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Grenzbebauung - Was Sie wissen und beachten müssen!

Die wichtigsten Fakten

  • Als Grenzbebauung gelten alle Bauwerke auf einem Grundstück, die an die Grundstücksgrenze heranreichen oder einen bestimmten Abstand zu ihr unterschreiten.
  • Wann es sich exakt um eine Grenzbebauung handelt, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich.
  • Die einzuhaltende Abstandsfläche zum Nachbargrundstück liegt in den meisten Bundesländern bei mindestens 3 Metern.
  • Innerhalb bestimmter Größenvorgaben ist es oft trotzdem zulässig, Garagen, Carports und Gartenhäuser zu bauen, ohne dass eine entsprechende Abstandsfläche übrig bleibt.
  • Auch für Fenster, Erker und Balkone im Grenzbereich gibt es in den einzelnen Bundesländern verschiedene Vorgaben.
  • In der Regel ist für eine Grenzbebauung die Zustimmung des betroffenen Nachbarn nötig.

Wann handelt es sich um Grenzbebauung?

Wann genau eine Grenzbebauung vorliegt, ist abhängig vom Bundesland. Entscheidend sind dabei die Abstandsflächen. Die einzuhaltende Abstandsfläche berechnet ein Vermessungsingenieur stets individuell. Ausschlaggebend dafür ist die Wandhöhe des geplanten Gebäudes. Diese wird mit der Dachneigung verrechnet.

Liegt die Dachneigung bei bis zu 70 Prozent, gilt ein Drittel der Wandhöhe, bei über 70 Prozent die gesamte Höhe als einzuhaltende Distanz. Das Ergebnis wird je nach Bundesland mit einem Faktor von 0,25 bis 1 multipliziert. Unabhängig vom Ergebnis ist jedoch fast immer ein Mindestabstand von drei Metern einzuhalten.

Wann dürfen Garagen, Carports und Gartenhäuser auf Abstandsflächen errichtet werden?

Unter gewissen Voraussetzungen ist es oft dennoch gestattet, Garagen, Carports, aber auch Gartenhäuser zu errichten, ohne dass eine Abstandsfläche freigehalten werden muss: 

  • Es ist ohne Genehmigung erlaubt, auf einer Abstandsfläche eine Garage zu bauen, wenn diese gewisse Maße einhält. In den meisten Bundesländern handelt es sich dabei um eine mittlere Wandhöhe von 3 Metern und eine Höchstlänge von 9 Metern. Häufig existiert auch eine Beschränkung hinsichtlich der maximal erlaubten Fläche einer Garage. In vielen Bundesländern liegt diese Grenze bei 40 m².
  • Carports stellen generell genehmigungspflichtige Bauvorhaben dar. Jedoch ist wie bei Garagen ihre Errichtung auf Abstandsflächen im Ausnahmefall zulässig, wenn die oben genannten Größenvorgaben nicht überschritten werden.
  • In den meisten Bundesländern ist auch beim Bau eines Gartenhauses auf der Abstandsfläche an der Grundstücksgrenze keine Baugenehmigung nötig, wenn es eine Höhe von 3 Metern und eine Länge von 9 Metern nicht überschreitet. Wenn das Gartenhaus jedoch eine eigene Feuerstätte oder einen Aufenthaltsraum besitzt, ist eine Errichtung auf der Abstandsfläche nicht zulässig.

Welche gesetzlichen Regelungen sind beim Einbau von Fenstern im Grenzbereich zu beachten?

Will man in ein Haus ein Fenster in Grenznähe einbauen, so findet das Fensterrecht Anwendung. Das Gleiche gilt auch für das Installieren eines Balkons oder Erkers. Ihr Nachbar besitzt ein Fensterabwehrrecht, weil das Nachbargrundstück durch diese grenznahen Anbauten womöglich einsehbar wird und so seine Privatsphäre gefährdet werden könnte.

Um in diesen Fällen verlässliche Vorgaben zu haben, existieren in den einzelnen Bundesländern Nachbarrechtsgesetze (NRG). Diese sind im Konfliktfall maßgebend.

Was ist bei der Grenzbebauung durch eine Mauer oder einen Zaun zu beachten?

In fast allen Bundesländern müssen Zäune und Mauern genehmigt werden. Im Bebauungsplan oder in der jeweiligen Bauordnung des Bundeslandes finden Sie im Regelfall Vorschriften, wie Sie Grundstücke einzäunen oder ummauern dürfen und welche Höhe eine Mauer oder ein Zaun aufweisen darf.

Benötigt man für die Grenzbebauung die Zustimmung des Nachbarn?

Für eine Grenzbebauung ist im Regelfall das Einverständnis Ihres Nachbarn erforderlich. Schließlich ist dieser unmittelbar von der Grenzbebauung betroffen.

Wenn Ihr Nachbar nicht bereits vorab dem Vorhaben zugestimmt hat, wird er im Genehmigungsprozess des Bauantrags um Einverständnis gefragt. Dies ist auch dann nicht anders, wenn Sie einen Antrag auf Befreiung von der Einhaltung der Abstandsflächen stellen.

Ihr Nachbar kann also gegen die Baugenehmigung Widerspruch einlegen. Macht er das nicht oder gibt er binnen vier Wochen überhaupt keine Stellungnahme ab, erteilt Ihnen die Baubehörde die Genehmigung, auch ohne dass er zugestimmt hat.

Stimmt Ihr Nachbar der Grenzbebauung dagegen nicht zu, wird Ihnen vom zuständigen Bauamt die Baugenehmigung verweigert. Sollten Sie trotzdem bauen, riskieren Sie es, eine Abrissverfügung zu erhalten und selbst für die Entfernung des Bauwerks aufkommen zu müssen.

Wann ist die Zustimmung des Nachbarn zur Grenzbebauung nicht erforderlich?

Nur in seltenen Ausnahmefällen ist das ausdrückliche Einverständnis Ihres Nachbarn nicht erforderlich. Wenn Ihr Nachbar allerdings bereits an die Grundstücksgrenze herangebaut hat, ist es Ihnen in gleichem Maße gestattet.

Steht das Haus Ihres Nachbarn unmittelbar an der Grenze, muss zwischen beiden Häusern jedoch eine Brandwand vorhanden sein oder gebaut werden. Diese hat im möglichen Brandfall die Aufgabe, das Übergreifen des Feuers von einem Gebäude auf das andere zu verhindern. Existiert keine Brandwand, muss das Haus zurückgebaut werden.

Wer mit seinem Nachbarn vorher eine Vereinbarung über eine Baulast getroffen hat, darf in gleicher Weise unmittelbar an der Brandwand bauen. Bei einer Baulast werden Pflichten eines Grundstückseigentümers gegenüber der Baubehörde dokumentiert, bestimmte Dinge, die das Grundstück betreffen, zu unterlassen, hinzunehmen oder durchzuführen.

Darüber hinaus ist die Zustimmung des Nachbarn zu einer Grenzbebauung ebenso wenig nötig, wenn Sie an der Grundstücksgrenze bauen müssen. Der Grund dafür kann beispielsweise sein, dass eine geschlossene Bauweise Pflicht ist. Grundsätzlich gibt der konkrete Bebauungsplan hier oft eine bindende Übersicht.

Rechtstipps zu "Grenzbebauung"