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Erbengemeinschaft - was Sie wissen und beachten müssen!

  • 5 Minuten Lesezeit

Die wichtigsten Fakten:

  • Wenn mehrere Personen erben, bilden sie eine Erbengemeinschaft.
  • Die Erbengemeinschaft hat Rechte und Pflichten.
  • Die Erbengemeinschaft muss den Nachlass gemeinsam verwalten.
  • Die Erbengemeinschaft endet in der Regel mit der Erbauseinandersetzung.

Wie entsteht eine Erbengemeinschaft?

Erben mehrere Personen gemeinsam, entsteht eine sogenannte Erbengemeinschaft (§ 2032 BGB). Der Nachlass des Verstorbenen wird somit gemeinschaftliches Vermögen der Erben und muss von diesen auch gemeinschaftlich verwaltet werden. Diese Situation entsteht häufig, wenn die Erbfolge nicht geregelt wurde, also kein Testament oder Erbvertrag vorliegt, oder der Erblasser die Erbengemeinschaft testamentarisch festgelegt hat.

Beispiel: Eine verwitwete Frau hat vier Kinder. Stirbt die Frau und hinterlässt sie kein Testament, erben nach der gesetzlichen Erbfolge automatisch ihre vier Kinder jeweils zu gleichen Teilen. Die Hinterbliebenen bilden somit eine Erbengemeinschaft.

Welche Rechte hat eine Erbengemeinschaft?

  • Die Erbengemeinschaft kann das Erbe ausschlagen, z. B. wenn überwiegend Schulden vererbt wurden.
  • Zwar gibt es kein gesetzliches Recht für eine allgemeine Auskunftspflicht der Miterben untereinander. Wenn aber einem Miterben ohne eine Auskunft Nachteile drohen, kann er einen Anspruch auf Auskunft nach dem gesetzlichen Grundsatz von Treu und Glauben (§ 242 BGB) geltend machen.
  • Wenn ein Nachlassgegenstand ausschließlich an einen Miterben vererbt wurde, können die anderen Miterben eine Auskunft über den Verbleib dieser Erbschaft verlangen (Auskunftspflicht des Erbschaftsbesitzers nach § 2027 BGB).

Welche Pflichten hat eine Erbengemeinschaft?

  • Wird ein Miterbe der Erbengemeinschaft beispielsweise aufgrund eines Testaments mit der Verwaltung des Nachlasses beauftragt, muss er die anderen Miterben darüber informieren (Auskunftspflicht).
  • Wenn ein Miterbe vom Erblasser zu Lebzeiten Zuwendungen erhalten hat, muss er für diese Zuwendungen einen Ausgleich leisten.
  • Jeder Miterbe muss bei der ordnungsgemäßen Nachlassverwaltung und bei der Erstellung eines Nachlassverzeichnisses mitwirken.

Wie haften die Miterben einer Erbengemeinschaft?

Wenn der Erblasser Schulden hinterlassen hat, haften alle Miterben gemeinsam (§ 2058 BGB) für Nachlassverbindlichkeiten. Egal, ob es sich dabei um Beerdigungskosten oder Darlehensschulden handelt: Der Nachlass wird als Sondervermögen behandelt und die Erbengemeinschaft haftet als Gesamtschuldner, d. h., jeder Miterbe haftet für die gesamten Schulden des Erblassers. Bis zur Erbauseinandersetzung darf das Privatvermögen der einzelnen Miterben in der Regel nicht zur Schuldentilgung herangezogen werden.

AUSNAHME: Wenn die Frist zur Einreichung eines Inventars (Inventarfrist) abgelaufen ist oder vorsätzlich eine unrichtige Inventarliste erstellt wurde, kann ein Nachlassgläubiger auf das private Vermögen des Miterben zugreifen, allerdings nur in Höhe der Erbquote.

Wie wird der Nachlass in der Erbengemeinschaft verwaltet?

Grundsätzlich verwalten alle Miterben einer Erbengemeinschaft den Nachlass gemeinsam (§ 2038 BGB). Wenn eine Testamentsvollstreckung angeordnet wurde, übernimmt der Testamentsvollstrecker die Verwaltung des Nachlasses (§ 2205 BGB).

Ordnungsgemäße Verwaltung

Alle Miterben der Erbengemeinschaft müssen dazu beitragen, dass eine ordnungsgemäße Verwaltung des Nachlasses möglich ist. Dazu gehören beispielsweise Maßnahmen, die eine vernünftige, wirtschaftlich denkende Person vornehmen würde und die den Nachlass nicht wesentlich verändern. Außerdem muss diese Maßnahme erforderlich sein.

Welche Maßnahmen zur ordnungsgemäßen Nachlassverwaltung ergriffen werden müssen, entscheidet die Mehrheit aller Miterben in einer Abstimmung.

Folgende Maßnahmen sind u. a. denkbar:

  • Übertragung der Verwaltung auf einen oder mehrere Miterben
  • Abschluss von Verträgen zur Reparatur oder Erhaltung von Nachlassgegenständen
  • Begleichung von Nachlassschulden

Wenn es keine Mehrheitsentscheidung über Maßnahmen der ordentlichen Verwaltung gibt, kann auch eine Minderheit der Miterben die anderen Miterben auf Zustimmung zur Durchführung dieser Maßnahmen verklagen. In einigen Fällen könnten auch Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden.

Außerordentliche Verwaltung

Wenn es aber um wesentliche Veränderungen des Nachlasses geht, muss die Erbengemeinschaft einstimmig darüber abstimmen. Außerordentliche Verwaltung liegt vor, wenn diese Veränderung die Zweckbestimmung oder die Gestalt des gesamten Nachlasses entscheidend verändert (z. B. Umwandlung eines Gewerbes in ein Unternehmen einer anderen Branche).

Notverwaltungsmaßnahme

Hier geht es um Maßnahmen, die notwendig sind, um Schaden am Nachlass oder einzelnen Nachlassteilen zu vermeiden. Dabei geht es um eine Maßnahme der ordnungsgemäßen Verwaltung, die sofort durchgeführt werden muss und die Mitwirkung der anderen Miterben nicht rechtzeitig möglich ist. Somit ist der bevollmächtigte Miterbe dazu verpflichtet, diese umgehend zur Abwendung eines Schadens durchzuführen (z. B. dringende Reparaturarbeiten an Häusern, Vorgehen gegen Zwangsvollstreckungsmaßnahmen).

Wie findet die Erbauseinandersetzung statt?

Grundsätzlich kann jeder Miterbe die Erbauseinandersetzung, also die Auflösung des Nachlasses, verlangen (§ 2042 Abs. 1 BGB).

Jedoch gibt es Ausnahmen von diesem Grundsatz:

  • Wenn eine Testamentsvollstreckung angeordnet worden ist (§ 2204 BGB).
  • Wenn ein Erblasser die Erbauseinandersetzung ausgeschlossen hat (§ 2044 BGB).
  • Wenn die Erbquoten noch nicht festgelegt werden konnten, weil beispielsweise ein Miterbe später geboren wurde (§ 2043 BGB).
  • Wenn das Gläubigeraufgebot noch nicht fertiggestellt wurde, z. B. im Falle eines überschuldeten Nachlasses (§ 2045 BGB).
  • Wenn die Auflösung der Erbengemeinschaft rechtsmissbräuchlich wäre, z. B. falls der überlebende Ehepartner befürchten muss, sein Eigenheim zu verlieren.

Als Erstes muss der Umfang des Nachlasses ermittelt werden. Anschließend müssen alle Nachlassverbindlichkeiten aus dem Nachlass erfüllt werden (§ 2046 BGB).

Wenn es bereits Zuwendungen im Wege der vorweggenommenen Erbfolge (z. B. Schenkung) an einige Miterben gegeben hat, muss dies bei der Nachlassermittlung berücksichtigt werden.

Der Nachlassumfang hängt ebenfalls davon ab, ob Pflegeleistungen noch abgerechnet werden müssen.

Des Weiteren müssen Nachlassgegenstände an die Miterben entsprechend des Willens des Erblassers verteilt werten, Immobilien verkauft werden etc.

Oft dauert es lange, bis der Nachlass aufgeteilt ist, z. B. wenn einzelne Vermögenswerte nicht gewinnbringend verkauft werden können. In diesen Fällen ist es möglich, einen Pfandverkauf durchzuführen. Auch Immobilien können notfalls im Rahmen einer Teilungsversteigerung veräußert werden

Falls es Streitigkeiten bei der Erbauseinandersetzung gibt, sollte ein Rechtsanwalt für Erbrecht beauftragt werden.

Was ist eine Abschichtung oder Anwachsung?

Neben der Erbauseinandersetzung kann der Nachlass auch im Wege einer Abschichtung, Anwachsung oder aufgrund des Verkaufs der Erbteile aufgelöst werden.

Abschichtung bedeutet, dass ein Miterbe auf seinen Erbteil verzichtet und dafür eine Abfindung erhält.

Anwachsung heißt, dass sich der Erbteil eines Miterben vergrößert, also in der Erbengemeinschaft anwächst, z. B. wenn ein Miterbe den Erbteil eines anderen Miterben kauft.

Denn auch durch einen Verkauf der Erbteile von Miterben kann eine Erbengemeinschaft aufgelöst werden.

Wann endet die Erbengemeinschaft?

In der Regel endet die Erbengemeinschaft mit der Erbauseinandersetzung. Dennoch kommt es vor, dass ein Erblasser in seinem Testament festgelegt hat, dass Erben einen Nachlassgegenstand dauerhaft gemeinsam besitzen sollen. Des Weiteren kann ein Erblasser auch verfügen, dass beispielsweise eine Immobilie, deren Eigentümerin die Erbengemeinschaft wird, nicht verkauft werden darf. In diesen Fällen besteht die Erbengemeinschaft weiter und die Miterben können sich im Rahmen einer erbrechtlichen Beratung darüber informieren, wie sie diese Erbengemeinschaft verlassen können.


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