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Fehler bei Errichtung eines notariellen Testaments in Spanien durch einen Deutschen

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Oftmals wird Ausländern von örtlichen Rechtsanwälten oder Notaren geraten, für das in Spanien-Vermögen ein gesondertes Testament vor einem spanischen Notar zu errichten. Der Beitrag zeigt auf, weswegen dies oftmals nicht zu empfehlen ist. 

Übersetzungsfehler

Viele Deutsche sprechen nicht ausreichend gut Spanisch um den Inhalt der Urkunde zu verstehen. In solchen Fällen ist zwingend ein Übersetzer hinzuzuziehen. Dabei kann entweder ein Simultan-Übersetzer zum Termin mitgenommen werden, der dann die Urkunde vor Ort übersetzt, oder es wird zweisprachig, tabellarisch beurkundet. Nach unserer Erfahrung kommt es leider immer wieder zu schwerwiegenden Übersetzungsfehlern. Diese können den Inhalt des erklären Willens des Testierenden im schlimmsten Fall verfälschen. Bei einer Simultan-Übersetzung sind solche Übersetzungsfehler später kaum noch nachweisbar, zumal der Übersetzer sicherlich nicht seinen Fehler einräumen wird. Gefährlich sind auch zweisprachige Testamente, da sich der Testierende sich oftmals in falscher Sicherheit wiegt. Er übersieht dann oft, dass die spanische Fassung von der deutschen Fassung abweicht. Aus spanischer Sicht ist aber die spanische Fassung maßgeblich, wenn nicht klar und unzweideutig nachgewiesen wird, dass die abweichende, deutsche Fassung gewollt war.

Mangelnde Kenntnis spanischer Notare vom deutschen Erbrecht

Oftmals ist im Hinblick auf den Nachlass eines Deutschen deutsches Erbrecht anzuwenden. Da die wenigsten spanischen Notare sich im deutschen Erbrecht auskennen, kann dies zu Fehlern führen. 

Beispiel 1: Die „Nießbrauchslösung“

Immer wieder kommt es vor, dass dem überlebenden Ehegatten ein Nießbrauch am gesamten spanischen Nachlass und den Kindern das „nackte Eigentum“ zugewandt wird. Der überlebende Ehegatte kann mit dem Nießbrauch relativ wenig anfangen, wenn er in Spanien nicht weiter leben will. Die Kinder stehen vor dem Problem, dass auf das nackte Eigentum spanische Erbschaftsteuer zahlen müssen, aber kein kurzfristig verwertbares Vermögen erhalten. Wenn sich die Familie nicht einigt, bleibt den Kindern oftmals nichts anders übrig, als die Erbschaft auszuschlagen und den Pflichtteil geltend zu machen. Dass dies nicht dem Familienfrieden dient, dürfte klar sein.

Beispiel 2: Das gemeinschaftliche Ehegatten-Testament

Wollen Eheleute ein „Berliner Testament“ errichten und bitten Sie den spanischen Notar um Beurkundung, wird dieser die Beurkundung in einer Urkunde ablehnen und anbieten, dass die Eheleute stattdessen inhaltsgleiche Testamente errichten. In diesem Fall besteht aber regelmäßig keine Bindungswirkung, womit der Wille der Eheleute oftmals nicht voll zur Geltung kommt.

Beispiel 3: Fehlender Berücksichtigung der Bindung des Testierenden durch Erbverträge und gemeinschaftliche Testamente

Spanische Notare treffen weniger Beratungs- und Aufklärungspflichten als deutsche Notare. Der der Urkunde zu Grunde zu legende Sachverhalt wird daher oftmals nicht erschöpfend ermittelt. Insbesondere die Bindungswirkung durch Erbverträge und wechselbezügliche Verfügungen in gemeinschaftlichen Testamenten werden oft übersehen.

Beispiel 4: Territoriale Beschränkung des Testaments auf Spanien

Spanische Notare beschränken die Wirkungen des spanischen notariellen Testaments oft auf das Spanien-Vermögen. Die Testierenden erkennen dies oft nicht und versäumen es so ein Testament für das Vermögen außerhalb Spaniens (z. B. Deutschland) zu errichten, sodass im Ausland gesetzliche Erbfolge eintritt.

Keine deutliche Unterscheidung zwischen Vermächtnis und Erbeinsetzung

Die Unterscheidung zwischen Vermächtnis und Erbeinsetzung ist im deutschen Erbrecht unter anderem deswegen wichtig, da in der Regel nur der Erbe für Nachlassverbindlichkeiten haftet. Ferner wird nur der Erbe im Erbschein aufgeführt und der Vermächtnisnehmer muss erst den Erben auf Erfüllung des Vermächtnisses in Anspruch nehmen. In spanischen notariellen Testamenten wird leider oft nicht deutlich gemacht, was gewollt ist. Dies führt dann zu überflüssigen Streitigkeiten. 

Keine Vereinfachung der Nachlassabwicklung

Oftmals wird ein gesondertes Testament für Spanien empfohlen, da hierdurch angeblich die Umschreibung des Grundbuchs im Erbfall schnell und kostengünstig möglich sein soll. In der Vergangenheit wurden tatsächlich meist spanische notarielle Testamente von spanischen Notaren und Registern ohne Vorlage eines Erbscheins akzeptiert, um ein Register (z. B. Grundbuch) umzuschreiben. In den letzten Jahren verlangen aber immer mehr Register auch bei Bestehen eines notariellen Testaments die Vorlage eines Erbscheins. Tatsächlich wird die Errichtung eines spanischen Testaments die Nachlassabwicklung daher eher erschweren, weil das spanische Testament z. B. im Rahmen des deutschen Nachlassverfahrens zu eröffnen ist. Hierzu muss zunächst eine beglaubigte Abschrift beschafft und übersetzt werden.


Rechtstipp vom 28.03.2012
Aktualisiert am 28.04.2017
aus der Themenwelt Alles rund ums Erbe und dem Rechtsgebiet Erbrecht | Spanisches Recht

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