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Fachanwalt

Sucht man nach einem passenden Anwalt für ein rechtliches Problem, stößt man wohl unweigerlich auf den Begriff des „Fachanwalts“. Aber wer darf sich eigentlich Fachanwalt nennen und welche Voraussetzungen sind dafür nötig?

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Die wichtigsten Fragen und Antworten

Was ist ein Fachanwalt?

„Fachanwalt“ ist ein Titel, der einem Rechtsanwalt verliehen werden kann, der in Deutschland zugelassen ist. Der Fachanwaltstitel dient vor allem als Nachweis für den Rechtsratsuchenden, dass ein Anwalt sich in einem bestimmten Rechtsgebiet besonders gut auskennt. Dazu gehören sowohl umfangreiche praktische Erfahrungen als auch besondere theoretische Kenntnisse, die im Vergleich zur allgemeinen juristischen Ausbildung überdurchschnittlich sein müssen.

Aktuell kann in insgesamt 23 Rechtsgebieten ein Fachanwaltstitel erworben werden:

  • Verwaltungsrecht
  • Steuerrecht
  • Arbeitsrecht
  • Sozialrecht
  • Familienrecht
  • Strafrecht
  • Insolvenzrecht
  • Versicherungsrecht
  • Medizinrecht
  • Miet- und Wohnungseigentumsrecht
  • Verkehrsrecht
  • Bau- und Architektenrecht
  • Erbrecht
  • Transport- und Speditionsrecht
  • Gewerblicher Rechtsschutz
  • Handels- und Gesellschaftsrecht
  • Urheber- und Medienrecht
  • Informationstechnologierecht
  • Bank- und Kapitalmarktrecht
  • Agrarrecht
  • Internationales Wirtschaftsrecht
  • Vergaberecht
  • Migrationsrecht

Wie wird man Fachanwalt?

Für die Verleihung des Fachanwaltstitels ist die Erfüllung bestimmter Voraussetzungen notwendig. Zunächst einmal muss man vorher mindestens drei Jahre lang als Anwalt zugelassen und tätig gewesen sein. Im Rahmen der Elternzeit kann sich diese dreijährige Tätigkeit aber auch über einen Zeitraum von bis zu sechs Jahren erstrecken. Wurde man z. B. im Januar 2007 zugelassen und befand sich von Januar 2009 bis Januar 2011 in Elternzeit, kann man bereits im Januar 2012 einen Fachanwaltstitel erwerben. Folgende Schritte sind notwendig:

  • Theoretische Kenntnisse: Besondere theoretische Kenntnisse müssen nachgewiesen werden. Das erfolgt meist im Rahmen der Teilnahme an einem Fachanwaltslehrgang für das betreffende Rechtsgebiet. Dieser Lehrgang vermittelt alle wichtigen Bereiche des Fachgebiets und dauert mindestens 120 Stunden. In bestimmten Fachbereichen kommen weitere Pflichtstunden hinzu: so zum Beispiel weitere 40 Stunden im Steuerrecht für Buchhaltung und Finanzwesen oder weitere 60 Stunden im Insolvenzrecht für betriebswirtschaftliche Grundlagen. Zusätzlich müssen mindestens 3 Prüfungen unter Aufsicht abgelegt werden, die jeweils mindestens eine Stunde und maximal fünf Stunden dauern. Zusammengerechnet müssen alle Prüfungen mindestens 15 Stunden dauern.
    Andere Möglichkeiten neben dem Fachanwaltslehrgang, die theoretischen Kenntnisse zu belegen, sind der Nachweis einer entsprechend umfangreichen dozierenden oder publizierenden Tätigkeit oder gleichwertige Berufsabschlüsse (im Steuerrecht z. B. der erfolgreiche Abschluss des Steuerberaterexamens).
  • Praktische Erfahrungen: Weiterhin müssen auch umfangreiche praktische Erfahrungen belegt werden. Dafür wird eine bestimmte Anzahl an Fällen aufgelistet, die man in den letzten drei Jahren in dem Rechtsgebiet abgeschlossen hat. Je nach Fachgebiet ist dabei eine unterschiedliche Anzahl an Fällen erforderlich: im Vergaberecht etwa 40 Fälle, von denen 5 gerichtliche Verfahren gewesen sein müssen; im Verkehrsrecht ganze 160 Fälle (davon 60 gerichtliche Verfahren).
  • Antragstellung: Schließlich stellt man einen Antrag auf Verleihung des Fachanwaltstitels bei der zuständigen Anwaltskammer. Ein dort zuständiger Vorprüfungsausschuss führt mit dem Bewerber ein 45- bis 60-minütiges Gespräch, sozusagen eine „mündliche Prüfung“ und gibt dann ein positives oder negatives Votum für die Anwaltskammer ab. Diese entscheidet dann über den Antrag, ist aber nicht strikt an das Votum gebunden. Maximal kann jeder Rechtsanwalt drei Fachanwaltstitel erwerben.

Warum zum Fachanwalt?

Wenn man sich als Rechtsratsuchender an einen Fachanwalt wendet, kann man sich sicher sein, dass der gewählte Ansprechpartner über große praktische und theoretische Erfahrung auf diesem Gebiet verfügt. Außerdem kann man so sicherstellen, dass man von umfangreichen Fachkenntnissen profitiert, die aufgrund einer Fortbildungspflicht für Fachanwälte auch immer auf dem neuesten Stand der Rechtsprechung ist. Im Gegensatz zur Bezeichnung als „Spezialist“ oder „Experte“ kann also nur der Titel des „Fachanwalts“ tatsächlich nachweisen, dass der Rechtsanwalt sich auf diesem Rechtsgebiet überdurchschnittlich gut auskennt und ideal weiterhelfen kann.

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Zahlen und Fakten

Laut aktueller Statistik der Bundesrechtsanwaltskammer vom 1. Januar 2017 sind in Deutschland insgesamt 53.866 Fachanwaltstitel verliehen. Dabei ist aber zu beachten, dass ein Rechtsanwalt bis zu drei Fachanwaltstitel führen kann, weshalb die Anzahl der Fachanwälte insgesamt 43.419 beträgt. Die meisten Fachanwaltstitel sind im Arbeitsrecht vergeben (10.370), die wenigsten im Migrationsrecht (14; die Fachanwaltschaft besteht aber auch erst seit 2016). Insgesamt tragen von allen in Deutschland zugelassenen Rechtsanwälten 26,41 Prozent mindestens einen Fachanwaltstitel.

Durch fast alle Rechtsgebiete zieht sich die Tatsache, dass Frauen als Fachanwältinnen gegenüber Männern deutlich unterrepräsentiert sind. Nur 27,6 Prozent aller Fachanwaltstitel werden von Frauen getragen. Die meisten Fachanwältinnen gibt es im Familienrecht mit 5475 (von insgesamt 9516), die wenigsten im Migrationsrecht (4 von 14). Der Hauptgrund dafür ist in der Regel die Familiengründung.

Die wichtigsten Fakten zum Fachanwalt

Unterschied Spezialist – Fachanwalt

Die Bezeichnung „Fachanwalt“ ist ein gesetzlich geschützter Titel. Wird er von Personen geführt, die dazu nicht berechtigt sind, machen diese sich nach § 132a Strafgesetzbuch (StGB) des Missbrauchs von Titeln und Berufsbezeichnungen strafbar und können mit Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bestraft werden.


Nicht geschützt, aber dafür umso mehr Streitthema, sind die Bezeichnungen „Spezialist“ und „Experte“. Darf sich ein Rechtsanwalt so nennen, wenn er in diesem Bereich keinen Fachanwaltstitel hat? Und was ist mit Rechtsgebieten, für die es gar keine Fachanwaltschaft gibt, z. B. das Schulrecht oder das Unterhaltsrecht?

Im Jahr 2004 hat das Bundesverfassungsgericht (Az.: 1 BvR 159/04) im Falle des Verkehrsrechts dazu geurteilt, dass ein Rechtsanwalt sich als „Spezialist“ bezeichnen darf, wenn er auf diesem Gebiet über besonderes Wissen und/oder große praktische Erfahrung verfügt. Es geht dabei insbesondere um die Tätigkeit auf einem Gebiet, wobei im Falle des Fachanwalts die Fachkenntnis im Vordergrund steht. Problem dabei: Für das Verkehrsrecht gab es 2004 noch gar keine Fachanwaltschaft, eine Verwechslung von Spezialist und Fachanwalt war also gar nicht möglich.

Dem gegenüber steht ein Urteil des Landgerichts München (Az.: 33 O 427/09) aus dem Jahr 2009. Dieses entschied, dass die Bezeichnung „Spezialist“ nur dann erlaubt ist, wenn es für dieses Rechtsgebiet keinen Fachanwaltstitel gibt. Verwechslungen sollen so vermieden werden. Man darf sich also nicht „Spezialist für Erbrecht“ nennen, dafür aber z. B. „Spezialist für Wehrrecht“.

2014 urteilte wiederum der Bundesgerichtshof (Az.: I ZR 53/13), dass sich ein Rechtsanwalt auf einem Rechtsgebiet „Spezialist“ oder „Experte“ nennen darf, wenn er das auch tatsächlich ist und nachweisen kann. Das steht auch in Übereinstimmung mit § 7 der Berufsordnung für Rechtsanwälte (BORA), der besagt: „Wer qualifizierende Zusätze verwendet, muss zusätzlich über entsprechende theoretische Kenntnisse verfügen und auf dem genannten Gebiet in erheblichem Umfang tätig gewesen sein.“

Im Umkehrschluss bedeutet das auch, dass ein Fachanwalt, der diese Kenntnisse ja schon nachgewiesen hat, sich immer als „Spezialist“ oder „Experte“ bezeichnen darf. Es ist also kein Problem, wenn ein Fachanwalt für Familienrecht behauptet, „Experte für Scheidungen“ oder „Spezialist für Unterhaltsansprüche“ zu sein.

Weitere Spezialisierungsmöglichkeiten

Viele Rechtsanwälte konzentrieren sich auf bestimmte Bereiche, ohne einen Fachanwaltstitel dafür zu erwerben. Das kann unterschiedliche Gründe haben: Entweder es gibt keine Fachanwaltschaft für das Gebiet, man hat noch nicht genug Fälle abgeschlossen, entscheidet sich aus Zeitgründen dagegen usw. Dennoch möchte man zum Ausdruck bringen, dass man seine Tätigkeit besonders auf dieses Fachgebiet ausgerichtet hat und nennt sich z. B. Arbeitsrechtsanwalt, Scheidungsanwalt, Strafverteidiger, Bauanwalt, Steueranwalt oder Anlegeranwalt. Weitere häufig gewählte Spezialisierungen sind:

  • Patientenanwalt: Ein Patientenanwalt widmet sich der Vertretung von Patienten, die Opfer von sogenanntem „Ärztepfusch“ geworden sind. Bei einem Kunstfehler bzw. sonstigem Behandlungsfehler unterstützt er diese dabei, Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld gegen den Mediziner durchzusetzen. Patientenanwälte sind häufig auch Fachanwälte für Medizinrecht.
  • Anwaltsnotar: Im Gegensatz zu einem „Vollzeit-Notar“ ist ein Anwaltsnotar lediglich zusätzlich, neben dem Anwaltsberuf, als Notar tätig. Um sich als Anwaltsnotar bezeichnen zu dürfen, muss ein Rechtsanwalt gemäß § 6 der Bundesnotarordnung (BnotO) die notarielle Fachprüfung bestehen. Von den rund 160.000 Rechtsanwälten, die in Deutschland zugelassen sind, waren 2017 5558 gleichzeitig Notare.
  • Opferanwalt: Opfer von besonders schweren Straftaten bekommen im Strafverfahren kostenlos einen Opferanwalt zur Seite gestellt. Er leistet anwaltlichen Beistand in der Nebenklage und unterstützt das Opfer auch im Zeugenstand.
  • Patentanwalt: Ein Patentanwalt ist kein Rechtsanwalt im eigentlichen Sinne. Er ist an der Schnittstelle zwischen Recht und Technik tätig und widmet sich vor allem Fragen des geistigen Eigentums, also allen Themen rund um Patente, Marken und sonstige Schutzrechte. Ein Patentanwalt muss immer ein naturwissenschaftliches oder technisches Studium abgeschlossen haben. Danach erfolgt eine spezielle juristische Zusatzausbildung für Patentanwälte, die mindestens 34 Monate dauert.
  • Mediator: Die Mediationsausbildung erfolgt als Weiterbildung und umfasst etwa 200 Unterrichtsstunden. Laut § 7a der Fachanwaltsordnung (FAO) und § 5 des Mediationsgesetzes (MediationsG) darf eine Person sich nur als „Mediator“ bezeichnen, wenn sie bestimmte Voraussetzungen der Aus- und Fortbildung erfüllt und spezielle theoretische Kenntnisse und praktische Erfahrungen nachweisen kann.

Fortbildung ist verpflichtend

Sobald man einen Fachanwaltstitel führt, ist man dazu verpflichtet, sich regelmäßig in diesem Rechtsgebiet fortzubilden. Regelmäßig bedeutet jährlich, wobei die erste Fortbildung im Jahr nach der Antragstellung der Fachanwaltschaft erfolgen muss. Gemäß § 15 der Fachanwaltsordnung muss die Fortbildung jährlich mindestens 15 Stunden umfassen, wobei auch Lehrgänge mit angerechnet werden.

Rücknahme des Fachanwaltstitels

Der Vorstand der Rechtsanwaltskammer, bei der der betreffende Rechtsanwalt gemeldet ist, ist zuständig für einen etwaigen Widerruf oder die Rücknahme eines Fachanwaltstitels. Bildet sich ein Anwalt nicht im vorgeschriebenen Umfang fort oder werden nachträglich Tatsachen bekannt, aufgrund derer ihm der Titel gar nicht hätte verliehen werden dürfen, kann das einen Grund für den Entzug der Fachanwaltschaft darstellen. Sobald dieser Grund bekannt wird, kann die Rechtsanwaltskammer den Titel innerhalb eines Jahres aberkennen. Dafür muss zunächst der Rechtsanwalt angehört werden. In einem beschließenden Bescheid, der dem Anwalt zuzustellen ist, müssen die Gründe für die Aberkennung angegeben werden.

Spezialisierung als Fachanwalt sinnvoll?

Wussten Sie schon?

Nicht alle Fachanwaltschaften bestehen schon seit jeher. Vielmehr sind im Laufe der Jahre immer wieder neue Rechtsgebiete hinzugekommen, in denen ein Fachanwaltstitel erworben werden kann. Die erste Fachanwaltschaft wurde im Jahr 1937 im Steuerrecht eingeführt. Erst im Jahr 1986 kamen in der BRD die weiteren Fachanwaltschaften für Arbeitsrecht, Sozialrecht und Verwaltungsrecht hinzu. Nach der Wiedervereinigung wurden im Jahr 1994 die Fachanwaltschaften in der Bundesrechtsanwaltsordnung verankert, im neu geschaffenen § 43c Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) „Fachanwaltschaft“.


Daraufhin wurden bis heute folgende weitere Fachanwaltschaften eingeführt:

  • 1998: Familienrecht und Strafrecht
  • 1999: Insolvenzrecht
  • 2003: Versicherungsrecht
  • 2005: Medizinrecht, Miet- und Wohnungseigentumsrecht, Verkehrsrecht, Bau- und Architektenrecht, Erbrecht, Transport- und Speditionsrecht
  • 2006: Gewerblicher Rechtsschutz, Handels- und Gesellschaftsrecht, Urheber- und Medienrecht, Informationstechnologierecht
  • 2007: Bank- und Kapitalmarktrecht
  • 2008: Agrarrecht
  • 2013: Internationales Wirtschaftsrecht
  • 2015: Vergaberecht
  • 2016: Migrationsrecht

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