruckreinigers am frühen Morgen, rechtfertigen generell keine Minderung (AG Wiesbaden, Urteil v. 26.03.2015, Az.: 92 C 4334/14).

Lärm, der durch Schiffsturbinen oder andere technische Einrichtungen des Schiffs hervorgerufen wird, stellt nur dann einen Mangel dar, wenn er über das übliche Maß hinausgeht. Das ist der Fall, wenn das Gerät normalerweise, also bei ordnungsgemäßer Funktionsweise, leiser wäre. Gewisse – vor allem schiffstypische – Geräusche sind demnach hinzunehmen (AG Rostock, Urteil v. 25.09.2015, Az.: 47 C 76/15).

Wenn einem das Essen nicht schmeckt bzw. bekommt

Auch beim Essen auf hoher See kommt es immer wieder zu Problemen. Ist es etwa ungenießbar oder auch kalt, mindert sich der Reisepreis geringfügig.

Behauptet ein Urlauber, sich beim Schiffsessen eine Salmonellenerkrankung „geholt“ zu haben, könnte auch hier eine Reisepreisminderung und sogar ein Anspruch auf Schadensersatz und/oder Schmerzensgeld bestehen. Allerdings müsste dann zweifelsfrei feststehen, dass die Erkrankung auf mangelnde Hygiene an Bord zurückzuführen war und der Reiseveranstalter dies zu vertreten hatte.

Hier ist problematisch, das regelmäßig auch andere Ursachen für eine derartige Erkrankung in Betracht kommen – z. B. die Ansteckung bei einem Mitreisenden oder während eines Landgangs. Leiden aber plötzlich mehrere Urlauber auf einem Kreuzfahrtschiff an derselben Krankheit, könnte das ein Indiz für eine Ansteckung an Bord sein (AG Rostock, Urteil v. 12.07.2013, Az.: 47 C 402/12).

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(VOI)

Foto : Fotolia.com/Mariusz Blach


Rechtstipp vom 10.08.2017
aus dem Rechtsgebiet Reiserecht

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