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Mediation: Das Wichtigste zur Konfliktbeilegung im Überblick

Ist eine Meinungsverschiedenheit bzw. ein Streit zwischen Ihnen und einer weiteren Person entstanden, sollte dieser Konflikt so schnell wie möglich wieder gelöst werden. Mediation dient zur Streitbeilegung ohne ein Gerichtsverfahren. Was darunter zu verstehen ist, welche Rolle dem Mediator zukommt und wie eine Mediation abläuft, erfahren Sie hier.

Die wichtigsten Fakten

  • Mediation ist eine außergerichtliche Konfliktbeilegung.
  • Mittels einer Mediation kann ein zeit- und kostenintensives gerichtliches Verfahren abgewendet werden.
  • Der Mediator unterstützt als neutraler und unabhängiger Dritter die Konfliktlösung.
  • Er trifft keine eigenen Entscheidungen hinsichtlich des Konflikts, sondern übernimmt lediglich die Verantwortung für das Verfahren.
  • Bevor die Mediation beginnt, wird zwischen dem Mediator und den Parteien eine sogenannte Mediationsvereinbarung geschlossen.
  • Das Ende der Mediation wird durch die Abschlussvereinbarung besiegelt.
  • Die rechtliche Grundlage der Mediation bildet das Mediationsgesetz (MediationsG).

So gehen Sie vor

  1. Zeigen Sie sich zunächst kompromissbereit, den Konflikt mittels einer Mediation lösen zu wollen.
  2. Wählen Sie und die andere Konfliktpartei einen geeigneten Mediator aus, der die Mediation begleiten soll.
  3. Schließen Sie zusammen mit der anderen Streitpartei und dem Mediator eine Mediationsvereinbarung.
  4. Stellen Sie im Rahmen der Mediation Ihren jeweiligen Standpunkt dar und ermitteln Sie Ihre Interessen sowie Ihre Position.
  5. Erarbeiten Sie gemeinsam mit dem anderen Beteiligten und dem Mediator Lösungswege.
  6. Halten Sie zusammen mit der anderen Konfliktpartei Ihre Ergebnisse und Lösungen am Ende der Mediation in einer Abschlussvereinbarung fest.
  7. Lassen Sie diese Vereinbarung gegebenenfalls von einem versierten Anwalt bzw. einer versierten Anwältin prüfen.

Was ist unter Mediation zu verstehen?

Mediation ist eine außergerichtliche konstruktive Streitbeilegung, die ein unabhängiger Dritter, der Mediator, begleitet, um zufriedenstellende Lösungen mit den Konfliktparteien, den sogenannten Medianten, zu erarbeiten. Dabei sollten sich die Beteiligten kompromissbereit zeigen.

Die Mediation ist durch das 2012 in Kraft getretene Mediationsgesetz – MediationsG – geregelt.

Sie basiert im Grunde genommen auf Freiwilligkeit. Das bedeutet, nicht nur die Medianten, sondern auch der Mediator selbst kann die Mediation jederzeit beenden, wenn keine Lösung des Konflikts in Sicht ist. Dies ist in § 2 Abs. 5 MediationsG festgesetzt.

Der große Vorteil einer Mediation besteht darin, dass ein meist teures und zeitintensives Verfahren vor Gericht abgewendet werden kann.

Für welche Bereiche ist eine Mediation geeignet?

Die Anwendungsgebiete für eine Mediation sind vielfältig. Zu den häufigsten zählen unter anderem:

  • Familie und Ehe – im Rahmen einer Familien-Mediation
  • Nachbarschaft
  • Schule
  • Mietverhältnis
  • Unternehmensnachfolge – im Rahmen einer Wirtschaftsmediation
  • Täter-Opfer-Ausgleich

Welche Aufgaben und Pflichten hat der Mediator?

Der Mediator unterstützt im Rahmen einer Mediation zwei streitende Parteien bei der Konfliktlösung sowie bei der Konsensfindung. Er tritt als neutraler und unabhängiger Dritter auf. Der professionelle Streitschlichter trifft während der Mediation keine Entscheidungen, jedoch zeigt er den streitenden Parteien Lösungswege auf. Sein Ziel besteht darin, dass die Beteiligten wieder miteinander konstruktive Gespräche führen.

Der Mediator muss darauf achten, dass keine Partei übervorteilt wird und dass eine faire und offene Kommunikation entsteht. In diesem Zusammenhang ist es ihm nicht erlaubt, Entscheidungen für die Konfliktparteien zu treffen – sie erarbeiten selbstständig Lösungen.

Der Streitschlichter hat im Mediationsverfahren unterschiedliche Pflichten zu erfüllen: die Informations-, Offenbarungs- und Hinweispflicht. Darüber hinaus trifft den Mediator gemäß § 4 MediationsG eine Verschwiegenheitspflicht. Das bedeutet, alle im Rahmen der Mediation geführten Gespräche sind streng vertraulich. Der Streitschlichter kann folglich vor Gericht nicht als Zeuge auftreten und aussagen.

Die Berufsbezeichnung „Mediator“ ist rechtlich nicht geschützt. § 5 Abs. 2 MediationsG regelt, dass sich eine Person als zertifizierter Mediator bezeichnen kann, wenn er eine qualifizierte Ausbildung zum Mediator abgeschlossen hat.

Der Mediator wird von beiden Konfliktparteien ausgewählt. Um einen geeigneten professionellen Streitschlichter zu finden, führen einige regionale und überregionale Verbände und Vereine, die im Bereich der Mediation tätig sind, Mediatorenregister. Diese stehen meist online zur Verfügung.

Wissenswertes zur Mediationsvereinbarung

Die Mediationsvereinbarung ist ein zivilrechtlicher Vertrag, der zwischen dem Mediator und den beiden Konfliktparteien geschlossen wird. Das Vertragswerk enthält unter anderem folgende Regelungen:

  • Aufgaben und Pflichten der Medianten und des Mediators
  • Haftung des Streitschlichters
  • Ablauf der Mediation
  • Kosten des Verfahrens

Die Mediationsvereinbarung legitimiert den Mediator zur Durchführung der Mediation mit den beiden Parteien. Die Streitschlichtung beginnt mit der Unterzeichnung des Vertragsdokuments.

Wie ist der Ablauf einer Mediation?

Für den Ablauf einer Mediation existieren unterschiedliche Verfahren und Konzepte. Ein herkömmliches Mediationsverfahren besteht üblicherweise aus fünf Phasen.

In der ersten Phase werden die Konfliktparteien über das Mediationsverfahren und über die Rolle des Mediators in Kenntnis gesetzt. Darüber hinaus wird eine Mediationsvereinbarung geschlossen und das weitere Vorgehen besprochen.

In der zweiten Phase findet zunächst die sogenannte Themensammlung statt. Das bedeutet, die Beteiligten stellen ihre jeweiligen Streitpunkte dar, damit die Themen der Mediation zusammengestellt werden können. In der dritten Phase werden die verschiedenen Interessen und Positionen der Parteien ermittelt.

In der vierten Phase werden die Lösungen erarbeitet. Die letzte Phase stellt das Ende der Mediation dar. Die erarbeiteten Lösungen und erzielten Ergebnisse des Mediationsverfahrens werden in der Abschlussvereinbarung festgehalten.

Was ist in der Abschlussvereinbarung enthalten?

Neben der Mediationsvereinbarung wird im Zuge einer Mediation ein weiterer Vertrag geschlossen: die Abschlussvereinbarung. Unterzeichner sind ausschließlich die Medianten. Inhalt dieser Vereinbarung ist der gefundene Lösungsweg für den Konflikt.

Mittels der Abschlussvereinbarung sind die Medianten dazu verpflichtet, ihre zugesagten Leistungen zu erbringen und gleichzeitig die vereinbarten Verpflichtungen einzuhalten. Mit der Vereinbarung entsteht für die jeweils andere Partei ein rechtlicher Anspruch auf Erfüllung der Versprechen, die während der Mediation erarbeitet wurden.

Die Medianten können den Inhalt des Vertragswerkes selbst bestimmen. Trotzdem müssen sie dieses im Zweifelsfall von einem Anwalt prüfen lassen. Der Mediator ist verpflichtet, die Medianten darauf hinzuweisen, dass die Mediationsvereinbarung anwaltlich geprüft werden sollte.

Wenn Sie die Wahl hätten, welches Verfahren würden Sie bei einer rechtlichen Auseinandersetzung bevorzugen: ein Gerichtsverfahren oder ein Mediationsverfahren? (Quelle: Statista 2019)

Was ist unter dem Harvard-Konzept zu verstehen?

Im Rahmen des Mediationsverfahrens existiert das Harvard-Konzept. Es wurde von zwei Professoren an der Harvarduniversität entwickelt. Das Harvard-Konzept gilt als die bekannteste Methode des sogenannten sachgerechten Verhandelns. Es bietet den Konfliktparteien die Möglichkeit, eine konstruktive und friedliche Einigung zu erzielen. Das Konzept zielt darauf ab, eine sogenannte Win-win-Situation zu erwirken. Lösungen werden gesucht, die für die Beteiligten einen gleichwertigen Gewinn bedeuten.

Das Harvard-Konzept besteht aus insgesamt vier Grundannahmen:

I) Menschen und Probleme getrennt voneinander behandeln

II) Interessen der beiden Parteien in den Vordergrund rücken, nicht die Positionen

III) Verschiedene Lösungswege entwickeln

IV) Gemeinsam mit dem Verhandlungspartner Ergebnisse auf konstruktiver Grundlage finden

Was kostet eine Mediation?

Die Kosten einer Mediation variieren je nach Mediator und nach Einzelfall. In aller Regel erfolgt die Vergütung der Mediation nach Stundenhonoraren. In den meisten Fällen teilen sich die Medianten die anfallenden Kosten untereinander.

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