Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen

Mediation: Das Wichtigste zur Konfliktbeilegung im Überblick

  • 5 Minuten Lesezeit
  • (1)

Ist eine Meinungsverschiedenheit bzw. ein Streit zwischen Ihnen und einer weiteren Person entstanden, sollte dieser Konflikt so schnell wie möglich wieder gelöst werden. Mediation dient zur Streitbeilegung ohne ein Gerichtsverfahren. Was darunter zu verstehen ist, welche Rolle dem Mediator zukommt und wie eine Mediation abläuft, erfahren Sie hier.

Die wichtigsten Fakten

  • Mediation ist eine außergerichtliche Konfliktbeilegung.
  • Mittels einer Mediation kann ein zeit- und kostenintensives gerichtliches Verfahren abgewendet werden.
  • Der Mediator unterstützt als neutraler und unabhängiger Dritter die Konfliktlösung.
  • Er trifft keine eigenen Entscheidungen hinsichtlich des Konflikts, sondern übernimmt lediglich die Verantwortung für das Verfahren.
  • Bevor die Mediation beginnt, wird zwischen dem Mediator und den Parteien eine sogenannte Mediationsvereinbarung geschlossen.
  • Das Ende der Mediation wird durch die Abschlussvereinbarung besiegelt.
  • Die rechtliche Grundlage der Mediation bildet das Mediationsgesetz (MediationsG).

So gehen Sie vor

  1. Zeigen Sie sich zunächst kompromissbereit, den Konflikt mittels einer Mediation lösen zu wollen.
  2. Wählen Sie und die andere Konfliktpartei einen geeigneten Mediator aus, der die Mediation begleiten soll.
  3. Schließen Sie zusammen mit der anderen Streitpartei und dem Mediator eine Mediationsvereinbarung.
  4. Stellen Sie im Rahmen der Mediation Ihren jeweiligen Standpunkt dar und ermitteln Sie Ihre Interessen sowie Ihre Position.
  5. Erarbeiten Sie gemeinsam mit dem anderen Beteiligten und dem Mediator Lösungswege.
  6. Halten Sie zusammen mit der anderen Konfliktpartei Ihre Ergebnisse und Lösungen am Ende der Mediation in einer Abschlussvereinbarung fest.
  7. Lassen Sie diese Vereinbarung gegebenenfalls von einem versierten Anwalt bzw. einer versierten Anwältin prüfen.

Was ist unter Mediation zu verstehen?

Mediation ist eine außergerichtliche konstruktive Streitbeilegung, die ein unabhängiger Dritter, der Mediator, begleitet, um zufriedenstellende Lösungen mit den Konfliktparteien, den sogenannten Medianten, zu erarbeiten. Dabei sollten sich die Beteiligten kompromissbereit zeigen.

Die Mediation ist durch das 2012 in Kraft getretene Mediationsgesetz – MediationsG – geregelt.

Sie basiert im Grunde genommen auf Freiwilligkeit. Das bedeutet, nicht nur die Medianten, sondern auch der Mediator selbst kann die Mediation jederzeit beenden, wenn keine Lösung des Konflikts in Sicht ist. Dies ist in § 2 Abs. 5 MediationsG festgesetzt.

Der große Vorteil einer Mediation besteht darin, dass ein meist teures und zeitintensives Verfahren vor Gericht abgewendet werden kann.

Für welche Bereiche ist eine Mediation geeignet?

Die Anwendungsgebiete für eine Mediation sind vielfältig. Zu den häufigsten zählen unter anderem:

  • Familie und Ehe – im Rahmen einer Familien-Mediation
  • Nachbarschaft
  • Schule
  • Mietverhältnis
  • Unternehmensnachfolge – im Rahmen einer Wirtschaftsmediation
  • Täter-Opfer-Ausgleich

Welche Aufgaben und Pflichten hat der Mediator?

Der Mediator unterstützt im Rahmen einer Mediation zwei streitende Parteien bei der Konfliktlösung sowie bei der Konsensfindung. Er tritt als neutraler und unabhängiger Dritter auf. Der professionelle Streitschlichter trifft während der Mediation keine Entscheidungen, jedoch zeigt er den streitenden Parteien Lösungswege auf. Sein Ziel besteht darin, dass die Beteiligten wieder miteinander konstruktive Gespräche führen.

Der Mediator muss darauf achten, dass keine Partei übervorteilt wird und dass eine faire und offene Kommunikation entsteht. In diesem Zusammenhang ist es ihm nicht erlaubt, Entscheidungen für die Konfliktparteien zu treffen – sie erarbeiten selbstständig Lösungen.

Der Streitschlichter hat im Mediationsverfahren unterschiedliche Pflichten zu erfüllen: die Informations-, Offenbarungs- und Hinweispflicht. Darüber hinaus trifft den Mediator gemäß § 4 MediationsG eine Verschwiegenheitspflicht. Das bedeutet, alle im Rahmen der Mediation geführten Gespräche sind streng vertraulich. Der Streitschlichter kann folglich vor Gericht nicht als Zeuge auftreten und aussagen.

Die Berufsbezeichnung „Mediator“ ist rechtlich nicht geschützt. § 5 Abs. 2 MediationsG regelt, dass sich eine Person als zertifizierter Mediator bezeichnen kann, wenn er eine qualifizierte Ausbildung zum Mediator abgeschlossen hat.

Der Mediator wird von beiden Konfliktparteien ausgewählt. Um einen geeigneten professionellen Streitschlichter zu finden, führen einige regionale und überregionale Verbände und Vereine, die im Bereich der Mediation tätig sind, Mediatorenregister. Diese stehen meist online zur Verfügung.

Wissenswertes zur Mediationsvereinbarung

Die Mediationsvereinbarung ist ein zivilrechtlicher Vertrag, der zwischen dem Mediator und den beiden Konfliktparteien geschlossen wird. Das Vertragswerk enthält unter anderem folgende Regelungen:

  • Aufgaben und Pflichten der Medianten und des Mediators
  • Haftung des Streitschlichters
  • Ablauf der Mediation
  • Kosten des Verfahrens

Die Mediationsvereinbarung legitimiert den Mediator zur Durchführung der Mediation mit den beiden Parteien. Die Streitschlichtung beginnt mit der Unterzeichnung des Vertragsdokuments.

Wie ist der Ablauf einer Mediation?

Für den Ablauf einer Mediation existieren unterschiedliche Verfahren und Konzepte. Ein herkömmliches Mediationsverfahren besteht üblicherweise aus fünf Phasen.

In der ersten Phase werden die Konfliktparteien über das Mediationsverfahren und über die Rolle des Mediators in Kenntnis gesetzt. Darüber hinaus wird eine Mediationsvereinbarung geschlossen und das weitere Vorgehen besprochen.

In der zweiten Phase findet zunächst die sogenannte Themensammlung statt. Das bedeutet, die Beteiligten stellen ihre jeweiligen Streitpunkte dar, damit die Themen der Mediation zusammengestellt werden können. In der dritten Phase werden die verschiedenen Interessen und Positionen der Parteien ermittelt.

In der vierten Phase werden die Lösungen erarbeitet. Die letzte Phase stellt das Ende der Mediation dar. Die erarbeiteten Lösungen und erzielten Ergebnisse des Mediationsverfahrens werden in der Abschlussvereinbarung festgehalten.

Was ist in der Abschlussvereinbarung enthalten?

Neben der Mediationsvereinbarung wird im Zuge einer Mediation ein weiterer Vertrag geschlossen: die Abschlussvereinbarung. Unterzeichner sind ausschließlich die Medianten. Inhalt dieser Vereinbarung ist der gefundene Lösungsweg für den Konflikt.

Mittels der Abschlussvereinbarung sind die Medianten dazu verpflichtet, ihre zugesagten Leistungen zu erbringen und gleichzeitig die vereinbarten Verpflichtungen einzuhalten. Mit der Vereinbarung entsteht für die jeweils andere Partei ein rechtlicher Anspruch auf Erfüllung der Versprechen, die während der Mediation erarbeitet wurden.

Die Medianten können den Inhalt des Vertragswerkes selbst bestimmen. Trotzdem müssen sie dieses im Zweifelsfall von einem Anwalt prüfen lassen. Der Mediator ist verpflichtet, die Medianten darauf hinzuweisen, dass die Mediationsvereinbarung anwaltlich geprüft werden sollte.

Wenn Sie die Wahl hätten, welches Verfahren würden Sie bei einer rechtlichen Auseinandersetzung bevorzugen: ein Gerichtsverfahren oder ein Mediationsverfahren? (Quelle: Statista 2019)

Was ist unter dem Harvard-Konzept zu verstehen?

Im Rahmen des Mediationsverfahrens existiert das Harvard-Konzept. Es wurde von zwei Professoren an der Harvarduniversität entwickelt. Das Harvard-Konzept gilt als die bekannteste Methode des sogenannten sachgerechten Verhandelns. Es bietet den Konfliktparteien die Möglichkeit, eine konstruktive und friedliche Einigung zu erzielen. Das Konzept zielt darauf ab, eine sogenannte Win-win-Situation zu erwirken. Lösungen werden gesucht, die für die Beteiligten einen gleichwertigen Gewinn bedeuten.

Das Harvard-Konzept besteht aus insgesamt vier Grundannahmen:

I) Menschen und Probleme getrennt voneinander behandeln

II) Interessen der beiden Parteien in den Vordergrund rücken, nicht die Positionen

III) Verschiedene Lösungswege entwickeln

IV) Gemeinsam mit dem Verhandlungspartner Ergebnisse auf konstruktiver Grundlage finden

Was kostet eine Mediation?

Die Kosten einer Mediation variieren je nach Mediator und nach Einzelfall. In aller Regel erfolgt die Vergütung der Mediation nach Stundenhonoraren. In den meisten Fällen teilen sich die Medianten die anfallenden Kosten untereinander.


Artikel teilen:


Rechtstipps zu "Mediation"

  • Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Gottwald
    Als Anwalt in einer kleineren Kanzlei bekommt man manchmal Anfragen, da geht es um Sachverhalte, bei denen, juristisch ausgedrückt, der „Streitwert“ sehr gering ist. Für Nichtjuristen: Kleinkram, Pipi … Weiterlesen
  • Rechtsanwalt Detlev Böhm
    „Man mag sich durchaus im ersten Moment über den Titel wundern und fragen: Wozu brauche ich im Rahmen (m)einer Unternehmensnachfolge eine Mediation? Sicherlich zeigt die Praxis, dass das Hauptproblem …“ Weiterlesen
  • Rechtsanwalt Thomas Feil
    Falls Sie von Bitpanda aufgefordert worden sind, einen Mittelherkunftsnachweis (auch Herkunftsnachweis genannt) einzureichen, sollten Sie einen Rechtsanwalt einschalten. Aufgrund der Geldwäschegesetzg … Weiterlesen
  • Rechtsanwalt Thomas Feil
    Sie wurden von einer Kryptobörse oder einer Bank aufgefordert, einen Herkunftsnachweis zu erbringen? Dann sind Sie vermutlich verunsichert - vielleicht zu Recht, oder auch nicht. Es kommt sehr auf die … Weiterlesen
  • Rechtsanwalt Maximilian Strohmayer
    „… werden. Doch welche Alternativen gibt es? Die Antwort: Mediation! Unter Mediation versteht man ein strukturiertes und freiwilliges Verfahren, bei dem die Parteien eines Konflikts (auch Medianden …“ Weiterlesen
  • Rechtsanwältin Stephanie Kessenbrock
    „… der Eigenverantwortlichkeit der Kontrahenten das Verbot des Dritten, manipulativ in Lösungsprozesse einzugreifen oder aktiv Lösungsmöglichkeiten vorzuschlagen. Dieses Verfahren der Mediation unterscheidet …“ Weiterlesen
  • Rechtsanwältin Stephanie Kessenbrock
    Sie sind Gesellschafter und/oder Geschäftsführer einer GmbH? Dann sollten Sie eines unbedingt beachten: die Gesellschafterliste. Die Gesellschafterliste (GesL) hat durch das Inkrafttreten des GmbHG n. … Weiterlesen
  • Rechtsanwalt Maik Haim
    Nach einer Trennung der Eltern stellt sich häufig die Frage, wie oft und wie lange das umgangsberechtigte Elternteil sein Kind sehen darf. Im Bürgerlichen Gesetzbuch findet sich keine Regelung über Ze … Weiterlesen
  • Rechtsanwalt Maik Haim
    Mit dem Tod des Erblassers fällt die Erbschaft automatisch an die Erben. In den ersten 6 Wochen nach Kenntnis vom Anfall der Erbschaft kann der Erbe entscheiden, ob er diese annimmt oder ausschlägt. B … Weiterlesen
  • Rechtsanwältin Stephanie Kessenbrock
    Als Geschäftsführer einer GmbH oder auch einer anderen Kapitalgesellschaft haften Sie für die ordnungsgemäße Führung und Organisation der Gesellschaft. Dies bedeutet, dass Sie Ihre Entscheidungen nich … Weiterlesen
  • Rechtsanwältin Stephanie Kessenbrock
    Nun ist die EuGH-Rechtsprechung zur Kürzbarkeit von Urlaubsansprüchen während Kurzarbeit erstmalig durch ein deutsches Arbeitsgericht bestätigt worden (Urteil des LAG Düsseldorf vom 12.03.2021, Az: 6 … Weiterlesen
  • Rechtsanwalt Maik Haim
    Nach dem Gesetz hat jeder Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf ein Arbeitszeugnis. Einen Anspruch auf einen bestimmten Inhalt des Arbeitszeugnisses ergibt daraus nicht, was oft zu Streitigkeiten zwis … Weiterlesen
  • Rechtsanwalt Maik Haim
    Viele gehen davon aus, dass es bei einer Kündigungsschutzklage gegen die Kündigung des Arbeitsverhältnisses immer eine Abfindung gibt. Diese Auffassung entspricht jedoch nicht den rechtlichen Gegebenh … Weiterlesen
  • Rechtsanwalt Maik Haim
    Nach einer Scheidung stellt sich oft die Frage nach dem Zugewinnausgleich. Der Zugewinnausgleich bewirkt einen Ausgleich des während der Ehe geschaffenen Vermögens. Wurden keine anderen Vereinbarungen … Weiterlesen
  • Rechtsanwältin Isabel Fernández de Castillejo
    „… der Mediation hilfreich sein. Sollten Sie weitergehende Fragen zu dieser Thematik haben, beraten wir Sie mit unserer Expertise und langjähriger Erfahrung gern ausführlich.“ Weiterlesen
  • Rechtsanwalt & Schlichter FA Urheber-/Medienrecht Karsten Gulden LL.M.
    Es kracht im britischen Königshaus. Was ist passiert? Im aktuellen CBS-Fernsehinterview vom 07.03.2021 mit Prinz Harry und Herzogin Meghan wirft Meghan dem britischen Königshaus neben Rassismus aufgru … Weiterlesen
  • Rechtsanwalt Maik Haim
    Nach deutschem Recht kann eine Ehe nur geschieden werden, wenn beide Ehegatten mindestens 1 Jahr getrennt leben und die Ehe zerrüttet ist. Die Scheidung nach 1 Jahr Trennung ist nur im gegenseitigen E … Weiterlesen
  • Rechtsanwalt Sebastian Jäkel
    „… nicht kundtun möchte. Was gehen dem Gericht und der Presse die Umsätze und BWAs an? Hier bietet die Mediation viele Vorteile. Ein Mediationsverfahren ist immer mit einer Verschwiegenheitsvereinbarung …“ Weiterlesen
  • Rechtsanwalt Thorsten Haßiepen
    „… auch einmal eine Mediation suchen, um eine Vermittlung zu erhalten. Eine weitere Einschränkung in der eigentlich sehr überzeugenden Regelung ist der oben nicht angeführte Absatz 3 im Gesetz …“ Weiterlesen
  • Rechtsanwältin Stephanie Kessenbrock
    „… Prozess zu vernichten. Mit einer außergerichtlichen Mediation sparen sie also sowohl Kosten als auch Nerven und erhalten Ihre geschäftlichen Kontakte. Wenn Sie mehr über das Verfahren der Meditation …“ Weiterlesen
  • Rechtsanwältin Stephanie Kessenbrock
    Die neue SARS-CoV-2-Arbeitsschutzverordnung vom 21.01.2021 sieht vor, dass jeder Arbeitgeber gehalten ist, jeden einzelnen Arbeitsplatz dahingehend zu überprüfen, ob dieser auch in der Form des Home-O … Weiterlesen
  • Rechtsanwältin Maike Pia Pfeffer
    Was versteht man unter dem Begriff "Kindschaftssachen" ? Insbesondere sind davon die elterliche Sorge gemäß § 151 Nr.1 FamFG, das Umgangsrecht gemäß § 151 Nr.2 FamFG, die Kindesherausgabe gemäß § 151 … Weiterlesen
  • Rechtsanwältin Stephanie Kessenbrock
    „… genannten Punkten bietet die Mediation klare Vorteile. Hier bestimmen die Konfliktpartner selbst und eigenverantwortlich, wie das Verfahren laufen soll. Dies fängt bereits bei der gemeinsamen …“ Weiterlesen
  • Rechtsanwältin Stephanie Kessenbrock
    Unsere Praxis zeigt, dass Gesellschafter einer Personen- oder Kapitalgesellschaft aufgrund unzureichender vertraglicher Regelungen mit ihrer Unternehmung Schiffbruch erleiden. Auch werden gute Geschäf … Weiterlesen
  • Rechtsanwältin Stephanie Kessenbrock
    Viele Online-Händler sind von dem Abmahnungswahnsinn in den letzten Jahren betroffen. Kaum haben sie einen neuen Shop eröffnet, flattert schon die 1. Abmahnung ins Haus. Häufiger Angriffspunkt ist dab … Weiterlesen