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Anklageschrift erhalten – was tun nach Erhalt einer Anklage?

Rechtstipp vom 22.01.2019
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Rechtstipp vom 22.01.2019
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Nach Zustellung einer Anklageschrift (erfolgt immer förmlich im gelben Couvert), sollte man sich sofort an einen ausgewiesenen Fachanwalt für Strafrecht wenden – am besten mit speziellem Schwerpunkt im entsprechendem Fachbereich (z. B. Revisionsrecht, Sexualstrafrecht, BtM-Recht, Verkehrsrecht, Waffenrecht, Berufsstrafrecht, Wirtschaftsstrafrecht, Medizinstrafrecht etc.).

In jedem Fall muss man schnell handeln, da die Möglichkeiten, das Strafverfahren ggf. noch abzuwehren und hierzu ggf. entsprechende Beweismittel zu benennen, nur binnen sehr kurzer Frist (meist 1-2 Wochen) offen stehen (vgl. oben).

Wird man zeitgleich mit Anklagezustellung aufgefordert, einen Pflichtverteidiger zu benennen, so ist damit kein spezieller (auf Pflichtverteidigungen spezialisierter) Anwalt gemeint. Vielmehr bedeutet dies, dass das Gericht nach erster Bewertung der Aktenlage davon ausgeht, dass die Straferwartung im Falle einer Verurteilung mehr als 6 Monate betragen könnte und das Gesetz es daher als verpflichtend sieht, dass man in dem Fall einen Anwalt (Verteidiger) beiseite hat (daher der Begriff Pflichtverteidiger). Die Benennung eines Pflichtverteidigers, der übrigens jeder beliebige Anwalt sein kann, ist daher nur nötig, falls noch kein Anwalt für einen tätig ist oder man keinen Anwalt umgehend selbst beauftragt (sog. Wahlverteidiger).

In diesem Zusammenhang ist dringend darauf hinzuweisen, sich seinen Anwalt unbedingt selbst zu suchen und dies – sofern noch nicht geschehen – binnen weniger Tage zu tun. Denn unterlässt man es, dem Gericht mitzuteilen, von wem man vertreten wird oder gerne vertreten werden möchte, ordnet das Gericht einen Verteidiger bei und dabei nicht selten einen Anwalt, der dem Gericht keine Schwierigkeiten macht (meist weil er wirtschaftlich auf solche Beiordnungen angewiesen ist).

Kontaktieren Sie daher unbedingt selbst einen erfahrenen Strafverteidiger. Sie sind bei der Wahl Ihres (Pflicht-)Verteidigers nicht beschränkt, auch nicht auf Rechtsanwälte aus dem Gerichtsbezirk. Die meisten renommierten Verteidiger sind daher bundesweit tätig, in geeigneten Fällen auch als Pflichtverteidiger.

Auch ein Anwaltswechsel ist zu diesem Zeitpunkt jederzeit möglich, sofern man bereits anwaltlich vertreten ist. Es ist auch jederzeit möglich, einen zusätzlichen Anwalt in einem Strafverfahren zu mandatieren – man kann sich vor Gericht von bis zu 3 selbst gewählten Anwälten vertreten lassen, zusätzlich zum etwaigen Pflichtverteidiger. Aber auch eine unverbindlich eingeholte Zweitmeinung kann helfen, um sich einen klaren Überblick über die eigene Situation und die Handlungsoptionen zu verschaffen.

Die dem Gericht von der Staatsanwaltschaft übermittelte Anklage muss zudem – wie bereits ausgeführt – zunächst vom Gericht im Rahmen des sogenannten „Zwischenverfahrens“ geprüft werden, bevor es darüber entscheidet, ob es die Anklage zulassen und die zur Last gelegte(n) Tat(en) in einem öffentlichen Gerichtsverfahren verhandeln will.

Mit Zustellung der Anklageschrift erhält man daher die Möglichkeit, sich zu dieser zu äußern und entlastende Beweiserhebungen zu beantragen, beispielsweise Zeugen zu benennen. Wie oben gezeigt, ist die Frist hierzu sehr kurz (meist 1-2 Wochen), wobei man aus der zugestellten Anklageschrift selbst in den seltensten Fällen erkennen wird, was für einen „entlastend“ ist und ob eine Einlassung zu diesem Zeitpunkt tatsächlich zielführend ist. Solcherlei Überlegungen lassen sich ausnahmslos anhand der vollständigen Ermittlungsakte anstellen, die wiederum nur der Verteidiger beantragen kann.

Ein Grund mehr also, möglichst umgehend anwaltlichen Rat einzuholen und diesen zu bitten, zeitnah Akteneinsicht (ggf. mit Verlängerung der Erklärungsfrist) zu beantragen.

Erst nach erfolgter Akteneinsicht kann eine effektive Verteidigung maßgeschneidert werden.

Auf keinen Fall dürfen – gerade bei schwerwiegenden Vorwürfen – aus der Anklageschrift benannte oder andere potenzielle Zeugen vom Angeschuldigten selbst kontaktiert werden, da ansonsten sogar Untersuchungshaft droht!

Erliegen Sie auch keinesfalls der Versuchung, mit einem Brief oder Anruf bei Polizei, Staatsanwaltschaft oder Gericht alles „klarstellen“ zu wollen. Stattdessen sollten Sie sich an einen Strafverteidiger wenden und nach erfolgter Akteneinsicht gemeinsam mit diesem eine erfolgsversprechende Verteidigungsstrategie entwickeln.

Kanzlei Stevens-Betz-Müller-Zenger GbR

Unsere Kanzlei hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit engagierter, seriöser, und sachkundiger Expertise sämtliche rechtlichen Möglichkeiten des Strafverfahrens auszuschöpfen und hierfür hocheffektive Verteidigungsstrategien zu entwickeln, die gerade auch auf die typischen Schwachpunkte des Justizsystems zielen. Denn man darf nicht verkennen, dass es im Strafrecht für den Betroffenen um viel, wenn nicht sogar um alles geht – schließlich kennt kein anderes Rechtsgebiet so scharfe Sanktionen bis hin zur lebenslangen Freiheitsstrafe.

Umso wichtiger ist für uns gerade in Fällen, in welchen sich das Gericht entgegen der tatsächlichen Beweislage auf sturem „Verurteilungskurs“ befindet, alle rechtsstaatlichen Register zu ziehen – selbst wenn dies nur mit umfangreichen Beweisanträgen oder gar Befangenheitsanträgen gegen die erkennenden Richter zu erreichen ist. Denn eine sachgerechte und effektive Verteidigung darf den notwendigen Konflikt mit der Justiz nicht scheuen, ist aber auf keinen Fall gleichzusetzen mit aggressivem Aktionismus! Unser Erfolg gründet sich vielmehr auf einer der individuellen Fallkonstellation angepassten zielgerichteten Mischung aus notwendiger Härte und kluger Diplomatie.

Kernpunkt unserer Erfolgsstrategie – sowohl in der Strafverteidigung als auch bei den Rechtsmitteln – ist unsere extrem enge Spezialisierung. Nicht nur sind wir ausschließlich auf das Strafrecht spezialisiert, jeder unserer Anwälte konzentriert sich darüber hinaus auf einzelne Teilbereiche des Strafrechts mit zentralen Schlüsselqualifikationen: So arbeiten in unserer Kanzlei neben Fachanwälten für Strafrecht und einem ehemaligen Staatsanwalt vor allem in der Wissenschaft tätige Anwälte (u. a. deutsche Richterakademie), um gerade für die komplexen Spezialgebiete des Strafrechts optimal aufgestellt zu sein.

Mit unserer Erfahrung und Qualifikation sowie konfrontativen Prozessanwälten nebst ehemaligem Staatsanwalt, erzielen wir daher regelmäßig überdurchschnittliche Ergebnisse: https://verteidigung-strafrecht.de/erfolge.


Rechtstipp aus der Themenwelt Strafrechtliche Ermittlungen und Strafprozess und dem Rechtsgebiet Strafrecht

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