Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen
Teilen

E-Mail

Facebook

Twitter

LinkedIn

Xing

Link

Die englische private company limited by shares (Ltd.)

(27)

Die Vorteile der Ltd. liegen auf der Hand:  

  • International bekannt und anerkannt
  • Geringe Gründungskosten und kurze Gründungsdauer
  • Unbürokratische Verwaltung
  • Niedriges Stammkapital
  • Haftungsbeschränkung für Gesellschafter und Geschäftsführer

1.    Die Ltd. ist die weltweit verbreiteste Rechtsform.

Große Unternehmen firmieren schon seit langem in der Rechtsform der Ltd. und genießen vor allem im Ausland den Vertrauensbonus der Bekanntheit dieser Rechtsform, welcher u.a. in Wettbewerbssituationen wie etwa bei Ausschreibungen immer wieder deutlich wird.

2.      Die Gründung erfolgt unkompliziert und in der Regel innerhalb einer Woche.

Die Gründungs- und Folgekosten sind gering. Satzungsänderungen oder Anteilsübertragungen bedürfen nicht der notariellen Beurkundung. Englische Fachleute wie Steuerberater oder Rechtsanwälte werden nicht benötigt. 

 3.      Das Grundkapital beträgt ab 100,00 engl. Pf.

(gesetzlich ab 1,00 engl. Pfund, in der Praxis verlangt das englische Handelsregister (Companies House of Cardiff) aber mind. 100,00 engl. Pf.)  

4.        Die Kreditgewährung hängt genauso wie bei der GmbH von der Stellung entsprechender Sicherheiten (Grundpfandrechte, persönliche Bürgschaften) ab.

Das geringe Grundkapital spielt bei der Kreditvergabe keine Rolle, da auch das wesentlich höhere Stammkapital der GmbH im Insolvenzfall in der Regel aufgebraucht ist. 

5.            Steuerlich betrachtet ist die Gründung einer Ltd. & Co KG überlegenswert.

Zweigniederlassungen und Tochtergesellschaften sind innerhalb der EU schnell und unkompliziert zu gründen wodurch steuerlich günstige Holdingstrukturen geschaffen werden können.

6.            Durch die gefestigte Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs und des Europäischen Gerichtshofs besteht nunmehr eine Rechtssicherheit für die  entscheidenden Fragen:

So ist zum einen entschieden, dass die nach englischem Recht gegründete Ltd. mit Niederlassungssitz in Deutschland dieselben Rechte und Pflichten wie eine deutsche GmbH hat. Ferner haftet der Geschäftführer der Ltd. nur nach englischem Recht und somit trotz der geringen Kapitaldeckung - außer in Missbrauchsfällen - nicht persönlich. (Diese Haftungsprivilegierung der Ltd. ist durch die umfassende, strikt umgesetzte Publizität begründet. Die Gesellschaftsverhältnisse sind über das Internet beim Companies House einsehbar.)  

7.      Die Arbeitsverhältnisse, sonstige Vertragsverhältnisse, auch die Durchführung des Insolvenzverfahrens unterliegen deutschem Recht. Das deutsche Mitbestimmungsgesetz gilt dagegen nicht. 

8.      Im Ergebnis wird man sagen können, dass die Ltd. heute vor allem für Unternehmen mit Auslandsbezug eine echte Alternative darstellt. Der Verwaltungsmehraufwand ist im Verhältnis zu den Marktvorteilen vernachlässigenswert.

Dennoch ist es empfehlenswert sich vor der Gründung einer Ltd. ebenso wie vor der Gründung einer GmbH entsprechenden Rat über die Rechte und Pflichten der Gesellschaft einzuholen. Obwohl zwar einiges bei der Ltd. einfacher zu handhaben ist und Haftungsfallen wie etwa die verschleierte Sacheinlage, Unterbilanzhaftung, eigenkapitalersetzende Darlehen u.Ä. bei der Ltd. nicht bestehen, ist doch dringend anzuraten, die nach englischem Recht vorgeschriebenen Informationspflichten gegenüber dem englischen Handelsregister ernst zu nehmen, da dieses seine Aufsichtspflichten  ebenfalls ernst nimmt und in diesem Zusammenhang über umfassende Sanktionsrechte bis hin zur Zwangslöschung der Ltd. verfügt.

Deswegen ist es u.a. empfehlenswert, den Schriftverkehr mit dem Companies House durch einen professionellen Secretary abwickeln zu lassen. Obwohl das geringe Haftungskapital im Ergebnis kaum eine Rolle spielen wird, ist im Falle des Vermögensverfalls weiter zu beachten, dass es auch im englischen Recht Haftungstatbestände für den Geschäftführer gibt, welche im  Missbrauchsfalle eine Durchgriffshaftung statuieren. Auch aus diesem Grunde sollte sich der künftige Geschäftführer (director) kundig machen und die Führung der Ltd. mit der gebotenen Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns verfolgen. 

Weiterhin unbeantwortet bleibt die Frage der Sozialversicherungspflicht: 

Waren bisher die Ltd.-Geschäftsführer in der Regel nicht sozialversicherungspflichtig, wurde dies nun durch das Urteil des Bundessozialgerichts vom 24.11.05 in Frage gestellt. Obwohl die deutsche Rentenversicherung Bund zwischenzeitlich erklärt hat, sie werde die Entscheidung nicht über den Einzelfall hinaus anwenden, besteht die versicherungsrechtliche Problematik für die sog. arbeitnehmerähnlichen Selbständigen Gesellschafter/Geschäftsführer einer Einmann-GmbH oder  -Ltd. fort, welche ihrerseits nur einen Kunden hat. Hier sollten gegebenenfalls andere Auswege aus der Versicherungspflicht gesucht werden.  

Angelika Werb-Welter

Dipl.-Ökonomin, Rechtsanwältin

Bahnhofstr. 18, 86150 Augsburg, Tel. 0821-44 42 44 0


Rechtstipp aus den Rechtsgebieten Handelsrecht & Gesellschaftsrecht, Insolvenzrecht

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Alle Rechtstipps von Kanzlei Werb-Welter

Newsletter

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.