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Düsseldorfer Tabelle - Was Sie wissen und beachten müssen!

Die wichtigsten Fakten

  • Die Düsseldorfer Tabelle ist eine Richtlinie für die Berechnung von Unterhalt.
  • Sie wird insbesondere zur Berechnung von Kindesunterhalt herangezogen.
  • Die Tabelle ist rechtlich nicht bindend.
  • Die meisten Gerichte halten sich jedoch daran.
  • Maßgeblich für die Höhe des Unterhalts sind u. a. Alter des Kindes und Einkommen des Unterhaltspflichtigen.

Was ist die Düsseldorfer Tabelle?

Bei der Düsseldorfer Tabelle handelt es sich um eine Unterhaltsleitlinie, die vom Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf herausgegeben wird. In ihr lässt sich ablesen, wie hoch der zu leistende Kindesunterhalt ist – je nach Alter des Kindes und Einkommen des zahlungspflichtigen Elternteils. Darüber hinaus enthält die Düsseldorfer Tabelle auch Vorgaben zum Ehegattenunterhalt, zum Verwandtenunterhalt und Regelungen für die Unterhaltsberechnung im Mangelfall.

Ziel der Düsseldorfer Tabelle ist es, den (Kindes-)Unterhalt bundesweit zu vereinheitlichen und damit gerecht zu gestalten. Dabei hat die Tabelle selbst aber keine Gesetzeskraft, das heißt, sie ist nicht bindend. Die Gerichte und Jugendämter sind nicht verpflichtet, sich an die Angaben der Düsseldorfer Tabelle zu halten. In der Regel tun sie dies jedoch und eine Klage dagegen hat kaum Erfolgschancen.

Infrage kommt jedoch eine Ergänzung der Düsseldorfer Tabelle durch regionale Leitlinien. Insbesondere die Gerichte in Süddeutschland orientieren sich stark an den „Süddeutschen Leitlinien“ und ziehen diese häufig der Düsseldorfer Tabelle vor.

Aktuelle Düsseldorfer Tabelle 2020

Die Düsseldorfer Tabelle wird regelmäßig aktualisiert – meist zum Jahresende. Die aktuelle Fassung der Düsseldorfer Tabelle gilt seit 1. Januar 2020. Die nächste Anpassung erfolg vermutlich Anfang 2021. Folgende Mindesunterhaltssätze sieht die aktuelle Tabelle vor (alle Beträge sind jeweils in Euro):

Netto-einkommen des Unterhalts-pflichtigen0–5 Jahre6–11 Jahre12–17 Jahreab 18 Jahren
bis 1900 369424497530
1901–2300 388446522557
2301–2700 406467547583
2701–3100 425488572610
3101–3500 443509597636
3501–3900473543637679
3901–4300 502577676721
4301–4700 532611716764
4701–5100 561645756806
5101–5500591679796848

Liegt das Nettoeinkommen des Unterhaltspflichtigen über 5500 Euro pro Monat, erfolgt die Berechnung des Kindesunterhalts je nach den Umständen des Einzelfalls.

Wovon hängt die Höhe des Kindesunterhalts nach der Düsseldorfer Tabelle ab?

Einkommen des unterhaltspflichtigen Elternteils

Unterhaltspflichtig ist immer der Elternteil, bei dem das Kind nicht wohnt. Der andere Elternteil erfüllt seine Unterhaltspflicht durch den sogenannten Betreuungsunterhalt.

Je nachdem, wie viel der zahlungspflichtige Elternteil verdient, muss dieser mehr oder weniger Kindesunterhalt zahlen. Die Düsseldorfer Tabelle enthält zehn Einkommensklassen, die von „bis 1900 Euro“ bis „5101–5500 Euro“ reichen. Bei Einkommen ab 5501 Euro im Monat wird der Unterhalt im Einzelfall berechnet.

Alter des Kindes

Die Düsseldorfer Tabelle unterscheidet vier Altersklassen, nach denen Kinder einen unterschiedlich hohen Anspruch auf Kindesunterhalt haben: 0–5 Jahre, 6–11 Jahre, 12–17 Jahre und ab 18 Jahre.

Dabei enthält die Tabelle auch Angaben zum Mindestunterhalt nach dem Einkommensteuergesetz. Der Mindestunterhalt beträgt aktuell für Kinder von 0–5 Jahren 369 Euro, von 6–11 Jahren 424 Euro, von 12–17 Jahren 497 Euro und ab 18 Jahren 530 Euro. Der Elternteil, der Kindesunterhalt zahlen muss, ist verpflichtet, alles Mögliche zu unternehmen, um diesen Mindestunterhalt zahlen zu können. In diesem Rahmen kann ihm z. B. auferlegt werden, eine Nebentätigkeit aufzunehmen oder eine Arbeitsstelle mit höherem Verdienst anzunehmen.

Selbstbehalt

Dem unterhaltspflichtigen Elternteil muss dabei jedoch stets auch ein gewisser Betrag zum Selbstbehalt verbleiben, mit dem er seinen eigenen Lebensunterhalt bestreiten kann. Dieser beträgt gegenüber minderjährigen Kindern sowie volljährigen Kindern bis 21 Jahren, die im Haushalt eines Elternteils leben, 1160 Euro für Erwerbstätige und 960 Euro für nicht Erwerbstätige. Gegenüber anderen volljährigen Kindern liegt der Selbstbehalt bei 1400 Euro.

Bedarfskontrollbetrag

Der Bedarfskontrollbetrag ist nicht mit dem Selbstbehalt zu verwechseln, auch wenn diese beiden Beträge in der niedrigsten Einkommensstufe (bis 1.900 Euro Monatsnettoeinkommen) identisch sind. Ziel des Bedarfskontrollbetrags ist es, das Einkommen zwischen dem Unterhaltspflichtigen und dem Kind fair zu verteilen.

Wird nach der Berechnung der Bedarfskontrollbetrag der jeweiligen Einkommensgruppe unterschritten, so ist der Unterhaltsbetrag derjenigen nächstniedrigeren Einkommensklasse zu zahlen, bei der der Bedarfskontrollbetrag nicht unterschritten wird.

Kindergeld

Das Kindergeld wird gemäß § 1612b Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) auf den Betrag des zu zahlenden Kindesunterhalts angerechnet. Derzeit beträgt das Kindergeld für das erste und zweite Kind je 204 Euro monatlich, für das dritte Kind 210 Euro und für jedes weitere Kind je 235 Euro.

Bei volljährigen Kindern wird das Kindergeld in voller Höhe auf den Unterhaltsanspruch angerechnet. Das bedeutet, diese Summe wird vom laut Düsseldorfer Tabelle zu zahlenden Betrag abgezogen. Bei minderjährigen Kindern wird nur die Hälfte des Kindergelds angerechnet.

Anzahl der Unterhaltsberechtigten

Die in der Düsseldorfer Tabelle angegebenen Beträge gelten immer für den Fall, dass es zwei Unterhaltsberechtigte gibt. Beispiel: Ein Mann muss Unterhalt an seine Exfrau und ein gemeinsames Kind zahlen. Oder: Eine Frau muss Unterhalt für zwei Kinder zahlen.

Gibt es im konkreten Fall jedoch nur einen Unterhaltsberechtigten (z. B. nur ein Kind, weil der Expartner keinen Anspruch auf Ehegattenunterhalt hat), dann ist der Betrag aus der nächsthöheren Einkommensgruppe zu zahlen. Pro Unterhaltsberechtigtem mehr gilt je eine nächstniedrigere Einkommensstufe.

Bei mehreren Unterhaltsberechtigten muss dem Zahlungspflichtigen jedoch stets genügend Selbstbehalt verbleiben. In solchen Fällen gelten Kinder vorrangig vor Ehegatten. Kann ein Unterhaltsschuldner also z. B. nicht genügend Unterhalt für Kind und Exfrau bezahlen, kommt das Geld dem Kind zugute und die Frau geht leer aus.

Wie wird das unterhaltsrelevante Nettoeinkommen berechnet?

Für die Einordnung in die richtige Einkommensklasse der Düsseldorfer Tabelle ist nicht der Nettolohn maßgeblich, den der Unterhaltspflichtige jeden Monat auf sein Konto bekommt. Vielmehr wird das bereinigte Nettoeinkommen herangezogen. Dafür werden vom Einkommen berufsbedingte Aufwendungen abgezogen, etwa Fahrtkosten und Kosten für Berufskleidung oder sonstige Arbeitsmittel.

In der Regel werden diese berufsbedingten Aufwendungen nicht im Einzelfall berechnet. Stattdessen wird meist eine Pauschale von fünf Prozent des Nettoeinkommens abgezogen. Diese beträgt jedoch mindestens 50 Euro und maximal 150 Euro. Übersteigen die Kosten für berufsbedingte Aufwendungen im Einzelfall die Pauschale, muss der Unterhaltspflichtige diese konkret nachweisen.

Für den Fall, dass beide Elternteile das Kind nach der Scheidung im Wechselmodell betreuen, werden die beiden Nettoeinkommen der Eltern zusammengerechnet. Anhand dieses Gesamteinkommens wird der Kindesunterhalt gemäß Düsseldorfer Tabelle ermittelt. Die Eltern sind dann anteilig Unterhalt schuldig.

Ehegattenunterhalt und Verwandtenunterhalt

Für den Ehegattenunterhalt enthält die Düsseldorfer Tabelle keine Angaben, aus denen sich konkrete Zahlenwerte ablesen lassen. Stattdessen beinhaltet sie die sogenannte 3/7-Methode:

  1. Unterhaltsberechtigter hat kein Einkommen: Anspruch beträgt 3/7 des Nettoeinkommens des anderen plus die Hälfte seiner sonstigen anrechenbaren Einkünfte (z. B. aus Vermietung)
  2. Unterhaltsberechtigter hat eigenes Einkommen: Anspruch beträgt 3/7 der Differenz zwischen den Einkommen
  3. Unterhaltsberechtigter ist nicht erwerbstätig, also z. B. Rentner: wie bei 1. und 2., aber 50 Prozent statt 3/7

Insbesondere in Süddeutschland werden auch beim Ehegattenunterhalt oft regionale Leitlinien den Vorgaben der Düsseldorfer Tabelle vorgezogen. Die Oberlandesgerichte Bamberg, Karlsruhe, München, Nürnberg, Stuttgart und Zweibrücken orientieren sich eher an der 45-Prozent-Regel statt der 3/7-Methode.

Gegenüber dem Ehegatten muss dem Unterhaltspflichtigen ein Eigenbedarf von 1280 Euro bleiben. Das Existenzminimum für Anspruchsberechtigte beträgt bei Erwerbstätigen 1160 Euro, bei nicht Erwerbstätigen 960 Euro. Beim Elternunterhalt beträgt der Selbstbehalt mindestens 2000 Euro, außerdem muss dem Unterhaltsschuldner mindestens die Hälfte seines darüber hinausgehenden Einkommens bleiben.

Geschichte der Düsseldorfer Tabelle

Erstmals herausgegeben wurde die Düsseldorfer Tabelle im Jahr 1962 vom Landgericht Düsseldorf. Eine Eingruppierung fand damals nicht nach Einkommen des Unterhaltspflichtigen statt, sondern nach neun verschiedenen Lebensstellungsgruppen (z. B. „einfachste Verhältnisse“, „selbstständige Handwerker“ oder „Stars und Minister“). 

Mit der fünften Tabelle von 1973 wurde diese Unterteilung abgeschafft und durch Einkommensgruppen ersetzt. Durch die Reform des Familienrechts 1977 gingen die Zuständigkeiten an die Oberlandesgerichte über. Seitdem wird die Düsseldorfer Tabelle vom OLG Düsseldorf herausgegeben.

Seit 1980 wird die Tabelle regelmäßig in Zusammenarbeit mit allen deutschen Oberlandesgerichten und dem Deutschen Familiengerichtstag hinsichtlich der politischen und wirtschaftlichen Lage angepasst. Bis Ende 2007 wurde sie außerdem durch die Berliner Tabelle ergänzt. Diese enthielt zwei weitere Einkommensgruppen, die noch unter der niedrigsten Gruppe der Düsseldorfer Tabelle lagen.

Weitere wichtige Änderungen der Düsseldorfer Tabelle:

  • Gleichstellung von ehelichen und nichtehelichen Kindern
  • Einbezug der Hartz-IV-Reformen
  • Einführung des Mindestunterhalts auf Basis des Existenzminimums gemäß Einkommensteuergesetz 2008

Die aktuelle Fassung der Düsseldorfer Tabelle gilt seit dem 1. Januar 2020.

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