Zur Navigation springen Zum Inhalt springen Zum Footer springen
Teilen

E-Mail

Facebook

Twitter

LinkedIn

Xing

Link

Wie ein Mediator hilft, Streit ganz ohne Schriftsatz zu schlichten

(3)

Im Streit ums Recht kochen die Gemüter schnell hoch: Beide Parteien sehen dieses meist ganz auf ihrer Seite und lassen sich dies in teuren Gerichtsverfahren bestätigen – oder müssen sich eines Besseren belehren lassen. In jedem Fall wird viel Papier bedruckt und hin und her geschickt, bis ein Richter die Akte – manchmal erst nach Jahren – schließen kann.

Mit der richtigen Herangehensweise lässt sich das in vielen Fällen vermeiden: Nicht immer braucht es einen Richter, um einen scheinbar festgefahrenen Streit beizulegen. Der neutrale Blick eines besonders geschulten Dritten hat hier schon oft geholfen. Mediator ist die offizielle Bezeichnung dieser Rolle. 

Welche Vorteile bringt eine Mediation ganz allgemein mit sich? 

Vertragen ist immer besser als verklagen.

Besonders sinnvoll ist es, einen Mediator einzuschalten, wenn klar ist, dass sich die Wege der Parteien im Leben zwangsläufig wieder kreuzen werden. Nachbarn können einander schlecht ignorieren, wenn sie in einem Haus leben und das Leben dort auf Dauer funktionieren soll. Oder: Geschäftspartner, deren langfristiger Erfolg zwangsläufig von der Zusammenarbeit mit dem Unternehmen des jeweils anderen zusammenhängt. Im Bereich des Arbeitsplatzes, in Schulen oder in der Ausbildungsstätte gilt für das gemeinsame Zusammenleben nichts anderes.

Geht es um familiäre Themen, wie eine Erbauseinandersetzung, geht es allen Beteiligten besser, wenn das nächste gemeinsame Treffen nach der Trauerfeier nicht im Gerichtssaal stattfindet. Hier kann ein Mediator mitunter dabei helfen, dass eine Familie nicht auseinanderbricht.

Auch in der Wirtschaft und den Medien werden zunehmend Mediatoren eingesetzt, da mehr und mehr erkannt wird, dass eine Mediation Ressourcen schont – Zeit und Geld sind dabei wichtige Gründe, die für eine Mediation sprechen. Zudem bleiben die Parteien in der Regel Geschäftspartner, wenn der Konflikt gelöst wurde.

Doch wie kann ein Mediator konkret helfen?

Einen Mediator einzuschalten heißt, einen Schritt zur Seite zu gehen und einen Vermittler den Sachverhalt neu aufrollen zu lassen. Hat sich der Mediator einen Überblick verschafft, beginnt er, Verhandlungen zu führen – ohne dabei Partei zu ergreifen.

Ein entscheidender Unterschied zum Richter: Die Parteien sollen sich am Ende einer erfolgreichen Mediation selbst einigen. Nicht der Mediator ist es, der eine Lösung rechtskräftig „anordnet“.

Was unterscheidet einen anwaltlichen Mediator von anderen Konfliktlösern?

Damit ein mühsam erarbeiteter Kompromiss nicht am nächsten Tag verpufft – „was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“ – muss am Ende einer Mediation doch etwas Handfestes stehen. Und genau hier trennt sich sprichwörtlich die Spreu vom Weizen: Der Begriff des Mediators ist kein geschützter Begriff. Das heißt, nicht jeder, der seine Dienste als Vermittler anbietet, hat auch den juristisch geschulten Blick, um einen rechtlichen Streit korrekt einzuordnen. Das heißt natürlich nicht, dass ein nichtanwaltlicher Mediator nicht ebenfalls ausgezeichnet Streit schlichten kann.

Zu wissen, wie das rechtliche Terrain aussieht, in dem gestritten wird, ist aber ein erheblicher Vorteil. Welchen Wunsch der einen Partei gibt die Rechtslage her, womit würde die andere Partei vor Gericht zwangsläufig scheitern? Das „Handfeste“ am Ende der anwaltlichen Mediation kann beispielsweise ein Vertrag sein, in dem sich die Parteien rechtsverbindlich zu dem gemeinsam erarbeiteten Kompromiss bekennen. Das schafft Vertrauen und fördert die Ernsthaftigkeit den Problemlösungsprozessen von Beginn an. Ein nichtanwaltlicher Mediator kann dies ohne Hinzuziehung von Experten nicht leisten.

Was sind die rechtlichen Grundlagen?

Das Mediationsgesetz stellt einige Grundregeln der Mediation auf.

https://www.gesetze-im-internet.de/mediationsg/index.html#BJNR157710012BJNE000200000 

In § 4 MediationsG ist beispielsweise eine Verschwiegenheitspflicht normiert: Wer vermittelt, darf den Inhalt von Gesprächen nicht nach außen tragen. Wo es um die Umsetzung einer getroffenen Vereinbarung erforderlich ist, findet dieser Grundsatz seine Grenze. Zu Beginn einer Mediation muss sich ein Mediator erkundigen, ob beide Parteien wirklich freiwillig mitwirken wollen. Ein Parteiergreifen ist dem Mediator ebenso verboten, wie es geboten ist, beide Parteien im gesamten Verfahren fair einzubinden. Kein Mediator kann, ohne Einvernehmen der Parteien, sein, wer für eine Partei in derselben Sache tätig war oder ist, § 3 Abs. 2 MediationsG.

Was kostet es, einen anwaltlichen Mediator einzuschalten?

Das Honorar für eine professionelle anwaltliche Mediation fällt in der Regel weitaus geringer aus als die Gesamtkosten eines gerichtlichen Verfahrens. Gängig ist die Zahlung des Mediators nach Zeitaufwand. Für den Fall einer Einigung kann eine Einigungsgebühr vereinbart werden. In der Regel teilen sich die Parteien das Honorar des Mediators.

Was kann kein Mediator leisten?

Damit eine Vermittlung durch einen Mediator gelingen kann, müssen beide Parteien zumindest grundsätzlich Interesse an einer außergerichtlichen Schlichtung haben. Selbst wenn sich im langwierigen nichts mehr bewegt und die Emotionen bereits am Siedepunkt sind, muss die Einschaltung eines Mediators für beide Seiten bedeuten, von diesem Zeitpunkt an wirklich zu – wenn auch angeleiteten – konstruktiven Gesprächen bereit zu sein.

Fehlt es jedoch selbst am letzten Funken einer Grundbereitschaft, den Streit einvernehmlich beizulegen, ist eine Mediation durch einen Rechtsanwalt zum Scheitern verurteilt. Wer jedoch Hoffnung auf ein gutes Ende des rechtlichen Ärgers nicht ganz aufgeben hat, dem sei es hiermit ans Herz gelegt, sich durch einen Mediator beraten zu lassen.


Rechtstipp aus dem Rechtsgebiet Mediation

Sie haben Fragen? Gleich Kontakt aufnehmen!

Rechtstipps zum Thema

Rechtstipps des Autors

Alle Rechtstipps von gulden röttger rechtsanwälte

Newsletter

Neue Urteile, hilfreiche Tipps und Kurioses im wöchentlichen anwalt.de-Newsletter.