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Versicherungsratgeber für Studenten: Welchen Versicherungsschutz braucht ein Student?

aus dem Rechtsgebiet Versicherungsrecht
Versicherungsratgeber für Studenten: Welchen Versicherungsschutz braucht ein Student?
Mit dem richtigen Versicherungsschutz kann man das Studentenleben in vollen Zügen genießen.

In zahlreichen Städten beginnen spätestens in diesen Tagen tausende „Erstis“ ihre Studienzeit. Während das Studium für die einen beginnt, starten die „alten Hasen“ ins neue Semester. Ein von vielen Studenten nur stiefmütterlich behandeltes Thema ist ihr Versicherungsschutz. Diese Vernachlässigung kann aber später verheerende Folgen haben. Passend zum Semesterstart hat die juristische Redaktion von anwalt.de deshalb sechs wichtige Versicherungen für Studenten zusammengetragen:

  • Krankenversicherung – was müssen Studenten beachten?
  • Haftpflichtversicherung – auch für Studenten ein Muss
  • Hausratversicherung – auf die Wohnsituation kommt es an
  • Berufsunfähigkeitsversicherung – je früher, desto günstiger
  • Dread-Disease-Versicherung – die untypische Versicherung
  • Rechtschutzversicherung – genau hinsehen und prüfen

Krankenversicherung – was müssen Studenten beachten?

Die Krankenversicherung ist die einzige Versicherung, die für jeden Studenten gesetzlich vorgeschrieben ist. Das heißt, jeder Student muss in Deutschland bei einer Krankenversicherung versichert sein. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass man als Student eine eigene Krankenversicherung abschließen muss. Gerade zum Studienbeginn sind viele Studenten noch bei ihren Eltern mitversichert. Dennoch gibt es einige Punkte, die Studenten in jedem Fall beachten müssen:

Eigene Krankenversicherung oder Mitversicherung bei den Eltern?

Die zentrale Frage, die sich für Studenten stellt, ist zunächst diejenige, ob, wie lange und bei welcher Versicherung ihrer Eltern sie mitversichert sind. In der Regel sind Studierende kostenlos bei den Eltern mitversichert, bis sie 25 Jahre alt sind. Danach muss eine eigene Versicherung abgeschlossen werden. Hierzu bieten die Krankenkassen spezielle Studententarife an. Wichtig ist, dass man vor oder bei Studienbeginn einen Blick in die Versicherungspolice und die Versicherungsbedingungen der Eltern wirft. Darin regelt jede Versicherung, wann und wie lange Studenten in der Familienversicherung mitversichert sind.

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn die Eltern privat krankenversichert sind. Grundsätzlich können Studenten sich auch hier mitversichern lassen. Das hat aber zur Folge, dass sie während ihres Studiums nicht mehr ohne Weiteres in die günstigere gesetzliche Krankenversicherung wechseln können. Erreichen sie die Altersgrenze, ab der sie nicht mehr über die Eltern mitversichert sind, müssen sie sich in einer privaten Krankenversicherung versichern lassen.

Private oder Gesetzliche Krankenversicherung – was ist für Studenten besser?

Zu Studienbeginn haben Studenten grundsätzlich die Wahl, ob sie sich gesetzlich oder privat krankenversichern wollen. Ob die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) oder die private Krankenversicherung (PKV) sinnvoller ist, hängt vom Einzelfall ab und lässt sich pauschal nicht sagen. Studenten ist daher dringend anzuraten, sich vor oder spätestens zum Studienbeginn mit der Krankenversicherung auseinanderzusetzen. Wer nicht sicher ist, ob er während oder nach dem Studium die Versicherungsart wechseln will, sollte sich auch hierüber genauestens informieren, denn diese Möglichkeit besteht gar nicht oder nur unter engen Voraussetzungen.

Wer bei der Immatrikulation keinen Versicherungsschutz nachweisen kann, hat drei Monate Zeit selber eine Studentenversicherung abzuschließen. Wer sich in dieser Zeit nicht entscheidet, wird automatisch in einer der gesetzlichen Krankenversicherungen pflichtversichert.

Vorsicht beim Studenten-Job

Wichtig ist für familienversicherte Studenten auch, dass sie beim Studentenjob oder im Praktikum auf die Höhe ihrer Vergütung achten. Überschreitet der Verdienst die von den Krankenkassen gesetzten Höchstgrenzen (in der Regel 450 Euro), geht die Mitgliedschaft in der Familienversicherung verloren und der Student muss sich freiwillig krankenversichern. Beim Studentenjob lohnt sich das je nach Höhe des Lohns nicht. Bei einer Praktikumsvergütung, die durchaus zwischen 800 Euro und 1000 Euro betragen kann, wird sich der Wechsel hingegen rechnen. Nach Praktikumsende kann der Student problemlos zurück in die Familienversicherung.

Haftpflichtversicherung – auch für Studenten ein Muss

Die private Haftpflichtversicherung ist in Deutschland gesetzlich nicht vorgeschrieben. Dennoch sollte sie zum Pflichtprogramm bei den Versicherungen zählen. Man haftet zwar in Deutschland generell nur nach dem Verschuldensprinzip und muss Schäden daher nur dann ersetzen, wenn man diese schuldhaft verursacht hat. Es gibt aber keine Abstufung hinsichtlich des Verschuldensgrades. Daher genügt bereits die kleinste Fahrlässigkeit oder Unachtsamkeit, damit man einen Schaden vollständig ersetzen muss. Dieses Risiko übernimmt die private Haftpflichtversicherung.

Mit der Haftpflichtversicherung werden daher grundsätzlich sämtliche Schäden abgesichert, die man im alltäglichen Leben verursachen kann. Diese Versicherung schützt damit vor den teilweise gewaltigen finanziellen Folgen kleiner Fehler. Die Haftpflichtversicherung erfüllt gesetzliche Schadensersatzansprüche von Dritten oder wehrt unberechtigte Forderungen ab. Welche Fehler und Schäden genau abgedeckt sind, richtet sich wiederum nach den Versicherungsbedingungen. Viele Studenten müssen sich nicht um diese Versicherung kümmern, da auch hier die Möglichkeit einer Mitversicherung in der Police der Eltern besteht. Dies sollten Studenten auf jeden Fall dringend prüfen. Haben die Eltern keine Haftpflichtversicherung oder ist die Mitversicherung ausgeschlossen, sollten Studenten eine eigene Haftpflichtversicherung abschließen.

Hausratversicherung – auf die Wohnsituation kommt es an

Bei der Hausratversicherung geht es darum, das eigene Hab und Gut gegen Wasserschäden, Feuerschäden oder Diebstahl zu versichern. Ob man als Student eine eigene Hausratversicherung benötigt, hängt von der Wohnsituation ab. Lebt man während dem Studium weiterhin bei den Eltern, benötigt man keine Hausratversicherung, denn die Hausratversicherung bezieht sich auf den gesamten Haushalt und damit auch auf die Besitztümer des Studenten. Aber auch wenn der Student auszieht, muss er nicht zwingend eine Hausratversicherung abschließen. Zieht er z. B. nur in ein Studentenwohnheim oder eine Studenten-WG, kann der Hausrat über eine Außenversicherungsklausel bei den Eltern mitversichert sein, wenn der Erstwohnsitz bei den Eltern bleibt.

Ziehen Studenten zu Hause aus, müssen sie also die Versicherungsbedingungen ihrer Eltern genau prüfen: Enthalten diese eine Außenversicherungsklausel und welche Voraussetzungen müssen für den Außenhausrat erfüllt sein? Greift diese nicht, empfiehlt es sich, eine eigenständige Studenten-Hausratversicherung abzuschließen. Dabei lohnt es sich, die einzelnen Tarife bis ins Detail zu vergleichen, denn die Leistungen und der Versicherungsumfang unterschieden sich bei den einzelnen Anbietern sehr stark.

Berufsunfähigkeitsversicherung – je früher, desto günstiger

Auch wenn eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) auch für Studenten einige Euro im Monat kostet, sollten Studenten diese Risikoabsicherung unbedingt so früh wie möglich in Angriff nehmen. Dies hat vor allem zwei Gründe: Zum einen steigt der monatliche Tarif mit jedem Lebensjahr, das später in die BU eingetreten wird, und zum anderen besteht für das Versicherungsunternehmen keine Versicherungspflicht. Die Versicherung kann daher Anträge nach Belieben ablehnen. Viele Versicherungen lehnen den Antrag z. B. bei Vorerkrankungen ab.

Da Studenten noch jung und in der Regel kerngesund sind, bekommen sie während ihres Studiums den besten Tarif. Je später sie die BU abschließen wollen, desto teurer wird die Versicherung und desto höher ist auch das Risiko, gar nicht mehr aufgenommen zu werden. Abgesichert wird mit der Versicherung der Verlust der Arbeitskraft. Liegen die in den Versicherungsbedingungen definierten Voraussetzungen einer Berufsunfähigkeit vor, erhält der Versicherungsnehmer eine monatliche Rente. Diese Absicherung ist besonders wichtig, da die Berufsunfähigkeit seit 2001 nicht mehr mit der gesetzlichen Rentenversicherung abgedeckt ist.

Dread-Disease-Versicherung – die untypische Versicherung

Die Dread-Disease-Versicherung ist eine in Deutschland noch recht unbekannte Versicherung, die anstelle einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder als Ergänzung dazu abgeschlossen werden kann. Bei dieser Versicherung erhält man im Versicherungsfall im Gegensatz zur Berufsunfähigkeitsversicherung keine monatliche Rente, sondern eine Einmalzahlung zur freien Verwendung. Abgesichert werden verschiedene schwere Krankheiten, wie z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs. Erkrankt man an einer dieser Krankheiten, wird die Versicherungssumme ausgezahlt. Ob und inwieweit sich diese Versicherung für Studenten lohnt, muss im Einzelfall geprüft werden. Eine generelle Empfehlung dafür oder dagegen kann daher nicht ausgesprochen werden.

Rechtschutzversicherung – genau hinsehen und prüfen

Auch im Alltag von Studenten laueren etliche Konflikte, die im schlimmsten Fall zu handfesten Gerichtsverfahren führen können – angefangen bei der Studienplatzklage, über inakzeptable Noten hin zu Ärger mit dem Vermieter wegen Mietschulden oder Problemen mit der Kaution, Ärger mit dem Chef oder der unerwarteten Verkehrskontrolle usw. Bereits diese wenigen Beispiele zeigen, dass jeder Student leicht in einen Rechtstreit verwickelt sein kann. In solchen Fällen übernimmt die Rechtschutzversicherung Anwalts- und Gerichtskosten.

Ob für Studenten eine Rechtschutzversicherung ratsam ist, hängt – wie schon bei den anderen Versicherungen – vom Versicherungsschutz der Eltern ab. Abhängig von den Versicherungsbedingungen können Studenten hier mitversichert sein. Wenn nicht, lohnt es sich in jedem Fall, über eine Rechtschutzversicherung nachzudenken und verschiedene Angebote zu prüfen. Wichtig zu wissen ist hierbei, dass es keine generelle Rechtschutzversicherung gibt, sondern sich der Rechtschutz immer auf ein bestimmtes Rechtsgebiet bzw. die Kombination mehrerer Rechtsgebiete bezieht. So gibt es z. B. den Arbeitsrechtschutz, den Verkehrsrechtschutz, Immobilienrechtschutz oder Strafrecht. Je nach Ausgestaltung der Versicherungspolice werden diese Bereiche miteinander kombiniert.

(THE)

Foto : fotolia.com/Westend61


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