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Widerrufsrecht bei Lebensversicherungen und Rentenversicherungen - mit "Widerrufsjoker" höhere Auszahlung

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Nach der Rechtsprechung des BGH können etwa 80 % der Lebens- und Rentenversicherungen, die zwischen 1994 und 2007 geschlossen wurden, heute noch widerrufen werden.

Nach einem Widerruf bekommen Sie alles, was Sie einbezahlt haben (auch die angefallenen Gebühren), zurück und dazu noch eine sehr attraktive Verzinsung von ca. 4 – 7 % pro Jahr. Abgezogen werden muss gegebenenfalls lediglich der Wert der Versicherungsleistung.

Ein Widerruf führt in vielen Fällen dazu, dass die Kunden 33 % mehr Geld zurückbekommen, als sie am Ende der Laufzeit erhalten hätten!

Besonders interessant ist der Widerspruch für all diejenigen, die aus den oftmals unrentablen Versicherungspolicen raus wollen und stattdessen beispielsweise mit einer Immobilie (bei den aktuellen Zinskonditionen von oftmals unter 1 %) für das Alter vorsorgen möchten.

Juristisch korrekt müsste man von einem Widerspruch (gegen den Versicherungsvertrag) anstatt von einem Widerruf sprechen, da die beiden Begriffe aber in der Sache auf dasselbe hinauslaufen, bleiben wir bei dem gängigeren und moderneren Begriff „Widerruf“.

Voraussetzung, damit Sie Ihre Lebens- oder Rentenversicherung heute noch widerrufen können, ist:

  1. Abschluss der Lebens- oder Rentenversicherung zwischen dem 29. Juli 1994 und dem 31. Dezember 2007.
  2. Die Widerrufsbelehrung war fehlerhaft oder fehlte ganz.

Welche Lebens- oder Rentenversicherungsarten sind betroffen?

Grundsätzlich sind alle Versicherungsarten umfasst. Sowohl Riester-Rentenversicherungen (sog. Förderrenten), Rürup-Rentenversicherungen (sog. Basisrentenversicherungen) und fondsgebundene Rentenversicherungen sind betroffen.

Wie finde ich heraus, ob die Widerrufsbelehrung fehlerhaft war?

Nach aktuellen fachkundigen Schätzungen sind 80 % der Widerrufsbelehrungen falsch. Die Prüfung ist nicht ganz einfach und sollte am besten durch einen Rechtsanwalt vorgenommen werden.

Folgende Dinge können Sie jedoch auch selbst prüfen:

  • In der Widerspruchsbelehrung muss stehen, dass es ausreicht, wenn Sie Ihren Widerspruch innerhalb der 30-Tage-Frist (14 Tage bei Verträgen mit Abschlussdatum vor dem 08.12.2004) absenden. Der Widerspruch muss nämlich nur innerhalb der Frist abgesendet werden, nicht aber eingehen!
  • Wenn Ihr Vertrag 2002 oder später abgeschlossen wurde, muss in der Widerspruchsbelehrung ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass Sie den Widerruf in Textform und nicht nur in Schriftform erklären können. Seit 2002 können Sie also per E-Mail widerrufen.
  • Die Widerspruchsbelehrung muss sich deutlich vom übrigen Text abheben und darf nicht ohne Hervorhebung in den Versicherungsbedingungen (dem „Kleingedruckten“) stehen.

Ich habe keine Widerrufsbelehrung, bin mir aber nicht sicher, ob ich damals eine bekommen habe! Was nun?

Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie keine Widerrufsbelehrung bekommen haben, muss Ihnen die Versicherung beweisen, dass Ihnen eine Widerrufsbelehrung zugegangen ist. Das bedeutet, die Versicherung muss nicht nur beweisen, dass Sie Ihnen eine Widerrufsbelehrung gesendet hat (Post, E-Mail, etc.), sondern auch, dass Sie die Widerrufsbelehrung erhalten haben. Dieser Beweis gelingt der Versicherung regelmäßig nur dann, wenn Sie für den Erhalt der Widerrufsbelehrung unterschrieben haben oder die Versicherung die Widerrufsbelehrung per Post-Einschreiben an Sie gesendet hat. Falls die Versicherung eine E-Mail gesendet haben sollte, ist es praktisch unmöglich deren Zugang zu beweisen.

Wieviel Geld bekomme ich zurück, wenn ich widerspreche?

Sie bekommen Ihre vollen Beiträge zuzüglich einer Verzinsung zurück. Abgezogen wird der Wert der Versicherung.

  • Sie bekommen alles, was Sie jemals an die Versicherung gezahlt haben zurück. Das heißt, Sie erhalten auch Bearbeitungskosten, Abschlusskosten, Provisionen die anfielen und alle sonstigen Gebühren zurück.
  • Die Summe, die Sie zurückbekommen, muss der Versicherer mit ca. 4 – 7 % Zinsen pro Jahr verzinsen! Eben diese Verzinsung macht den Widerspruch so attraktiv. Sie können 7 % Zinsen fordern. Sollte der Versicherer tatsächlich weniger Gewinn mit Ihrem Geld erzielt haben, muss er wiederum nachweisen, wie viel weniger. Nur wenn ihm dieser Nachweis gelingt, erhalten Sie den geringeren Zinssatz.
  • Abgezogen wird der Wert der Versicherungsleistung. Wenn also z. B. bei einer Lebensversicherung der Todesfall mit einer Versicherungssumme abgesichert war, müssen Sie sich den Wert dieser Versicherung anrechnen lassen. Dieser Betrag ist in der Regel recht gering. Wie hoch dieser Betrag konkret ist, kann nicht abstrakt bestimmt werden. Ihre Versicherung wird hierfür einen Betrag vorschlagen. Vorsicht ist geboten, wenn der Vertrag eine Berufsunfähigkeitsversicherung enthält! Diese schmälert zum einen den Wert stark und zum anderen ist es in vielen Fällen sinnvoll, diese beizubehalten und damit von einem Widerruf abzusehen.

Ein Beispiel:

Sie haben 2007 eine private Rentenversicherung mit einem Beitrag von 150 EUR monatlich geschlossen. Sie haben also bislang 14.400 EUR in den Vertrag einbezahlt (8 Jahre x 12 x 150). Der Vertrag ist heute aber nur 12.500 EUR wert - also 1.900 EUR weniger, als Sie einbezahlt haben (wohlgemerkt ohne Zinsen!).

Wenn Sie jetzt Widerspruch einlegen und nur 4 % Zinsen bekommen (7 % sind durchaus möglich), bekommen Sie Ihre 14.400 EUR abzüglich eines kleinen Betrags für den Todesfallschutz – falls vorhanden – plus ungefähr 2.400 Euro Zinsen heraus! Insgesamt bekommen Sie also 16.800 EUR (abzüglich Versicherungsleistung) statt 12.500 EUR zurück. Ein Plus von 4.300 EUR oder 34,4 %.

Ich habe meine Versicherung schon aufgelöst und den Rückkaufswert erhalten – kann ich trotzdem noch profitieren?

Ja! In diesem Fall können Sie die Differenz zwischen dem Rückkaufswert und dem Wert bei Widerspruch erhalten.

Wenn Sie sich nun fragen, ob auch Sie von den Vorteilen des Widerrufs profitieren können, sprechen Sie mich gerne an.

Markus Decker

Rechtsanwalt für Bank-, Kapitalmarkt- und Verbraucherrecht

Decker & Böse Rechtsanwälte


Rechtstipp vom 20.04.2015

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