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Mahnverfahren - Was Sie wissen und beachten müssen!

Außergerichtliches Mahnverfahren

Der Begriff „Mahnverfahren“ wird meist mit dem gerichtlichen Mahnverfahren in Verbindung gebracht. In der Regel erfolgt jedoch vorher bereits das außergerichtliche Mahnverfahren. Das bedeutet: Zahlt ein Schuldner eine überfällige Rechnung nicht, kann der Gläubiger zunächst außergerichtlich versuchen, seinen Anspruch geltend zu machen.

Zu diesem Zweck kann er eine oder mehrere Mahnungen an den Schuldner senden, in denen er ihn nochmals zur Begleichung der geforderten Summe auffordert. Vorteil der außergerichtlichen Mahnschreiben ist, dass Gläubiger so schnell und kostengünstig an ihr Geld kommen.

Was ist eine Mahnung?

Bei einer Mahnung handelt es sich um eine eindeutige Aufforderung des Gläubigers an den Schuldner, eine fällige Zahlung zu leisten. Zwar gibt es für das Mahnschreiben keine vorgeschriebene Form – sie kann grundsätzlich also auch mündlich erfolgen – aus Beweisgründen sollte sie jedoch immer schriftlich erfolgen. Außerdem sollten wichtige Informationen nicht fehlen, so z. B. Rechnungsdatum und Rechnungsnummer, Liefernummer, Forderungshöhe und Zahlungsfrist.

Gerichtliches Mahnverfahren

Hat der Schuldner trotz außergerichtlicher Mahnschreiben immer noch keine Zahlung geleistet, stehen dem Gläubiger zwei Möglichkeiten offen, seinen Anspruch gerichtlich geltend zu machen:

Regulärer Klageweg

Der Weg über eine reguläre Klage beim zuständigen Amts- oder Landgericht kann nur mithilfe eines Rechtsanwalts beschritten werden. Dadurch sind die Kosten höher als im gerichtlichen Mahnverfahren. Für Gläubiger lohnt sich dieser Weg deshalb vor allem dann, wenn Streit darüber besteht, ob die Forderung überhaupt berechtigt ist. Das zuständige Gericht nimmt in dem Fall eine umfassende Prüfung des Anspruchs vor.

Mahnverfahren

Das gerichtliche Mahnverfahren stellt eine günstigere und unkompliziertere Alternative dazu dar. Der Gläubiger kann hier im Gegensatz zur „normalen“ Klage seinen Anspruch zunächst ohne Anwalt einfordern. Dazu muss er ein Antragsformular beim zuständigen Mahngericht einreichen. Das Gericht prüft nicht, ob der Anspruch berechtigt ist, sondern nur, ob der Antrag vollständig und richtig ausgefüllt ist, und erstellt dann direkt den Mahnbescheid.

Mahnantrag

Gläubiger haben zwei Möglichkeiten, den Mahnantrag auszufüllen:

Mahnantrag in Papierform ausfüllen

Ein vorgedrucktes Mahnantragsformular können Sie im Schreibwarenhandel erwerben. Achtung: Den amtlichen Vordruck kann man nicht aus dem Internet ausdrucken! Etwaige zum Download angebotene Formulare sind ungültig! Das Formular enthält auf der Rückseite eine ausführliche Anleitung und kann deshalb auch von juristischen Laien problemlos ausgefüllt werden.

Mahnantrag online ausfüllen

Alternativ kann man den Mahnantrag auch direkt online ausfüllen. Dafür haben die deutschen Mahngerichte unter www.online-mahnantrag.de eine zentrale Website eingerichtet. Dort finden Sie das Formular zum Ausfüllen mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung. Achtung: Ihr Mahnantrag wird in dem Fall als PDF-Datei erstellt. Diese Datei müssen Sie ausdrucken, unterschreiben und per Post oder persönlich bei Gericht einreichen!

Mahngericht

Zuständig ist örtlich immer das Gericht, in dessen Bundesland der Gläubiger ansässig ist. In jedem Bundesland gibt es ein zentrales Mahngericht, einige Bundesländer teilen sich auch ein Mahngericht:

Forderungseinzug_Inkasso - mahngerichte
Quelle: mahngerichte.de

Mahnbescheid

Mit Einreichen des Mahnantrags wird das gerichtliche Mahnverfahren eingeleitet. Auf diesen Antrag hin erlässt das zuständige Mahngericht den Mahnbescheid. Dieser ist nicht zu verwechseln mit einer Mahnung. Beim Mahnbescheid handelt es sich um eine gerichtliche Zahlungsaufforderung an den Schuldner, die diesem per Post zugestellt wird.

Das Schreiben enthält folgende Informationen:

  • Anschrift des Antragstellers (= Gläubiger)
  • Anschrift des Antragsgegners (= Schuldner)
  • Höhe der Forderung
  • Höhe der Zinsen
  • evtl. Nebenforderungen
  • Höhe der Gerichtskosten

Der Mahnbescheid wird dem Schuldner vom Gericht direkt per Post zugestellt. Der Gläubiger erhält keine Abschrift des Bescheids, er wird aber darüber informiert, dass dem Schuldner das Schreiben zugestellt wurde.

Widerspruch

Nach Erhalt des Mahnbescheids hat der Schuldner zwei Wochen Zeit, darauf zu reagieren. Ist er der Meinung, dass die Forderung zu hoch oder gänzlich unberechtigt ist, hat er die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen. Tut er dies, ist das Mahnverfahren abgeschlossen und die Angelegenheit geht auf den „normalen“ Klageweg vor dem zuständigen Amts- oder Landgericht über.

Vollstreckungsbescheid

Legt der Schuldner innerhalb der Zweiwochenfrist keinen Widerspruch ein und begleicht auch die Forderung nicht, kann der Gläubiger einen Vollstreckungsbescheid beantragen. Das dafür notwendige Formular erhält er bereits mit Übersendung der Mitteilung über die erfolgreiche Zustellung des Mahnbescheids.

Der Vollstreckungsbescheid kann frühestens zwei Wochen nach Zustellung des Mahnbescheids an den Schuldner gestellt werden. Fällt dieser Stichtag auf einen Samstag, Sonntag oder Feiertag, ist der frühestmögliche Termin am nächsten Werktag.

Für die Beantragung des Vollstreckungsbescheids hat der Gläubiger sechs Monate Zeit – ansonsten entfallen die Wirkungen des bereits an den Schuldner zugestellten Mahnbescheids. Der Gläubiger muss sich außerdem entscheiden, ob der Vollstreckungsbescheid an ihn oder direkt an den Schuldner zugestellt werden soll. In ersterem Fall ist das Mahnverfahren mit Erlass des Vollstreckungsbescheids für das Gericht abgeschlossen. Um die Zustellung des Bescheids an den Schuldner muss sich der Gläubiger selbst kümmern und die Kosten dafür tragen.

Auch gegen den Vollstreckungsbescheid kann der Schuldner innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung Einspruch erheben. Tut er dies, geht das gerichtliche Mahnverfahren – ebenso wie beim Widerspruch gegen den Mahnbescheid – in ein streitiges Verfahren vor dem zuständigen Amts- oder Landgericht über.

Zwangsvollstreckung

Der Vollstreckungsbescheid ist eine Urkunde darüber, dass die Forderung des Gläubigers noch nicht bezahlt worden ist. Sie ist also die Grundlage dafür, die Zwangsvollstreckung einzuleiten. Zuständiges Vollstreckungsgericht ist in der Regel das Amtsgericht, in dessen Bezirk der Schuldner wohnt.

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