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Arbeitszeugnis prüfen: Form, Formulierungen und Fallstricke

Oder wählen Sie einen passenden Anwalt in Ihrer Nähe

Arbeitsrecht

Sie haben ein Arbeitszeugnis erhalten und wissen nicht, ob der erste Eindruck täuscht? In vielen Zeugnissen verstecken sich Geheimcodes – deshalb sollten Arbeitnehmer ihr Arbeitszeugnis prüfen lassen.

Die wichtigsten Fakten

  • Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein Arbeitszeugnis.

  • Das (qualifizierte) Zeugnis muss aktiv beim Arbeitgeber beantragt werden. 

  • Der Arbeitgeber ist zur Erstellung eines wahrheitsgemäßen und wohlwollenden Arbeitszeugnisses verpflichtet.

So gehen Sie vor

  1. Lassen Sie das Arbeitszeugnis von einem Rechtsanwalt prüfen.
  2. Verlangen Sie ggf. eine Zeugniskorrektur, wenn Sie mit bestimmten Beurteilungen nicht einverstanden sind.
Notenverteilung Arbeitszeugnis
Notenverteilung in qualifizierten Arbeitszeugnissen (Quelle: PMS 2010)

Wer hat Anspruch auf ein Arbeitszeugnis und wie sieht es aus?

Im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) und in der Gewerbeordnung (GewO) hat der Gesetzgeber festgelegt, dass jeder Arbeitnehmer einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis hat. Dieser Anspruch gilt nicht nur für langjährige Angestellte oder Arbeiter, sondern auch für Praktikanten, Werkstudenten, Minijobber oder Leih- und Zeitarbeiter.

Zu unterscheiden ist allerdings zwischen einem einfachen Arbeitszeugnis und einem qualifizierten Arbeitszeugnis. Grundsätzlich ist der Arbeitgeber nur zur Erstellung eines einfachen Zeugnisses verpflichtet. Deshalb sollten Mitarbeiter immer ein qualifiziertes Zeugnis beantragen. Dies enthält u. a. eine Leistungsbeurteilung sowie eine Verhaltensbeurteilung.

Ein einfaches Arbeitszeugnis enthält u. a.:

  • Angaben zum Unternehmen
  • Dauer des Beschäftigungsverhältnisses
  • Grund für das Beschäftigungsende (auf Wunsch des Arbeitnehmers)
  • Detaillierte, wertfreie Tätigkeitsbeschreibung
  • Ort, Datum und Unterschrift

Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis enthält u. a.:

  • Angaben zum Unternehmen
  • Angaben zum Arbeitnehmer
  • Art und Dauer des Beschäftigungsverhältnisses
  • Detaillierte Tätigkeitsbeschreibung
  • Beurteilung von Leistung und Sozialverhalten
  • Beendigungsgrund des Arbeitsverhältnisses
  • Schlussformel
  • Ort, Datum und Unterschrift
Arbeitszeugnis erstellen

Arbeitszeugnis prüfen

Geheimcodes im Arbeitszeugnis? Als Arbeitnehmer sollten Sie Ihr Arbeitszeugnis von einem Rechtsanwalt prüfen lassen.

Lassen Sie Ihr Arbeitszeugnis überprüfen

Der erste Blick – worauf sollten Arbeitnehmer im Arbeitszeugnis achten?

Für den Arbeitgeber gilt eine sogenannte „Wohlwollenspflicht“. Das bedeutet aber nicht, dass dem Arbeitnehmer auf jeden Fall ein gutes Arbeitszeugnis zusteht. „Wohlwollen“ meint, dass das Zeugnis keine Informationen enthalten darf, die die Suche des Mitarbeiters nach einer neuen Tätigkeit erschwert. Zudem ist es Arbeitgebern auch nicht erlaubt, Behauptungen bzw. Interpretationen und Vermutungen über das Verhalten oder die Leistung des Mitarbeiters aufzuführen.

Die Leistungsbeurteilung ist häufig Streitpunkt bei gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Folgende Aspekte können bzw. sollten im Arbeitszeugnis aufgeführt sein:

  • Arbeitsbefähigung
  • Arbeitsbereitschaft
  • Arbeitserfolg
  • Arbeitsweise
  • Fachkenntnisse
  • Führungsfähigkeit (z. B. bei leitenden Angestellten)
  • Führungsleistung (z. B. bei leitenden Angestellten)
  • Gesamtbeurteilung
  • Verhaltensbeurteilung

Darüber hinaus muss ein qualifiziertes Arbeitszeugnis auch eine Bewertung des Verhaltens des Mitarbeiters gegenüber seinen Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kollegen und zu anderen Personen, zu denen er am Arbeitsplatz Kontakt gehabt hat (bspw. Kunden, Gäste, Patienten), enthalten.

Es ist wichtig, dass dabei – in genau dieser Reihenfolge – auf das Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Mitarbeitern und Kollegen eingegangen wird. Wird die Reihenfolge geändert oder bleibt eine Personengruppe unerwähnt, drückt der Arbeitgeber damit aus, dass es Grund zur Beschwerde gab.

Es gibt eine Vielzahl von Formulierungsmöglichkeiten, die Arbeitnehmer bei der Prüfung stutzig machen sollten. Bei folgenden Beispielen handelt es sich um die gängigsten und bekanntesten Formulierungen:

  • Note 1: „stets zu unserer vollsten/höchsten Zufriedenheit“
  • Note 2: „stets zur vollen Zufriedenheit“
  • Note 3: „stets zur Zufriedenheit“
  • Note 4: „zur Zufriedenheit“
  • Note 5: „in der Regel zu unserer Zufriedenheit“

Sie möchten eine Zeugniskorrektur geltend machen?

Sie sind der Meinung, dass Ihr Arbeitszeugnis fehlerhafte Formulierungen enthält. In diesem Fall sollten Sie die Arbeitszeugnisformulierungen von einem Rechtsanwalt/Fachanwalt für Arbeitsrecht prüfen lassen. Sollte der Arbeitgeber eine Zeugniskorrektur ablehnen, kann der Arbeitnehmer eine Zeugnisberichtigungsklage erheben. Die Frist dafür beträgt drei Wochen nach Erhalt des Arbeitszeugnisses.

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Geheimcodes im Arbeitszeugnis? Als Arbeitnehmer sollten Sie Ihr Arbeitszeugnis von einem Rechtsanwalt prüfen lassen.

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Von
Cornelia Lang
anwalt.de-Redaktion